26.07.2018

Bösartiger Schilddrüsenknoten Schilddrüsenkrebs: Achten Sie auf diese Symptome

Schilddrüsenkrebs ist in der Regel gut heilbar. Regelmäßige Überprüfungen beim Arzt schaden aber nicht.

Foto: iStock/Stígur Már Karlsson /Heimsmyndir

Schilddrüsenkrebs ist in der Regel gut heilbar. Regelmäßige Überprüfungen beim Arzt schaden aber nicht.

Schilddrüsenkrebs ist zwar relativ selten, doch vor allem Frauen sind gefährdet. Was Sie über Anzeichen, Heilungschancen und Lebenserwartung wissen sollten.

Schilddrüsenkrebs, medizinisch Schilddrüsenkarzinom, kann an jeder Stelle dieser hormonproduzierenden Drüse auftreten. Die Schilddrüse befindet sich direkt unter der Haut am unteren Hals und umfasst die Luftröhre hufeisenförmig mit zwei Lappen.

Warum mehr Frauen Schilddrüsenkrebs bekommen

Gut 6.100 Neuerkrankungen von Schilddrüsenkrebs werden pro Jahr in Deutschland registriert. Insgesamt macht Schilddrüsenkrebs damit zwei Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen aus und ein Prozent bei Männern. Frauen sind also deutlich häufiger betroffen.

Das liegt daran, dass bei Frauen die Schilddrüse wesentlich häufiger Hormonumstellungen ausgesetzt ist als beim Mann, etwa durch den Zyklus, Schwangerschaften und die Wechseljahre. Denn Schilddrüsenhormone und Sexualhormone arbeiten sozusagen Hand in Hand und beeinflussen sich gegenseitig.

Nicht jeder Schilddrüsenkrebs ist gleich

Es gibt drei unterschiedliche Gruppen von Schilddrüsenkrebs. Die Einteilung erfolgt danach, von welchen Zellen der bösartige Tumor ausgeht:

  1. Bei 75 Prozent der Schilddrüsenkarzinome handelt es sich um differenzierte Karzinome, dazu gehören papilläre Karzinome (50 Prozent) und follikuläre Karzinome (25 Prozent). Das bedeutet, der Krebs geht von den Schilddrüsenzellen aus, die kleine Bläschen bilden und die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Thyroxin produzieren.
  2. Mit zehn Prozent der Schilddrüsenkrebserkrankungen sind medulläre Karzinome (MTC) viel seltener. Sie gehen von den Calcitonin produzierenden C-Zellen aus. Calcitonin reguliert das Knochenwachstum.
  3. Den Rest bilden undifferenzierte oder anaplastische Karzinome. Dabei lässt sich nicht feststellen, von welchem Zelltyp der Schilddrüse die Krebserkrankung ausgeht.

Die wichtigsten Symptome bei Schilddrüsenkrebs

Als Alarmzeichen für Schilddrüsenkrebs gilt ein tastbarer Knoten an der Schilddrüse oder ein Kropf, der schon seit Jahren besteht, sich plötzlich jedoch vergrößert. Die weiteren Symptome für Schilddrüsenkrebs können sein:

  • Schluckbeschwerden
  • Druckgefühl im Halsbereich
  • Heiserkeit
  • Luftnot
  • Hustenreiz
  • Lymphknoten am Hals sind deutlich vergrößert und tastbar

Jedes dieser Anzeichen sollten Sie von einem Arzt abklären lassen, Ansprechpartner ist zuerst der Hausarzt, der im Zweifelsfall zum Facharzt, dem Endokrinologen, überweist.

Lebenserwartung und Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs

Früh erkannt, gilt für Schilddrüsenkrebs wie für die meisten anderen Krebsformen auch: Der Krebs hat sehr gute Heilungschancen. Die Lebenserwartung verkürzt sich meist kaum. Insgesamt leben 94 Prozent der Frauen und 87 Prozent der Männer mit der Diagnose Schilddrüsenkrebs nach den ersten fünf kritischen Jahren noch, wie die Deutsche Krebsgesellschaft mitteilt. Viele der Betroffenen werden sogar vollständig geheilt.

Dabei kommt es vor allem darauf an, welche Form von Schilddrüsenkrebs vorliegt:

  • Allgemein ist differenzierter Schilddrüsenkrebs wenig aggressiv. Beschränkt sich das follikuläre oder papilläre Karzinom noch auf die Schilddrüse und hat sich nicht ausgebreitet, liegt die Heilungschance bei mehr als 90 Prozent. Doch sogar bei Metastasen ist sie noch groß.
  • Bei medullären Karzinomen ist die Prognose genauso gut, solange noch keine Tochtergeschwülste vorkommen. Danach beträgt sie immerhin noch bis zu 60 Prozent.
  • Nur das seltene, aber sehr aggressive undifferenzierte Karzinom bildet früh schon Metastasen, etwa in der Leber, der Lunge oder den Knochen. Dann sind die Heilungschancen und die Lebenserwartung entsprechend gering. Nur zwölf Prozent der Betroffenen leben fünf Jahre nach der Diagnose noch.

Die Diagnose bei Schilddrüsenkrebs – nicht jeder Knoten ist bösartig

Besteht der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Krankheit schnell und sicher festzustellen. Beachten Sie dabei bitte: Lässt sich ein Schilddrüsenknoten ertasten, handelt es sich in den meisten Fällen nicht um einen bösartigen Tumor, sondern meist um einen sogenannten heißen, harmlosen Knoten.

Kalte Knoten, die manchmal in Wirklichkeit Schilddrüsenkrebs sind, treten relativ selten auf. Scheuen Sie sich also nicht davor, die notwendigen Untersuchungen durchführen zu lassen und lassen Sie jeden Knoten unbedingt vom Arzt abklären. Die verschiedenen Untersuchungen bei Verdacht auf Schilddrüsenkrebs:

  • Abtasten der Schilddrüse und der Lymphknoten am Hals
  • Blutwerte kontrollieren, etwa um die Funktion der Schilddrüse zu prüfen und nach Tumormarkern zu suchen
  • Ultraschalluntersuchung des Halses
  • Punktion mit Entnahme von Zellen aus verdächtigem Gewebe (Feinnadelbiopsie)
  • Schilddrüsenszintigrafie zur Unterscheidung von heißen, meist harmlosen und kalten, riskanten Schilddrüsenknoten
  • Computertomografie

Häufig steht jedoch bereits nach körperlicher Untersuchung, anhand der Blutwerte, Ultraschall und Feinnadelbiopsie die Diagnose eindeutig fest.

Behandlung von Schilddrüsenkrebs: Die Operation steht am Anfang

Die Therapie richtet sich bei Schilddrüsenkrebs nach der Größe des Tumors, ob er bereits die Bindegewebskapsel, mit der die Schilddrüse umgeben ist, durchbrochen und Metastasen gebildet hat. Das Mittel der Wahl ist immer erst die Operation. Manchmal muss der Chirurg nur einen Lappen der Schilddrüse entfernen. Allerdings ist diese Teilresektion nur dann sinnvoll, wenn es sich um ein papilläres Karzinom handelt, das kleiner als einen Zentimeter ist.

In allen anderen Fällen entfernt der Chirurg die gesamte Schilddrüse sowie die nächsten Lymphknoten (Thyreoidektomie). Die Lymphknoten werden feingeweblich untersucht. Damit lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, wie weit sich die Krebszellen im Körper schon ausgebreitet haben. Manchmal müssen dann zusätzlich Lymphknoten im Brustbereich wegoperiert werden.

Nach der Operation: Radiojodtherapie und Tabletten

Im Anschluss an die Thyreoidektomie raten Ärzte bei differenziertem Schilddrüsenkrebs (also follikulärem und papillärem Schilddrüsenkarzinom) zu einer Radiojodtherapie. Dabei trinkt der Patient eine Flüssigkeit, die mit etwas radioaktivem Jod angereichert ist. Das radioaktive Spurenelement lagert sich an womöglich verbliebenen Krebszellen und oft auch Metastasen an. Die Radioaktivität zerstört diese Zellen gezielt.

Falls nötig, kommen außerdem Strahlen- und Chemotherapie zum Einsatz.

Eine neue, erfolgreiche Behandlungsoption sind außerdem die sogenannten Tyrosinkinasehemmer. Wirkstoffe wie Sorafenib und Lenvatinib nehmen den Krebs sozusagen von mehreren Seiten in die Zange, indem sie wichtige Signalwege zum Tumor unterbrechen. Damit lässt sich die Überlebenszeit bei fortgeschrittenem Schilddrüsenkrebs, der bereits Metastasen gebildet hat, deutlich verlängern. Allerdings kann die Behandlung Nebenwirkungen auslösen, etwa Ekzeme an Händen und Füßen.

Die Therapie bei Schilddrüsenkrebs schreitet voran und greift immer besser. Allerdings muss jeder, bei dem die Schilddrüse vollständig entfernt wurde, die fehlenden Hormone lebenslang durch Tabletten ersetzen.

Schilddrüsenkrebs vorbeugen heißt Ursachen vermeiden

Was ganz genau schuld daran ist, dass Schilddrüsenzellen bösartig werden und sich Krebs bildet, hat die Medizin noch nicht herausfinden können. Doch bekannt sind einige Risikofaktoren, die Schilddrüsenkrebs begünstigen und als mögliche Ursachen diskutiert werden.

So gibt es bei Schilddrüsenkrebs bestimmte Formen, die durch genetische Belastung ausgelöst werden. Das medulläre Schilddrüsenkarzinom geht oft einher mit dem sogenannten MEN 2-Syndrom (MEN = multiple endokrine Neoplasie), das Schilddrüsenkrebs und gutartige Nebennierentumore begünstigt. In Familien mit dieser Erbkrankheit sollte deshalb die Schilddrüse regelmäßig kontrolliert werden.

Neben dieser genetischen Vorbelastung gibt es jedoch auch weitere Faktoren, die das Risiko für Schilddrüsenkrebs erhöhen:

  • Jodmangel: Fehlt das Spurenelement, besteht die Gefahr, dass sich ein follikuläres Karzinom entwickelt. Vorbeugen können Sie mit jodreichen Lebensmitteln, wie Seefisch und jodiertem Speisesalz.
  • Radioaktive Strahlung: Wenn nach einer Reaktorkatastrophe radioaktives Jod (nicht vergleichbar mit den winzigen Mengen der Radiojodtherapie, die gezielt nur einen kleinen Bereich im Körper betreffen) den Körper belastet, steigt das Risiko für Schilddrüsenkrebs massiv an, wie Beispiele aus der Vergangenheit zeigen. Fünf bis 15 Jahre nach einer Reaktorkatastrophe kann Schilddrüsenkrebs auftreten. Radioaktiv verstrahlte Gebiete sind deshalb abgesperrt. Radioaktive Strahlung meiden, heißt aber auch, Röntgenuntersuchungen nicht in unkontrollierter Menge durchführen zu lassen, sondern auf jeden Fall einen Röntgenpass zu führen.

Wie sehr Hormone uns beeinflussen ist spannend: Das Einmaleins der Hormone erklärts.

Die Schilddrüse ist eng mit dem Hormonhaushalt verknüpft. Was Sie während der Wechseljahre daher beachten sollten und was in dieser Zeit der Umstellung helfen kann, verrät Ihnen unsere Themenseite.

Auf der Seite der Deutschen Krebsgesellschaft finden Sie weitere Infos und auch Adressen von Spezialisten für Schilddrüsenerkrankungen.

Seite