19.07.2018

Häufige Schilddrüsenerkrankung Schilddrüsenknoten: Symptome erkennen und richtig handeln

Ein Schilddrüsenknoten tritt häufig auf und betrifft mehr Frauen als Männer. Meist ist er harmlos. Was dabei dennoch zu beachten und zu tun ist.

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Ein Schilddrüsenknoten tritt häufig auf und betrifft mehr Frauen als Männer. Meist ist er harmlos. Was dabei dennoch zu beachten und zu tun ist.

Vor allem Frauen haben eine hohes Risiko für Knoten in der Schilddrüse. Oft sind die kalten oder heißen Schilddrüsenknoten harmlos, können aber Beschwerden verursachen.

Die Schilddrüse wiegt zwar nur rund 20 Gramm, ist wenige Zentimeter groß und schmiegt sich schmetterlingsförmig an die Luftröhre, auf Höhe des Kehlkopfes. Doch weil die kleine Drüse lebenswichtige Hormone herstellt, ist ihre optimale Funktion so wichtig: Die Schilddrüse produziert aus dem Spurenelement Jod die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die unter anderem die Temperaturregulation, Stimmung, Fruchtbarkeit, Verdauung, Schlaf und Leistungsfähigkeit beeinflussen. Zusätzlich bildet die Drüse ein drittes Hormon, Calcitonin, das den Kalziumspiegel beeinflusst und damit indirekt das Osteoporoserisiko. Die Schilddrüse kann aber auch leiden: Unter anderem durch Schilddrüsenknoten. Die kommen häufig vor und können unterschiedlicher Art sein.

Schilddrüsenknoten, Kropf und Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse

Schon kleinste Dysbalancen der Hormonproduktion können die bekannten Erkrankungen der Schilddrüse wie Über- und Unterfunktion auslösen. Weniger bekannt ist jedoch, dass die Schilddrüse auch zu Knotenbildung neigt, was sogar häufiger ist als Schilddrüsenfunktionsstörungen. Unter den Erwachsenen haben gut 30 Prozent einen Schilddrüsenknoten, dabei vor allem Frauen, bei den Senioren sogar jeder zweite.

Besonders Frauen leiden häufig unter Schilddrüsenknoten

Dass Frauen überdurchschnittlich betroffen sind, liegt daran, dass sie in ihrem Leben öfter starken Hormonschwankungen ausgesetzt sind als Männer, etwa in Schwangerschaft und Wechseljahren. Sexualhormone und Schilddrüsenhormone sind in ihren Funktionen vernetzt. Ändert sich etwa der Östrogenspiegel, beeinflusst das auch die Schilddrüse.

Schilddrüsenknoten können einzeln auftreten (Struma uninodosa) oder mehrere Bereiche der Drüse betreffen (Struma multinodosa) und sich in ihrer Größe stark unterscheiden. Manche sind kleiner als einen Zentimeter, andere so groß wie einer der beiden Schilddrüsenlappen. Im Gegensatz zum Kropf, bei dem sich alle Zellen der Schilddrüse vergrößern, sind Schilddrüsenknoten auf ein oder mehrere Areale begrenzt.

Ursachen: Gutartiger oder bösartiger Schilddrüsenknoten?

Nur in zwei Prozent der Fälle handelt es sich bei Schilddrüsenknoten um Schilddrüsenkrebs, also einen bösartigen Schilddrüsenknoten oder um die Metastase von einem anderen Krebs, etwa Brust- oder Darmkrebs.

In den allermeisten Fällen ist ein Schilddrüsenknoten jedoch harmlos und klein. Mögliche Ursachen dieser gutartigen Schilddrüsenknoten:

  • Zyste (flüssigkeitsgefüllter Hohlraum)
  • Vernarbung, Verkalkung (etwa nach einer Entzündung)
  • Adenom oder Lipom (Drüsenwucherung)

Auslöser für die Wucherungen in der Schilddrüse ist in erster Linie Jodmangel. Fehlt dieser "Treibstoff" für das Organ, versucht es, durch gesteigerte Aktivität mehr dieses Spurenelements aus dem Blut herauszufiltern. Durch diese Anstrengung wachsen die Schilddrüsenzellen und beginnen zu wuchern.

Symptome bei kalten und heißen Schilddrüsenknoten

Schilddrüsenknoten werden einerseits anhand ihrer Struktur – Zyste, Adenom, Vernarbung – eingeteilt. Daneben gibt es aber auch die Unterscheidung "heiße" oder warme, sowie "kalte" Schilddrüsenknoten. Diese Bezeichnung hat jedoch nichts mit der Temperatur der Knoten zu tun.

Ein heißer Schilddrüsenknoten bedeutet, dass das Gewebe aktiver als normales Schilddrüsengewebe ist und vermehrt Hormone bildet. Ist diese Überproduktion ausgeprägt, spricht der Arzt von einem autonomen Adenom.

Bei einem kalten Schilddrüsenknoten dagegen bildet die Drüse in diesem Bereich zu wenig Hormone, arbeitet also kaum oder gar nicht. Oft handelt es sich dabei um eine Zyste und Vernarbungen, in seltenen Fällen um Schilddrüsenkrebs.

Schilddrüsenknoten haben die Tendenz, sehr langsam zu wachsen. Erst, wenn sie größer als einen Zentimeter sind, können sie zu mechanischen Problemen führen, mögliche Symptome sind dann:

  • Schluckbeschwerden,
  • Heiserkeit
  • Kloßgefühl

Je nach Lage des Knotens lässt er sich auch ertasten.

Kalte Knoten lösen meist keine zusätzlichen Symptome aus und werden oft nur zufällig entdeckt, etwa bei einer Routineuntersuchung.

Anders beim heißen Knoten. Hier kann es durch die vermehrte Produktion von Schilddrüsenhormonen zu den Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommen:

  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen
  • Schlafstörungen
  • Durchfall

Der Arzt spricht in diesem Fall von einem toxischen Schilddrüsenknoten im Gegensatz zum nichttoxischen Knoten, bei dem es zu keiner Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktionen kommt und kaum Symptome auftreten.

Diagnose bei Schilddrüsenknoten – von Ultraschall bis Punktion

Bei jedem der oben genannten Anzeichen sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Nach einer ausführlichen Anamnese, bei der der Arzt nach den Anzeichen einer Unter- oder Überfunktion fragt, sowie die Schilddrüse abtastet, ist die wichtigste Untersuchung der Ultraschall. Die Schilddrüsen-Sonografie zeigt die Größe und Struktur des Knotens. Dabei deuten schlecht abgrenzbare Knoten, medizinisch echoarme, eher auf einen bösartigen Schilddrüsenknoten hin, Knoten mit klar erkennbarer Begrenzung, also echoreiche, dagegen auf gutartige Formen.

Ein Bluttest zeigt darüber hinaus, ob die Schilddrüse ausreichend Hormone produziert, zu viele oder zu wenige.

Vollständige Gewissheit, ob ein kalter oder heißer Knoten vorliegt, bringt die Szintigrafie. Dabei wird dem Patienten eine Flüssigkeit injiziert, die radioaktiv markiertes Jod enthält. Nach kurzer Zeit hat sich das Spurenelement in den besonders aktiven Bereichen der Schilddrüse angesammelt. Unter einer speziellen Kamera erscheinen diese aktiven Bereiche in gelben und roten Farben, also warmen Farben. Inaktive Areale zeigen sich in Blautönung, also kalt. Daher stammt auch die Bezeichnung für kalte oder warme/heiße Knoten.

Handelt es sich um einen verdächtigen kalten Schilddrüsenknoten, hilft eine Feinnadelpunktion um herauszufinden, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Knoten handelt. Dabei entnimmt der Arzt unter Ultraschallkontrolle einige Drüsenzellen aus dem Knoten und lässt sie labortechnisch untersuchen.

Schilddrüsenknoten behandeln oder nicht?

Je nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen sowie den Beschwerden, wird der Arzt zu einer entsprechenden Behandlung raten. Sind die Blutwerte normal, hat sich der Knoten in den Untersuchungen als harmlos gezeigt und verursacht keine Beschwerden, ist keine Behandlung nötig. Wichtig ist dann allerdings, den Knoten und die Schilddrüsenwerte regelmäßig zu kontrollieren, also etwa alle sechs Monate.

In den seltenen Fällen, in denen Krebs vorliegt, wird die entsprechende onkologische Behandlung eingeleitet.

Für die große Zahl der anderen Schilddrüsenknoten, die Beschwerden auslösen, stehen mehrere Behandlungsformen zur Verfügung, die sich auch untereinander kombinieren lassen:

  • Medikamente
  • Radiojodtherapie
  • Thermoablation
  • Operation (Schilddrüsen-OP)

Mit Medikamenten Schilddrüsenknoten behandeln

Mittel der Wahl bei Schilddrüsenknoten sind Schilddrüsenhormone, kombiniert mit Jod. Rund ein Viertel der Patienten mit einem Schilddrüsenknoten leiden unter Jodmangel, wie die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie warnt.

Dabei wird die Behandlung eingeschlichen, das bedeutet, die Dosis ist anfangs sehr niedrig und steigert sich dann unter Kontrolle. Diese Medikamente können oft das weitere Wachsen des Knotens stoppen.

Radiojodtherapie zerstört gezielt heiße Schilddrüsenknoten

Eine besonders erfolgreiche Behandlungsoption ist die Radiojodtherapie. Sie kann bereits nach einer Anwendung den Knoten deutlich schrumpfen lassen. Bei dieser speziellen Therapie muss der Patient eine Flüssigkeit trinken, die etwas radioaktives Jod enthält. Dieses strahlende Jod reichert sich in der Schilddrüse dort an, wo die Zellen besonders aktiv sind, also in einem heißen Knoten. Das radioaktive Jod zerstört mit seiner Strahlung diese Zellen und zerfällt danach wieder. Der Knoten wird dadurch kleiner, für alle anderen Bereiche des Körpers ist diese kurze radioaktive Belastung ungefährlich.

Thermoablation gegen Schilddrüsenknoten

Zusätzlich gibt es neuere Verfahren, die mit Hitze den Knoten einschrumpfen lassen sollen. Das geschieht beispielsweise mit fokussiertem Ultraschall (Echotherapie) oder speziellen Mikrowellen, die durch einen Hautschnitt über eine Sonde an den Knoten herangeführt werden. Beide Verfahren sind jedoch teuer und werden noch nicht von allen Krankenkassen bezahlt, weshalb es vorher mit dem Arzt und der Krankenkassen abgesprochen werden sollte.

Operation – Schilddrüsenknoten entfernen

Ist der Knoten zu groß und spricht nicht auf andere Therapien an, ist die letzte Option eine Operation der Schilddrüse, wobei der Knoten entfernt wird, oder die Entfernung des kompletten Organs. Die OP soll auch dann sinnvoll sein, wenn mehrere Knoten vorliegen. Dabei entfernt der Chirurg einen Teil oder die gesamte Drüse. Das geschieht über einen feinen Schnitt, der unterhalb vom Hals gesetzt und möglichst kurz gehalten wird.

Allerdings ist die Operation nicht unumstritten. Es können dabei die Stimmbänder verletzt werden sowie die Nebenschilddrüsen, was eine Störung des Kalziumstoffwechsels zur Folge haben kann. Nach einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse muss der Patient außerdem sein Leben lang Schilddrüsenhormone einnehmen.

Experten kritisieren in diesem Zusammenhang, dass in Deutschland zu häufig die Schilddrüse operiert wird. Wenn zu einer Schilddrüsenoperation geraten wird, sollte deshalb zuerst eine Zweitmeinung eingeholt werden. Die Operation ist jedoch immer noch das erste Mittel der Wahl, wenn ein Schilddrüsenknoten bösartig ist, es sich also um Schilddrüsenkrebs handelt.

Die Schilddrüse kann aber noch auf andere Arten erkranken – zum Beispiel unter Funktionsstörungen wie Hashimoto-Thyreoiditis oder aber Morbus Basedow. Wie sehr Hormone uns beeinflussen ist spannend: Das Einmaleins der Hormone erklärts.

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