20.07.2018

Wer rastet, verklebt! Ratgeber zu Faszientraining: So bleiben Sie geschmeidig

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Faszientraining hat viele Vorteile – mit der Faszienrolle kann es zwar anstrengend werden, ist aber besonders effektiv.

Foto: iStock/alvarez

Faszientraining hat viele Vorteile – mit der Faszienrolle kann es zwar anstrengend werden, ist aber besonders effektiv.

Wie Sie Ihre Muskelhüllen geschmeidig halten, um fit, entspannt und beschwerdelos Ihren Alltag zu bewältigen.

Der Körper besteht aus mehreren Strukturen und ist ein wahnsinnig intelligentes, komplexes und aufeinander abgestimmtes Konstrukt. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Ihre Organe im Bauchraum an Ort und Stelle bleiben bzw. wie Ihre Muskulatur geschmeidige Bewegungen ausführen kann? Das Fasziengewebe umhüllt Ihren gesamten Körper, verleiht ihm Form, Stabilität und Flexibilität. Eine Menge an Aufgaben, die Ihre Faszien erfüllen müssen!

Und was passiert, wenn es mal nicht geschmeidig läuft und die Faszien verkleben oder verhärten? Dann ist ein Faszientraining sinnvoll. Im Nachfolgenden erfahren Sie, wann und warum sich Ihr Fasziengewebe verhärtet und wie Sie mittels speziellen Übungen diese Strukturen wieder funktionell elastisch bekommen.

Warum Faszientraining sinnvoll ist

Das Fasziengewebe wird vom deutschen Faszien-Pionier Dr. Robert Schleip als "zusätzliches Sinnesorgan im Körperinneren" bezeichnet. Es ist nicht nur eine durchsichtige Hülle, die den gesamten Körper überzieht und ihm Form und Stabilität verleiht. Neuesten Erkenntnissen zufolge besitzt es ebenfalls Nervenzellen und Rezeptoren zur Sinneswahrnehmung.

Wie ist Ihre Körper-Grundspannung? Schlecht zu sagen – denn das autonome Nervensystem beeinflusst je nachdem, ob Sie entspannt oder gestresst sind, inwiefern auch Ihre Körperstrukturen, wie das Muskel- oder Fasziengewebe, unter Spannung stehen. Alltagsstress kann beispielsweise die Grundspannung der Faszien steigern, was wiederum zu einem erhöhtem Muskel- bzw. Faszientonus führen kann und Stress im "Inneren" auslöst.

Der Körper verspannt sich – eine Abwärtsspirale entsteht

Dann sind Sie halt hin und wieder verspannt – na und! Jeder hat doch heutzutage Stress zu bewältigen. Ja und Nein! Verspannungen im Körper können nie ein gutes Zeichen sein, denn sie sind ein Signal für Fehlbelastungen oder -haltungen, die auf längere Sicht betrachtet zu einer krampfenden und verhärteten Muskulatur führen und Ihren Körper immer weiter in eine Schonhaltung zwingen, was zu neuen Muskelverspannungen führt.

Haben Sie bereits Bekanntschaft mit Verspannungs-Kopfschmerzen gemacht? Dann haben Sie eine ungefähre Ahnung, wie unangenehm Muskelverspannungsschmerzen sein können. Natürlich muss jeder Mensch stressige Situationen bewältigen: Prüfungssituationen, Abgabefristen im Job und auch im privaten Leben gibt es Phasen, in denen der Stresspegel steigt. Als kurzfristiger Zustand, kann er Sie im Leben weiterbringen, denn Sie wachsen mit Ihren Herausforderungen.

Mentalen und körperlichen Stress reduzieren hilft

Auf langfristige Sicht können Stressphasen nicht nur Ihren Körper in Form von hartnäckigen Verspannungen und Schmerzen schaden, sondern auch den gesamten Alltag beeinflussen. Ein paar Anti-Stress-Tipps zur alltäglichen Stressbewältigung sowie Entspannungsübungen auf die Schnelle können da nicht schaden. Dennoch: Auch körperliche Unterstützung hilft.

Wie sieht das Faszientraining jetzt im Speziellen aus und kann das netzartige Bindegewebe tatsächlich durch eine gezielte Behandlung gekräftigt werden? Das Wort "Training" bezieht sich in diesem Kontext weniger auf die Querschnittsvergrößerung des Fasziengewebes, sondern auf Übungen, die die Verklebungen im Gewebe durch Dehnreize lösen, um somit geschmeidig übereinander gleiten zu können, optimal Kräfte zu übertragen und die Reibung der Muskulatur untereinander zu verhindern.

Im Grunde gibt es drei wesentliche Methoden das verklebte oder verhärtete Gewebe zu lockern:

1. Dehnübungen im Sinne der indischen Philosophie

Das Stichwort hierfür lautet Yoga und bezieht sich auf Dehnübungen, die den gesamten Körper durchziehen, von den Zehen- bis in die Fingerspitzen. Das Spezielle am Yoga sind nicht nur die Bewegungen an sich, sondern ein Bewusstsein für Körper und Seele zu entwickeln. Es handelt sich um fließende Bewegungen, die mit kontrolliertem Ein- und Ausatmen intensiviert werden.

Da das Fasziengewebe mehrere Muskelgruppen miteinander verbindet und deren Kommunikation beeinflusst, sind isolierte Dehnübungen weniger effektiv. Sie wollen Ihre Wade dehnen? Ziehen Sie die Zehenspitzen mit an und versuchen Sie, Ihren Oberkörper auf den Oberschenkeln abzulegen. Somit locken Sie Ihre gesamte Beinrückseite einschließlich dem unterem Rücken.

2. Dehnen mit der Faszienrolle

Indem ein Gegenstand auf die Muskulatur drückt, wird diese verlängert bzw. gedehnt. Als hilfreiches Trainingsgerät hat sich die Faszienrolle in unterschiedlichen Größen, Härtegraden und Oberflächengestaltung erwiesen. Sie benötigen keine weiteren Zusatzgewichte, sondern führen die Übungen mit Ihrem eigenen Körpergewicht aus.

Egal welche verklebte Faszienzellen Sie auch bearbeiten möchten, es gibt immer Alternativen, um mehr oder weniger Gewicht auf die bestimmten Körperstellen zu bringen und somit das Training zu regulieren. Die Rollbewegungen sind langsam, kontrolliert und intensiv! Hinter den Kunststoff-Rollen steckt mehr Wumms als Sie vielleicht erahnen!

3. Ninja-Prinzip

Um so unauffällig wie möglich an Informationen zu gelangen, mussten die alten japanischen Spione (Ninja) sich kontrolliert und somit auch leise fortbewegen. Dieses Prinzip soll lediglich versinnbildlichen, dass leicht federnde Bewegungen die Kommunikation der Gewebestrukturen untereinander fördert. Ein gleichmäßig flüssiger Bewegungsablauf wirkt gelenkschonend, da die mechanisch wirkenden Kräfte optimal verteilt übertragen werden können. Der Grundsatz hierbei lautet also: Weich und elastisch vor ruckartigen Bewegungen.

Treppen steigen "leicht" gemacht: Nehmen Sie eine "Stufen-Challenge" an, indem Sie ab sofort immer nur Ihren Fußballen beim Auf- und Absteigen der Treppe nutzen. Die Bewegung verläuft so gut wie geräuschlos und wird sanft abgefedert. Versuchen Sie dabei die Fersen nicht aufkommen zu lassen, sondern sich kurz vorher wieder aus dem Ballen heraus abzustoßen. Das selbe Prinzip gilt dann auch für das Hinuntersteigen der Stufen, dann allerdings ohne Abstoß.

Mit diesen Arten des Faszientrainings können Sie auf lange Sicht sicherlich Verspannungen lösen und lockerer ins Leben treten. Viel Erfolg!

Übrigens, Druck hilft auch auf andere Art bei Stress, Kopfschmerzen & Co. – haben Sie es schon einmal mit Akupressur am Ohr versucht?

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Dr. Carolin Hobler ist Fitness-Expertin bei GYMONDO – Deutschlands führender Online-Fitness- und Ernährungsplattform. Mehr Informationen zu GYMONDO gibt es unter www.gymondo.de.

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