14.09.2018

Redakteure in Trance Hypnose: Ein Erfahrungsbericht

BILD der FRAU-Redakteurinnen Sonja Utsch und Sarah Schmidt machten trotz anfänglicher Skepsis ihre ganz eigenen Hypnose-Erfahrungen.

Foto: iStock/PeopleImages

BILD der FRAU-Redakteurinnen Sonja Utsch und Sarah Schmidt machten trotz anfänglicher Skepsis ihre ganz eigenen Hypnose-Erfahrungen.

Hypnose. Alleine dieses Wort hat den einen oder anderen in unserer Redaktion schon immer irgendwie irritiert. Ein so bedeutungsschweres, irgendwie ätherisches Wort – jeder kennt es, hat es schon einmal gehört. Meist in Filmen. Aber seien wir ehrlich, kaum einer weiß doch, was genau dahinter steckt. Wir wussten es jedenfalls nicht. Bis wir es am eigenen Leib ausprobiert haben.

Ich persönlich dachte ja bei Hypnose bisher immer an das obligatorische, vor den Augen hin und her schwingende Pendel. "Du wirst müüüüde… deine Augen werden schweeeer"… und irgendetwas mit im nicht spürbaren Wind flatternden Tüchern und schwerem Räucherstäbchenduft waberte in meinem Kopf herum. Kombiniert mit dem Gedanken, nach einer Hypnose sicherlich als Hund oder so aufzuwachen. Und dann kam Susanne – und wir sammelten unsere ersten Hypnose-Erfahrungen.

Hypnose-Erfahrungen zweier Skeptiker

"Leute. Ich kann das doch mit der Hypnose. Ich kann euch das mal zeigen", sprach unsere Kollegin – und die Redaktion explodierte. Hypnose. Das soll eigentlich eher eine Art Tiefenentspannung sein, in der auch das eigentlich Unbewusste erforscht werden kann – aber bei gleichbleibender Kontrolle der eigenen Person. Unsere Vorstellung? Ganz anders. Also war der nächste logische Schritt: ausprobieren!

"Ihr werdet euch an alles erinnern können", versprach die Kollegin – und überzeugte gleich die zwei größten Skeptiker unter uns, doch einmal einer Sitzung beizuwohnen. Social-Media-Managerin Sarah und Redakteurin Sonja sollten es also sein, die ihr Innerstes mit ihrer hypnotisierenden Kollegin Susanne teilen – was für eine Überwindung! Jedenfalls im ersten Moment. Denn so viel sei verraten: Hypnose kann ganz schön hilfreich sein – und so ganz anders, als wir uns sie immer vorgestellt haben.

Am Anfang ist das Vorgespräch: Wohin soll's eigentlich gehen?

Am Anfang stand also das Vorgespräch. Eine vorhergehende, ausführliche Anamnese ist sehr wichtig. Jede von uns sprach also über eventuelle Ziele, die wir bei der Hypnose gerne angehen wollten und ließ sich über die Vorgehensweise aufklären. Ich persönlich merkte im Gespräch mit Susanne schnell: Ja, das passt, ihr kann ich mich anvertrauen. Denn das ist äußerst wichtig, wie sie mir bestätigte. Normalerweise sucht man sich seinen Hypnotiseur nämlich selbst aus – denn die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn man sich richtig fallen lassen kann und eine Vertrauensbasis besteht.

Im Vorgespräch redeten wir also über das, was ich gerne einmal in meinem Unterbewusstsein erforschen wollte. Dabei kamen gleich mehrere Themen auf und wir merkten: Eigentlich könnten wir mehrere Sitzungen füllen. Dann klärte Susanne noch darüber auf, was bei der Hypnose eigentlich passiert.

Und so geht's weiter...

 

Ein mögliches Mittel: Alltags-Denkmuster durchbrechen

Es wird ein Trance-Zustand erreicht, der dabei hilft, starre Alltags-Denkmuster zu umgehen und das Unbewusste einmal hervorzuholen. Eine Art Bewusstseinserweiterung tritt dabei ein und es können dabei durchaus auch Erinnerungen hervorkommen, die vorher gar nicht mehr so präsent waren.

Bei der Hypnose lassen sich übrigens die verschiedensten Themen behandeln. Ob es die klassische Rauchentwöhnung oder die Behandlung von Zwängen ist, das Verarbeiten von Erinnerungen oder gar Schmerztherapie. Sogar Verdauung, Hormontätigkeit und Immunsystem lassen sich beeinflussen. Die Hypnose ist damit kein Therapieverfahren, sondern eher als Werkzeug zu sehen, um eine Therapie zu unterstützen oder anzuleiten.

Bis zum eigentlichen Termin sollten wir uns dann selbst noch einmal Gedanken zu unserem Thema machen und Stichpunkte notieren. Susanne selbst bereitete die Sitzung für jeden von uns vor – übrigens ein ganz schöner Aufwand. Jedem von uns schenkte sie einen ganzen Tag in der Vorbereitung.

"Was, wenn ich die Kontrolle doch verliere?"

Am großen Tag dann waren Sarah und ich dann eigentlich ganz entspannt – aber wir beide können ganz unabhängig voneinander berichten: Auf dem Weg zur Praxis kam dann doch ein mulmiges Gefühl auf. "Was, wenn ich die Kontrolle doch verliere?" – dieser Satz schwirrte immer wieder im Kopf herum. Das kann durchaus hinderlich sein, aber so viel sei verraten: Das passiert nicht.

Ich war also Versuchskaninchen Nummer eins. Sarah sollte später antreten. Wir hatten zweieinhalb Stunden Zeit, um mich in Trance zu versetzen.

Erstmal kalten Füßen vorbeugen und es kann losgehen

Nach einem kurzen Vorgespräch machte ich es mir zusammen mit einem dicken Paar Socken auf einem zurücklehnbaren Ledersessel bequem. Die Füße können während eines Trance-Zustandes nämlich durchaus kalt werden – im Nachhinein kann ich das bestätigen. Dann ging es los mit verschiedenen Versuchen, mich tiefer in mich selbst gleiten zu lassen: Einem Stift folgen, leichte Rechenaufgaben, mir meiner Hände und Füße bewusst werden, kurzes Herunterzählen… und irgendwann fing es an.

Ich merkte, wie ich immer tiefer glitt und mich nicht mehr ganz körperlich präsent im Raum befand. Plötzlich setzte ein Schwindel ein, alles fing sich an zu drehen – aber nicht auf diese unangenehme Art, eher wie auf einem Kinderkarussell.

Dann bauten wir uns meinen Rückzugsort, zu dem ich während der Hypnose, aber auch darüber hinaus in Stresssituationen, immer kommen sollte: Ein grüner Garten, der tatsächlich sehr lebhaft in meinem Kopf auftauchte – inklusive Eichhörnchen im Baum.

Und damit hatte ich nicht gerechnet...

 

Plötzliche Kindheitserinnerungen sind gruselig – oder?

Und dann ging’s los mit den Themen, die wir im Vorfeld besprochen hatten. Ich merkte, wie ich einfach drauflos sprach – und mir dabei ein wenig vorkam, als wäre ich wieder ein Kind. Ich erinnerte mich plötzlich an Situationen, die lange schon aus meinem Kopf verschwunden waren, die mich aber über lange Zeit geprägt hatten. Susanne half mir, mit diesen Situationen gedanklich umzugehen.

Ein wenig drifteten wir dabei vom eigentlich geplanten Thema ab. Das wiederum war im Endeffekt ein wenig gruselig – aber auch gut. Ich merkte, dass es Themen gibt, die mich weit mehr beschäftigen, als ich es im Alltag zugeben möchte. Ein guter Ansatz, um sich noch einmal mit sich selbst zu befassen.

Klare Gedanken – und seltsame Wahrnehmung

Verrückt war, dass ich ihr in meiner Trance Dinge anvertrauen konnte, die ich sonst niemandem so direkt erzählen würde. Gezwungen war ich nicht dazu – vielmehr fühlte ich mich in dem Moment einfach bereit, diese Sachen auszusprechen. Sehr befreiend. Und da setzt ein wichtiger Hinweis an: Was im Therapieraum während der Hypnose passiert, bleibt auch dort – sprich, der Hypnotiseur steht unter Schweigepflicht.

Krass – und das Wort ist hier wirklich angebracht – waren die Wahrnehmungsverzerrungen. Ich saß auf einem Kunstledersessel – war aber während meiner Trance vollkommen überzeugt, dass dieser aus Stoff besteht. Hat sich schließlich so angefühlt! Auch dachte ich irgendwann, dass meine Wirbelsäule in einer Art S-Form verdreht ist und ich vollkommen irre auf dem Stuhl liege. Ich wehrte mich innerlich gegen dieses Gefühl und merkte mit etwas Anstrengung, dass ich tatsächlich ganz normal im Stuhl lag.

... "Es hat tatsächlich funktioniert!"

Zum Abschluss machten wir noch eine Blockadenlösung, nach der ich mich unfassbar ausgeruht fühlte. Und dann holte mich Susanne sanft aus dem Trance-Zustand zurück. Ich hätte es durchaus auch selbst machen können, aber mit ihrer Hilfe war es entspannender.

Entspannt und doch verblüfft fand ich mich in ganz normaler Position wieder in meinem Körper auf dem Stuhl wieder – der, wie ich mich noch einmal vergewisserte, tatsächlich aus Leder bestand. Mein erster Gedanke: 'Wow, bin ich entspannt.' Der zweite: 'Es hat tatsächlich funktioniert!' Ich muss ziemlich tief drin gewesen sein in der Trance – trotz vorheriger Skepsis.

Und so erging es Sarah während der Trance...

 

Die Kraft eines Rückzugortes in Gedanken

Bei Sarah war die Skepsis tatsächlich noch größer als bei mir: "Als bekennender Pessimist war mir klar: Das klappt nie. Ich bin viel zu rational und mit einem Fingerschnippen verfalle ich sicher nicht in Trance." Mit dieser Überzeugung ging sie dann auch ins Vorgespräch – und das änderte schon einiges: "Schnell wurde mit bewusst, dass es nichts mit der Show-Hypnose aus dem Fernsehen zu tun hat. Durch die Kraft des Unterbewusstseins soll Patienten geholfen werden. Bei mir entschieden wir uns für einen sanften Einstieg. Wir wollten einen Ort schaffen, wo ich gedanklich hinreisen kann, wenn der Stress des Alltags zuschlägt", so Sarah.

Den Weg zur Praxis erlebte sie ähnlich nervös: "Was wenn es wirklich klappt? Dann bin ich einer fremden Person hilflos ausgeliefert. Von meiner Selbstsicherheit war auf einmal nicht viel übrig." Auf dem Sessel ging es dann aber erst einmal wieder. "Ich verfolgte mit den Augen einen Stift über meinem Kopf und schloss die Augen. Dann folgte ich der Stimme von Susanne und versuchte mich zu entspannen. Es klappte mit jeder Minute besser. Nach rund zehn Minuten fing mein Körper an zu kribbeln und alles schwankte. Jetzt geht’s los, dachte ich. Und plötzlich machte mir der Kontrollverlust Angst. Ich merkte, wie mein Körper sich dagegen wehrte. Ich versuchte mich aber wieder zu konzentrieren und wenig später wurde mir wieder schwindelig."

Auch Sarah sollte sich gedanklich an einen Ort begeben: "Vor mir erschien sofort eine einsame Hütte in den Bergen. Zusammen mit Susanne baute ich mir einen Rückzugsort. Ich war total überrascht wer oder was dort alles auftauchte."

Innere Blockaden gegen die Trance sind anfangs normal

Dass beim ersten Mal in der Hypnose aber innere Blockaden gegen den Trance-Zustand auftauchen, ist laut Susanne normal – und die Erfahrung hat auch Sarah gemacht: "Ich erwischte mich immer wieder, dass ich mir die Frage stellte 'Bin ich jetzt wirklich in Trance?'. Meine Antworten kamen mir noch sehr überlegt vor und ich war mir sicher, dass ich dieses Gespräch jederzeit beenden könnte. Gleichzeitig aber schenkte mir dieser Gedanke Sicherheit."

Sarah konnte sich dennoch in eine leichte Trance einlassen – was sie sehr erleichterte: Einerseits hatte es also geklappt, andererseits hatte sie nicht wie befürchtet die Kontrolle verloren. Und sie ist sich sicher, dass es mit diesem Hintergrundwissen beim nächsten Mal wesentlich besser klappen würde, sich auf eine Hypnose einzulassen.

Der Clou: Man lässt sich selbst auf die Hypnose ein

An diesen unterschiedlichen Erfahrungen ist vor allem aber eines zu erkennen: Man wird nicht hypnotisiert – sondern man lässt sich selbst darauf ein. Der Therapeut gibt die Unterstützung und leitet den "Patienten" in die Trance – der muss sich aber darauf einlassen, damit es funktioniert und hat diesen Prozess zu jeder Zeit selbst unter Kontrolle.

Eines hat der Termin uns beiden aber direkt im Anschluss mitgegeben: Wir gingen beide beschwingt nach Hause und fühlten uns stark wie lange nicht mehr – irgendwie ist die Hypnose ja auch eine Art Meditation. Ob das jetzt an der Hypnose selbst lag oder an der neuen Erfahrung, die wir gemacht hatten, müssen wir wohl selbst noch herausfinden. Fakt ist aber: Wir würden es beide wieder tun!

Wer sich jetzt noch fragt: "Was ist Hypnose und was kann man damit noch erreichen?", kann bei uns weiterlesen. Mit Hypnose kann man jedenfalls einiges angehen, auch beispielsweise Depression. Übrigens lässt sich Hypnose auch medizinisch zur Schmerzbehandlung nutzen. In welchen Situationen das möglich ist und wo die Vor- und Nachteile liegen, darüber haben wir mit einem Experten gesprochen.

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