22.05.2020 - 09:22

FSME, Borreliose und Co Echte Plage im Sommer: DRK warnt vor höherer Zecken-Gefahr

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Sie verstecken sich in Gräsern und Büschen und suchen sich dort Mensch und Tier als Wirt: 2020 könnte es erneut eine echte Zecken-Plage geben.

Foto: imago (2) Collage BdF Digital

Sie verstecken sich in Gräsern und Büschen und suchen sich dort Mensch und Tier als Wirt: 2020 könnte es erneut eine echte Zecken-Plage geben.

"Gut für die Zecken, schlecht für uns." Die Zahl der Zecken könnte in diesem Jahr mal wieder besonders in die Höhe schnellen, befürchten Forscher. Das Deutsche Rote Kreuz warnt vor erhöhter Gefahr im Sommer. Warum Sie schon jetzt in der Natur aufpassen sollten.

Sie nerven jeden Sommer, in manchen Teilen des Landes mehr als in anderen – aber in diesem Jahr wird es wohl mal wieder besonders schlimm, wie Forscher herausgefunden haben. Und das kann richtig gefährlich werden: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnt vor einer Zecken-Plage in Deutschland. Und damit steigt die Gefahr für von den kleinen Tierchen übertragene Krankheiten wie FSME oder Lyme-Borreliose rapide an.

Zecken-Plage: 2020 wird ein "Zecken-Jahr"

Wenn es draußen schön warm ist, heißt es: ab an die frische Luft, am liebsten raus in die Natur. Aber dort lauern sie, die Zecken – und sie können richtig gefährlich werden. Zecken tragen viele Krankheitserreger in sich und können diese, wenn sie zustechen, auf Mensch und Tier übertragen.

Denn Zecken benötigen Blut, um ihr eigenes und das Leben ihrer Nachkommen zu sichern. Daher stechen sie zu und saugen sich fest. Richtig gelesen, Zecken beißen entgegen der landläufigen Meinung nicht, sie stechen – und nisten sich dabei sozusagen für mehrere Tage in der Haut ihres Opfers ein. Und je länger sie mit ihrem Wirt verbunden bleiben, desto höher die Gefahr, dass auch Krankheitserreger von der Zecke auf den Wirt – ob Mensch oder Tier – wandern.

Die südlichen Gebiete in Deutschland sind normalerweise eher gefährdet als der Norden – gerade was FSME-Übertragungen betrifft. Aber dieses Jahr sollten wir uns wohl alle in Acht nehmen:

Das DRK prognostiziert für 2020 nämlich ein wahres "Zecken-Jahr". Denn die Zeckendichte ist dieses Jahr besonders hoch. Schon im März habe die Saison begonnen. Allerdings fehlen noch Fallzahlen für Zeckenbisse – zur Höhe und Schwere der übertragenen Krankheiten lässt sich daher noch nichts sagen.

Rapider Anstieg an Zecken

Der milde Winter ist mal wieder schuld. Schon im Februar verzeichneten Forscher erste Berichte über Zecken. Insgesamt rechne man daher mit mehr Zecken im Sommer als in den Vorjahren. Und das könnte ganz schön extrem werden, galt 2018 schon als Jahr mit der "höchsten Zahl an Zecken in den letzten zehn Jahren", wie Privatdozent Dr. Gerard Dobler vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) damals betonte.

"Begonnen hat die Zeckensaison diesmal schon im März", erklärt nun DRK-Bundesarzt Peter Sefrin in einer Mitteilung.

Erhöhtes Risiko an FSME und Borreliose

Für die Fallzahlen der durch Zecken übertragenen Krankheiten gibt es allerdings noch keine Bestätigung. Zecken sitzen vor allem auf Büschen, Sträuchern, aber auch in Gräsern – und können schnell aufspringen, wenn ein geeigneter Wirt vorbeikommt. Besonders häufig in Deutschland ist der Gemeine Holzbock, eine Zeckenart. Dieser Parasit ist Hauptüberträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Die Hirnhautentzündung wird durch Viren ausgelöst, die in der Zecke warten und beim Stich und dem folgenden Blutsauge-Vorgang übertragen werden können. Diese Hirnhautenzündung ist nicht heilbar und kann tödlich verlaufen, aber es gibt eine vorbeugende Schutzimpfung gegen FSME.

In FSME-Risikogebieten, zu sehen zum Beispiel auf der FSME-Karte des Robert-Koch-Instituts (RKI), sind mehr infizierte Zecken verbreitet als in anderen. Dort sollten Sie besonders auf Zeckenstiche achten.

Im Jahr 2019 gab es vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt einen Anstieg an FSME-Fällen. Für 2020 sind noch keine Fälle registriert – allerdings liegen dem Robert-Koch-Institut (RKI) bislang nur Zahlen bis zum 22. März vor.

FSME ist eine Form der Hirnhautentzündung. Wie Sie Meningitis erkennen, sehen Sie im Video:

Die wichtigsten Symptome einer Meningitis

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Bereits Borelliose-Fälle vor allem in Sachsen

Aber auch Bakterien, die Lyme-Borreliose auslösen, können in der Zecke sitzen und auf den Menschen oder das Tier übertragen werden. Etwa jede vierte Zecke trägt Borreliose-Bakterien in sich – und zwar, anders als bei FSME-Viren, deutschlandweit. Gegen diese langwierige Krankheit gibt es keinen Impfstoff, sie kann aber mit Antibiotika behandelt werden. Der Genesungsprozess kann für Betroffene aber sehr lang und anstrengend werden, und die Begleiterscheinungen der Krankheit, beispielsweise Lähmungen, sind nicht zu unterschätzen.

Hier liegen dem RKI bisher Zahlen bis 5. April 2020 vor – und hier gab es etwa in Sachsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (1. Januar bis 5. April) bereits 49 Fälle mehr (2019: 124 Fälle, 2020: 173 Fälle). In anderen Bundesländern liegen sie etwa gleichauf oder unter den Vorjahreszahlen.

Probleme gibt es aber auch vermehrt mit exotischen Zeckenarten. So gibt es auch erste Sichtungen und Fälle der gefährlichen Hyalomma-Zecke, die unter anderem das Fleckfieber überträgt. Besonders für Hunde gefährlich ist die Braune Hundezecke, die sich auch weiter ausbreitet. Grund für den Zuwachs dieser Zeckenarten ist vor allem das immer trockener werdende Klima der vergangenen Jahre.

Zahl der Risikogebiete gestiegen

Das DRK verweist in seiner Meldung aber auf die höhere Zahl an Risikogebieten in Deutschland. Mittlerweile sind 164 Kreise als FSME-Risikogebiete definiert. Davon sind die meisten weiterhin in Süddeutschland.

Ein Kreis wird als Zecken-Risikogebiet deklariert, wenn die Erkrankungsdaten mehrerer Vorjahre erhöht sind. In den betroffenen Kreisen wird Menschen, die vermehrt in der Natur unterwegs sind, eine FSME-Impfung besonders empfohlen.

Ein guter, umfassender Zeckenschutz ist also vor allem in diesem Jahr unerlässlich. Es gibt sogar ein paar Hausmittel gegen Zecken, die ganz gut vorbeugen. Der beste Schutz allerdings ist, gar nicht erst mit einer Zecke in Berührung zu kommen, geschlossene Kleidung zu tragen und hohe Gräser sowie Buschwerk nach Möglichkeit zu meiden. DRK-Bundesarzt Sefrin empfiehlt, das Laufen durch dichtes Unterholz und hohes Gras zu vermeiden und nach dem Aufenthalt im Freien Körper und Kleidung abzusuchen.

Hier finden Sie die Karte der Zecken-Risikogebiete des RKI.