10.08.2018

Zu wenig Sauerstoff fürs Herz Koronare Herzkrankheit: Symptome & Behandlungsmöglichkeiten

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Das Ruhe-und Belastungs-EKG zählt zu den typischen Diagnoseverfahren bei einer koronaren Herzerkrankung.

Foto: iStock/monkeybusinessimages

Das Ruhe-und Belastungs-EKG zählt zu den typischen Diagnoseverfahren bei einer koronaren Herzerkrankung.

Die koronare Herzerkrankung ist die weltweit häufigste Herzkrankheit. Allein in Deutschland sind rund sechs Millionen Menschen davon betroffen. 2015 starben etwa 128.000 Menschen daran. Woran Sie eine koronare Herzkrankheit erkennen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was Sie selbst tun können, um aktiv vorzubeugen.

Die koronare Herzkrankheit – auch ischämische Herzkrankheit genannt – ist eine chronische Erkrankung, bei der die Herzkranzgefäße, die das Herz mit sauerstoffreichem Blut versorgen, krankhaft verengt sind. Vor allem bei körperlicher Belastung, wenn das Herz zusätzlich Sauerstoff benötigt, kommt es dabei zu einer Minderversorgung des Herzmuskels. Das kann zu Angina pectoris-Anfällen, Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen und schlimmstenfalls zum Herzinfarkt führen. In den westlichen Industrienationen stellt die koronare Herzkrankheit die mit Abstand häufigste Todesursache dar.

Die Symptome eines Herzinfarkts sind bei Frauen oft anders als bei Männern. Erfahren Sie mehr im Video:

Herzinfarkt bei Frauen

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Ursachen der koronaren Herzkrankheit: Ungesunde Lebensweise und erbliche Faktoren

Ursache der koronaren Herzerkrankung ist die Arteriosklerose, umgangssprachlich auch Arterienverkalkung genannt. Dabei lagern sich Fette, Eiweiße und Mineralien – sogenannte Plaque – an der Innenseite der Gefäßwände an und verhärten dort allmählich. Zusätzlich kommt es zu Entzündungsreaktionen, die auch tiefere Schichten der Gefäßwand verändern. Das führt dazu, dass sich der Innendurchmesser des betroffenen Gefäßes allmählich verkleinert, sodass weniger sauerstoffreiches Blut hindurchfließen kann.

Eine Arteriosklerose kann grundsätzlich an allen Gefäßen des Körpers auftreten. Besonders gefährlich ist sie aber, wenn die Herzkrankgefäße betroffen sind, die den Herzmuskel mit sauerstoffreichem But versorgen. Wie Arteriosklerose genau entsteht, ist noch nicht abschließend geklärt. Allerdings weiß man, dass neben dem Alter, dem männlichen Geschlecht und einer erblichen Veranlagung, ganz bestimmte Risikofaktoren die Entstehung von Arteriosklerose besonders begünstigen:

  • Bluthochdruck belastet die Innenwände der Gefäße.
  • Tabakrauch enthält schädliche Inhaltsstoffe, die die Entstehung von Plaque fördern.
  • Ungünstige Blutfettwerte, insbesondere erhöhtes LDL-Cholesterin, steigern ebenfalls die Plaquebildung.
  • Übergewicht, vor allem zu viel Bauchfett, schädigt über Entzündungsbotenstoffe die Gefäßwände.
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) führt bei unzureichender Behandlung ebenfalls zu Gefäßschädigungen.
  • Stress belastet das Herz.
  • Bewegungsmangel fördert Übergewicht.
  • Ungesunde Ernährung fördert Übergewicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.

Typisches Symptom: Angina pectoris

Die Verkalkung der Herzkranzgefäße ist ein schleichender Prozess, der sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg hinzieht und lange Zeit symptomlos und damit unbemerkt verlaufen kann. Erst wenn die arteriosklerotischen Prozesse soweit fortgeschritten sind, dass sich der Blutfluss zum Herzen um etwa 50 Prozent verringert hat, treten bei körperlicher Anstrengung in der Regel Symptome in Form von anfallsartigen und beklemmenden linksseitigen Brustschmerzen auf. Der Arzt nennt diese Beschwerden Angina pectoris, was übersetzt "Brustenge" bedeutet. Je nach Ausprägung wird die Angina pectoris in unterschiedliche Formen und Schweregrade eingeteilt:

  • Stabile Angina pectoris liegt vor, wenn die Brustschmerzen immer bei vergleichbaren Belastungssituationen auftreten und nach wenigen Minuten in Ruhe oder durch gefäßerweiternde Medikamente wieder verschwinden:
  • Grad 1: Keine Symptome im Alltag, nur bei ungewohnt hoher Belastung (z. B. langes Joggen, schweres Heben)
  • Grad 2: Angina pectoris bei stärkerer körperlicher Anstrengung (z. B. schnelles Treppensteigen, Bewegung bei starker Kälte, nach schwerem Essen).
  • Grad 3: Symptome bereits bei leichter körperlicher Belastung (z. B. Spaziergehen, langsames Treppensteigen)
  • Eine instabile Angina pectoris ist lebensbedrohlich und liegt vor, wenn die Beschwerden bereits im Ruhezustand oder bei geringster körperlicher Belastung auftreten oder auch, wenn sich der Schweregrad plötzlich verschlimmert. Die Herzkranzgefäße haben sich dann weiter verengt. Verschließen sie ganz, droht ein Herzinfarkt.
  • Untypischer oder symptomloser Verlauf: Insbesondere bei Frauen kann die Angina pectoris aber auch ohne die charakteristischen Brustschmerzen verlaufen. Hier gelten vor allem eine plötzlich auftretende Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder auch Übelkeit und Magenschmerzen als typische Symptome. Bei Diabetikern kann die Angina pectoris sogar komplett symptomlos verlaufen, da durch diabetesbedingte Nervenschädigungen keine Schmerzen verspürt werden.

Welche Folgeerkrankungen gibt es bei koronarer Herzkrankheit?

Die Mangeldurchblutung des Herzmuskels kann zu einer Reihe sehr ernstzunehmender Folgeerkrankungen führen:

  • Ein Herzinfarkt ist die gefährlichste Folge der koronaren Herzerkrankung und immer lebensbedrohlich. Er tritt auf, wenn ein Blutgerinnsel das Gefäß komplett verschließt, wodurch es zum Absterben von Herzmuskelzellen kommt.
  • Auch Herzrhythmusstörungen mit Herzklopfen, Herzrasen, Schwindelgefühl und Müdigkeit können infolge einer anhaltende Mangeldurchblutung des Herzens entstehen.
  • Eine Herzschwäche mit Leistungsabfall und Atemnot kann ebenfalls die Folge von Durchblutungsstörungen des Herzens sein, aber auch nach einem Herzinfarkt auftreten.

So läuft die Diagnose der koronaren Herzerkrankung beim Arzt ab

Vor der körperlichen Untersuchung führt der Kardiologe immer eine Anamnese durch. Das ist ein Arzt-Patienten-Gespräch, bei dem der Arzt die Vorgeschichte des Patienten, die Risikofaktoren sowie die genaue Symptomatik erfragt. Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung. Dabei sind unterschiedliche Diagnoseverfahren möglich:

  • Ruhe-EKG und Belastungs-EKG: Messung der Herzströme in Ruhe und unter Belastung.
  • Echokardiografie: Spezielle Ultraschalluntersuchung des Herzens in Ruhe oder unter Belastung.
  • Myokardszintigraphie: Nuklearmedizinisches Diagnoseverfahren mit Kontrastmittel.
  • Kardio-MRT: Magnet-Resonanz-Tomografie (mittels Radiowellen und Magnetfeldern) des Herzens mit Kontrastmittel.
  • Herz-CT: Spezielle Computertomografie (Röntgendiagnose) des Herzens.
  • Koronarangiografie: Invasives Verfahren, bei dem über einen Herzkatheter ein Kontrastmittel eingespritzt wird, um so die Herzkranzgefäße per Röntgen-Kontrastverfahren bildlich darzustellen.

Therapie der koronaren Herzkrankheit: Nicht heilbar, aber gut behandelbar

Die krankhaften Veränderungen an den Herzkranzgefäßen lassen sich leider nicht wieder rückgängig machen, aber es gibt wirkungsvolle Möglichkeiten, um ein weiteres Fortschreiten der Krankheit zu verhindern und die Beschwerden effektiv zu lindern. Die Therapie der koronaren Herzkrankheit richtet sich dabei vor allem nach dem Stadium der Erkrankung.

  • Risikofaktoren ausschalten: Wenn bereits gefäßschädigende Grunderkrankungen, wie Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen, bestehen, ist es wichtig diese gezielt behandeln zu lassen. Außerdem sollte bestehendes Übergewicht möglichst abgebaut und schädliche Verhaltensweisen, wie das Rauchen, aufgegeben werden.
  • Medikamente spielen bei der langfristigen Therapie der koronaren Herzkrankheit eine besonders wichtige Rolle. Dabei werden vor allem sogenannte Plättchenhemmer zur Vorbeugung von Blutgerinnseln eingesetzt sowie Statine, die das Cholesterin senken. Bei Patienten mit Herzschwäche und Bluthochdruck werden zusätzlich Betablocker gegeben. Gefäßerweiternde Nitratsprays helfen außerdem bei akuten Angina pectoris-Beschwerden.
  • Ballondilatation und Stentbehandlung werden dann nötig, wenn sich die Beschwerden trotz Verhaltensänderung und Medikamenten nicht gravierend bessern oder sogar noch zunehmen. Die Engstelle kann dann mit einem Herzkatheter untersucht, mittels Ballondilatation geweitet und das Ergebnis durch das Einsetzen eines sogenannten Stents – einer Gefäßstütze aus Metall – gesichert werden.
  • Die Bypass-Operation ist die klassische Alternative zur Ballondilatation mit Stentbehandlung, wenn mehrere Gefäßregionen oder der Hauptstamm betroffen sind. Die Engstellen werden dann mit körpereigenen Gefäßen überbrückt.

Vorbeugung: Was Sie selbst für Ihre Herzgesundheit tun können

Das Tückische an der koronaren Herzkrankheit ist, dass sie diese – zumindest im Anfangsstadium – nicht selbst spüren können. Gezielte Vorsorge ist deshalb besonders wichtig. Nutzen Sie dazu die Angebote der Krankenkassen. Gesetzlich Krankenkassenversicherte haben zum Beispiel alle zwei Jahre Anspruch auf die kostenlose Vorsorgeuntersuchung Check-up 35. Hier werden wichtige Werte wie der Blutzuckerspiegel und der Cholesterinwert sowie der Blutdruck und der Body-Mass-Index (BMI) regelmäßig kontrolliert – das kann nicht nur in Bezug auf Probleme mit Herz-Kreislauf vorbeugen.

Vorbeugend, aber auch therapiebegleitend ist außerdem eine Änderung des Lebensstils besonders sinnvoll. Eine gesunde Lebensweise kann nachweislich dazu beitragen, die Entstehung einer koronaren Herzerkrankung zu verhindern und den Verlauf der Krankheit sowie die Lebenserwartung positiv zu beeinflussen. Dabei sollten Sie auf folgende Dinge achten:

  • Versuchen Sie das Rauchen aufzugeben!
  • Lernen Sie besser mit Stress umzugehen, beispielsweise durch das Erlernen von Entspannungstechniken, wie autogenem Training, Yoga oder progressiver Muskelentspannung nach Jacobson.
  • Versuchen Sie bestehendes Übergewicht abzubauen.
  • Achten Sie auf eine gesunde und fettarme Ernährung nach mediterranem Vorbild mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, wenig Zucker und tierischen Fetten und meiden Sie industriell stark vorgefertigte Lebensmittel. Es gibt ein paar Naturheilmittel für ein gesundes Herz, die Sie in Ihren Speiseplan aufnehmen können.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Günstig sind vor allem Ausdauersportarten, wie Fahrradfahren, Schwimmen, Tanzen und Spazierengehen.
  • Wenn Sie bereits an koronarer Herzkrankheit leiden, können Sie auch in einer Herzsportgruppe unter ärztlicher Leitung trainieren. Herzsportgruppen werden wohnortnah meist über die örtlichen Sportvereine angeboten. Eine Liste der nächstgelegenen Herzsportgruppen finden Sie hier.

Welche Ursachen Arteriosklerose übrigens noch haben kann, lesen Sie auch bei uns. Unter anderem gehört auch Kaliummangel dazu.

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