27.07.2020 - 10:42

Schmerzhafte Stiche Die Mückenplage kommt wieder: Hier drohen Schwellungen & Infektionen!

Die Mückenplage schlägt zu! Auch wenn's juckt, gilt: möglichst nicht kratzen!

Foto: iStock/dorioconnell

Die Mückenplage schlägt zu! Auch wenn's juckt, gilt: möglichst nicht kratzen!

Sie stechen heimtückisch zu, saugen unser Blut und hinterlassen mit ihrem Gift ein Geschenk, das sehr gefährlich werden kann. Warum die Mückenplage im Sommer immer mehr zu Infektionen führt und Menschen immer stärker auf Stiche reagieren – und in welchen Regionen Sie dieses Jahr besonders aufpassen müssen.

So schön die sommerlichen Temperaturen für die einen sind, so anstrengend sind sie für die anderen: Hitzewellen machen vielen Menschen und auch Tieren zu schaffen – vor allem, wenn sie gleichzeitig relativ feucht ausfallen. Ganz andere Lebewesen wiederum profitieren: Heißes, feuchtes Klima bietet vor allem rund um Gewässer fiesen Stechmücken die optimalen Brutvoraussetzungen – und so müssen wir auch in diesem Jahr wieder mit einer Mückenplage rechnen, die stärker ausfällt als in den vergangenen Jahren. Bestimmte Regionen sind dabei besonders betroffen.

Als ob die gesundheitlichen Probleme bei Hitze nicht schon genug wären, gehören also auch Mückenstiche wieder zu den Risiken des Sommers dazu. Ärzte vermelden weit mehr Arztbesuche aufgrund von Infektionen – hervorgerufen durch Mückenstiche. Warum die gefährlich werden können:

Mückenplage ruft schmerzhafte Schwellungen und Infektionen hervor

Wer von den schmerzhaften Stichen betroffen ist, weiß, wovon wir sprechen: Der Stich selbst ist kaum spürbar, aber dann geht es los. Die Stelle schwillt an, fängt an zu jucken – und entzündet sich. Genau das passiert aktuell immer mehr Menschen. Wer früher noch wenig Probleme mit Mückenstichen hat, klagt heute vermehrt über lang anhaltende Schwellungen bis hin zu schwerwiegenden Infektionen, die sogar zu Kreislaufproblemen führen können.

Ein zusätzliches Problem: Mücken können eine ganze Reihe an Keimen, Krankheitserregern und auch Umweltgiften übertragen – und sogar Bakterien. Mittlerweile ist sogar bekannt, dass die kleinen fliegenden Tierchen theoretisch auch Borreliose oder das Sindbis-Virus an den Menschen weitergeben können. Das passiert allerdings selten.

Neue Mückenarten auf dem Vormarsch

Dass die Mücken respektive ihre Stiche anscheinend immer aggressiver werden, liegt auch daran, dass sich auch sogenannte invasive Mückenarten, also Mücken aus anderen Erdregionen dank tropischen Temperaturen bei uns breitmachen können – beispielsweise die Asiatische Buschmücke, bereits seit 2008 hier bekannt, sowie die Asiatische Tigermücke, eine Art, die eigentlich frostempfindlich ist, sich aber anscheinend langsam unserem Winterklima anpasst – das ja zugegeben in den letzten Jahren eher mild ausgefallen ist. Und sowieso können die meisten Mückenarten auch frostige Tage überleben.

Populationen der Asiatische Tigermücke etwa sind bereits in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Thüringen bekannt.

Eingeschleppt werden können deren Larven beispielsweise durch importierte Pflanzen, über Zugvögel – oder auch nach dem Urlaub. Unser Körper ist das Gift dieser Mückenarten nicht gewohnt, gleichzeitig können andere Erreger in der Mücke leben, die hierzulande seltene oder noch nicht bekannte Krankheiten wie das West-Nil-Fieber oder das Dengue-Fieber übertragen können. 3 gefährliche Mückenarten breiten sich seit einigen Jahren bei uns aus.

Regionale Mückenplage: Deutschlands Süden muss mal wieder zuerst durch

Im Gegensatz zu den Vorjahren ist der Sommer bisher sogar recht feucht. Vielerorts regnet es immer mal, warm ist es dennoch, und es kommt zu teils heftigen Regenfällen und Unwettern. Vor allem dort, wo starke Niederschläge die Gewässer-Pegelstände steigen lassen, ist mit weit mehr Mücken zu rechnen als in den trockenen Vorjahren.

Vor allem im Süden Deutschlands, bevorzugt rund um den Starnberger See und den Ammersee in Bayern, sollten sich die Menschen diesen Sommer vor Mücken schützen.

Besonders geplagt sind aber derzeit auch die Menschen an der von Hochwasser und viel Regen betroffenen Oder. An Stellen, an denen der Fluß derletzt über die Ufer getreten war, registrieren Biologen pro Minute mehr als 100 Mücken. Von einer Mückenplage spricht man dann, wenn mehr als 20 Mücken pro Minute auftreten.

Überschwemmungen rund um Auwälder und bewachsene Täler sind besonders schlimm. Anders als in Stadtregionen oder trockenen Feldern verdunstet das Wasser dort nicht ganz so schnell. Die Feuchte und die folgende Hitze sind ein Brutparadies für Mücken aller Art.

Die Mücken legen ihre Eier nämlich nicht direkt im Wasser, sondern an den angrenzenden Gräsern und Wiesen sowie Böden ab – die nach einem Hochwasser, wie es durch starke Regenfälle auf ausgetrocknetem Boden schnell passiert, optimale Bedingungen bieten. Das Unschöne daran: Wird es danach wieder trocken, macht das den Mückeneiern herzlich wenig. Die können nämlich bis zu zehn Jahre überleben und auf das nächste Hochwasser oder die nächsten feucht-warmen Tage warten. Und dann geht's los. Gerade durch solche Überschwemmungen kann ein regelrechtes "Massenschlüpfen" ausbrechen – und diese "Überschwemmungsmücken" haben in diesem Jahr Hochkonjunktur.

Wichtig: Nicht kratzen und bei Schwellung zum Arzt!

Kratzen ist bei Mückenstichen verboten – das hört man immer wieder, aber das ist auch leider leicht gesagt. Wir alle kennen das Gefühl, diesen unbändigen Drang, weil der Stich so unfassbar juckt. Aber rufen Sie sich in Erinnerung: Durch Kratzen direkt auf dem Stich verteilen Sie nicht nur Gift und bereits übertragene Keime weiter im Körper. Sie beschädigen auch die Haut als natürliche Schutzbarriere und helfen weiteren, möglicherweise auf Ihren Händen sitzenden Erregern auf dem Weg in Ihren Körper. In dem Fall kann es nämlich leicht zu einer bakteriellen Infektion kommen.

Stellen Sie fest, dass ein Stich sehr dick und heiß wird, stark gerötet ist oder sogar schmerzt, suchen Sie einen Arzt auf. Im Schlimmsten Fall droht nämlich eine heftigere allergische Reaktion.

Sollten Sie zudem Fieber und andere Begleitsymptome bemerken, ist der Arztbesuch sogar noch dringlicher.

Hilfe gegen Mückenstiche: statt Kratzen

Was aber tun, wenn der Juckreiz so stark ist, dass er sich nicht einfach unterdrücken lässt? Kühlen hilft, auch gegen die Schwellung – entweder mit einem feuchten Tuch, einem umwickelten Eispack oder kühlenden Salben.

Aber auch Hitze schafft Abhilfe – im besten Fall direkt nachdem die Mücke zugestochen hat: Entweder erhitzen Sie einen Löffel unter heißem Wasser oder mit einem Feuerzeug ganz leicht und halten ihn vorsichtig an die Einstichstelle. Aber lassen Sie ihn erst wieder ein wenig abkühlen, sonst drohen Verbrennungen! Ab 65 °C zersetzen sich Eiweiße – so auch die im Mückengift. Der Stich juckt weniger, das Gift kann schlechter wirken.

In der Apotheke gibt es mittlerweile auch entsprechende Stifte, die punktuell die Haut an der Einstichstelle erhitzen – bei richtiger Anwendung ohne Verbrennungsgefahr.

Im besten Fall lassen Sie sich gar nicht erst stechen und verhindern fiese Mückenstiche. Diverse Sprays gibt es in Apotheken und Drogerien, aber auch Hausmittel gegen Insektenstiche verrichten ihren Dienst. Beispielsweise wirkt weißer Tigerbalsam kühlend. Und Hausmittel gegen Wespenstiche sowie Hausmittel gegen Zecken helfen auch bei Mücken. Achten Sie auf die richtige Hautpflege.

Insektenvernichtungsmittel meiden: Mücken sind auch nützlich

Wir wollen es eigentlich gar nicht so richtig wahrhaben, wenn der Stich mal wieder juckt, und fluchen erst einmal. Aber vergessen dürfen wir nicht: Auch Mücken sind Lebewesen, die ein Recht auf Existenz haben. Und sie sind sogar ganz schön nützlich, denn sie dienen Vögeln oder Spinnen als Nahrung und sind damit wichtiger Bestandteil der Nahrungskette.

Statt ihnen also mit chemischen Mitteln zu Leibe zu rücken, hilft es immer noch am besten, sie einfach mit Mückengittern oder sanften Hausmitteln sowie Pflanzen aus der Wohnung und vom Körper fernzuhalten. Auch Mückenschutz-Kleidung hilft. Das ist auch besser für die Umwelt, weil so die nützlichen Bienen nicht zusätzlich belastet werden und das Bienensterben nicht weiter voranschreitet – außerdem ist es besser für unsere Gesundheit.

Licht ist Mücken übrigens herzlich egal: Es ist der Geruch unserer Haut sowie ausgeatmetes Kohlendioxid, das sie anlockt. Hilfreich im Sommer daher: Abends noch schnell abduschen, um Schweiß abzuspülen. Auch herbe, zitronige Duschgele können helfen. Verzichten sollten Sie auf süße Düfte.

Mücken kartografieren hilft

Wenn der Sommer trockener werden sollte, setzt das auch den Mücken zu – zumindest schlüpfen dann weniger neue. Sollte es aber feucht-warm bleiben, dürfen wir wohl noch mit ein paar mehr Mückengenerationen in diesem Jahr rechnen. Also: Mückenschutz nicht vergessen!

Im Mückenatlas des ZALF (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg in Brandenburg) werden jedes Jahr neue Mückenarten registriert. In diesem Jahr gab es bereits 1000 Einsendungen mit rund 3500 Tieren, erklärt Mückenexpertin Doreen Walther gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa. Sie arbeitet für das ZALF.

Der Mückenatlas gibt eine gute Übersicht über heimische sowie "zugewanderte" Mückenarten und deren potenzielle Gefährlichkeit.