18.07.2018

Augenleiden Wenn der Stress aufs Auge geht

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Nicht nur PC-Arbeit, auch psychischer Stress kann die Sehkraft beeinflussen.

Foto: iStock/PeopleImages

Nicht nur PC-Arbeit, auch psychischer Stress kann die Sehkraft beeinflussen.

Dauerhafter, psychischer Stress wirkt sich auf vielfältige Weise negativ auf unsere Gesundheit aus. Auch die Augen leiden, wenn es der Psyche nicht gut geht. Maßnahmen zur Stressreduktion könnten Betroffenen eine große Hilfe sein. Ein guter Grund, genauer hinzuschauen.

Von Kopfschmerzen über Magen-Darm-Verstimmungen bis zu Rückenschmerzen – die Palette der stressbedingten Beschwerden ist breit. Auch in der Augenheilkunde wird eine Verbindung zwischen Stress und Erkrankungen des Auges diskutiert. Erst kürzlich erschien eine Studie des Universitätsklinikums Magdeburg, die der Frage nachgeht, ob psychologischer Stress bei vorhanden Krankheiten zum Verlust der Sehkraft führen könnte. Mit interessanten Ergebnissen!

Schlechter sehen durch zu viel Stress – ist das möglich?

Das Forschungsteam rund um Professor Dr. Bernhard Sabel, dem Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie, wertete zahlreiche Studien und klinische Berichte aus, um mögliche Relationen zu erkennen. Die Erkenntnis lautet: Anhaltender, psychischer Stress ist nicht nur eine Folge von Sehkraftverlust, sondern trägt auch ursächlich zu einer Sehverschlechterung bei. "Es gibt deutliche Hinweise auf eine psychosomatische Komponente des Sehverlustes, denn Stress ist eine wichtige Ursache – und nicht nur eine Folge – des fortschreitenden Sehverlustes infolge von Erkrankungen wie Glaukom und Optikusneuropathie", so Institutsdirektor Sabel.

Der Leiter der Studie ist bei Weitem nicht der Einzige, der sich mit den Auswirkungen von Stress auf die Augengesundheit beschäftigt. Professor Dr. Carl Erb, einer der bekanntesten Glaukom-Spezialisten Deutschlands, untersuchte bereits in der Vergangenheit, ob hoher emotionaler Stress einen erhöhten Augeninnendruck zu Folge haben und neben anderen Risikofaktoren die Entstehung von Grünem Star begünstigen könnte.

"Die genauen Ursachen für ein Glaukom sind bis heute nicht abschließend geklärt. Stress ist allerdings immer ungesund, auch für die Augen", sagt Professor Dr. Hans Hoerauf von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG). Der Augenklinik-Direktor der Universitätsmedizin Göttingen erklärt: "Es muss zwar kein kausaler Zusammenhang existieren, aber es gibt durchaus Patienten, bei denen chronischer Stress eine zusätzliche negative Rolle spielt. Es bleibt die Frage, was zuerst da war, die psychischen Stressfolgen oder das Glaukom."

Stress und Sehkraft – ein Teufelskreis

Was sich bei ständigen, mentalen Belastungen in unserem Körper abspielt, beschreibt Professor Sabel in seiner Studie: "Kontinuierlicher Stress und langfristig erhöhte Cortisolwerte können sich negativ auf das Auge auswirken, da das vegetative Nervensystem unausgeglichen ist, die Blutgefäße dysreguliert werden und der Augeninnendruck steigt." Ein Teufelskreis für viele Patienten. Denn wer an einer Augenerkrankung leidet, hat meist große Angst vor den Folgen. Diese Sorgen führen zu psychischem Stress, der wiederum akute Schübe der Erkrankung auslösen und die Sehkraft verschlechtern kann.

Aus diesem Grund sollten Augenärzte gegenüber Betroffenen eine positive Einstellung zeigen – da sind sich die Experten einig. "Patienten mit einer möglichen Blindheit zu drohen um Therapietreue zu erreichen, ist kontraproduktiv und löst Stress aus", sagt Hoerauf.

So führe zum Beispiel eine altersabhängige Makula-Degeneration, eine Sehminderung von der bundesweit viereinhalb Millionen Menschen betroffen sind, zwar zur Verschlechterung der Lesefähigkeit, aber nur extrem selten zur vollständigen Erblindung. In Sabels neuer Studie wird ebenfalls betont, wie wichtig es sei, dass Ärzte Optimismus vermitteln.

Anti-Stress-Programm zum Schutz der Augen

Die Reduktion von Stress könnte demnach eine sinnvolle Ergänzung zur bisherigen Behandlung von Augenerkrankungen sein. Neben bestimmten Entspannungstechniken wie dem Autogenen Training oder der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen (PME) kämen dazu auch psychologische Therapien, etwa zum Thema Angstmanagement, infrage. "Viele Augenärzte haben das bereits erkannt und bilden sich in der Psychosomatik weiter", so Klinikdirektor Hoerauf aus Göttingen. "Welcher Ansatz der richtige ist, sollte aber individuell vom Patienten abhängig gemacht werden."

Betroffene können selbst viel tun, um ihre Augengesundheit zu fördern. Spricht aus ärztlicher Sicht nichts dagegen, ist Bewegung angesagt, denn körperliche Aktivität baut erwiesenermaßen Stress ab. Sport macht nicht nur Herz und Knochen stark, baut Muskeln auf und lässt das Fett schmelzen, sondern steigert zudem das Wohlbefinden unserer Augen. Die Durchblutung nimmt zu, der Augeninnendruck sinkt und weiteren Risikofaktoren für Seherkrankungen wie hohen Blutdruck- oder Blutfettwerten wird vorgebeugt. Ein Sport, der gleichzeitig auch dem Stress den Kampf ansagt, ist beispielsweise Yoga.

Überhaupt kann ein gesunder Lebensstil viel zur Aufrechterhaltung der Sehkraft beitragen: So wird zum Beispiel der Graue Star, eine Trübung der Augenlinse, von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus beschleunigt. Professor Hoerauf empfiehlt deshalb: "Halten Sie Ihre Augen mit gesunder Ernährung und viel Bewegung fit." Die Ergebnisse der Studie können Sie hier nachlesen.

Augen können übrigens einiges über Ihre Gesundheit verraten– nicht nur Stress. Sehschwächen lassen sich auch durch Augenlasern mindern. Die Vor- und Nachteile verraten wir Ihnen – denn auch das Wissen über eine eventuell bevorstehende Operation kann den Stress davor senken.

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