21.06.2018

Triclosan & Co. Ist Desinfektionsmittel schädlich?

Schnell ein bisschen auf die Hände und schon ist alles sauber? So schön problemlos läuft das leider nicht. Warum Desinfektionsmittel schädlich sein kann.

Foto: iStock/galitskaya

Schnell ein bisschen auf die Hände und schon ist alles sauber? So schön problemlos läuft das leider nicht. Warum Desinfektionsmittel schädlich sein kann.

Mal eben die Hände desinfizieren statt waschen – nicht die beste Idee. Worauf Sie bei Desinfektionsmittel achten sollten und was das mit Zahnpasta & Co. zu tun hat, lesen Sie hier.

Es ist eigentlich verlockend. Gerade wer unterwegs ist, hat nicht immer die Zeit oder Gelegenheit, sich die Hände zu waschen. Dabei war die Haltestange im Bus mal wieder besonders eklig. Zum Glück gibt es mittlerweile das praktische Desinfektionsmittel aus der Flasche für die Handtasche – oder?

Dass Desinfektionsmittel schädlich sein kann, lesen wir immer wieder. Und dabei ist nicht nur das Handdesinfektionsmittel gemeint, sondern auch solche Stoffe, die anderen Produkten beigemischt sind, so wie das aktuell stark kritiserte Triclosan. Worauf Sie aktuell achten sollten:

Ist Desinfektionsmittel tatsächlich schädlich?

Schnell mal die Hände desinfizieren – eigentlich ganz gut, vor allem wenn man oft unterwegs ist und mal wieder die Grippe kursiert. Aber bringt das überhaupt was? Funktionieren diese Handgele, die man mittlerweile in jedem Drogeriemarkt kaufen kann? Oder doch lieber das flüssige Desinfektionsmittel aus dem Krankenhaus? Oder ist das gar gefährlich?

Unsere Tipps geben Auskunft, warum Sie sich den exzessiven Gebrauch von Desinfektionsmittel noch einmal überlegen sollten – und wann es tatsächlich nützlich ist.

Was spricht gegen Desinfektionsmittel? Es trocknet aus

Der erste Fakt dürfte allen bekannt sein, die öfter mit Desinfektionsmittel in Berührung kommen: Zwar befinden sich oft rückfettende Substanzen im Mittel, aber Hauptbestandteil eines Desinfektionsmittels ist in der Regel Alkohol – und durch den passiert vor allem eines: Unsere Haut trocknet aus und wird schnell spröde.

Das beschleunigt einerseits den Alterungsprozess und hilft andererseits Krankheitserregern, schneller in die geschädigte Haut einzudringen. Und genau das ist es ja eigentlich, was wir vermeiden wollen.

Gewohnheitssache: Desinfektionsmittel fördert Bakterienresistenzen

Bakterien und andere Erreger sind unwahrscheinlich anpassungsfreudig. Wenn ihnen oft genug mit einem bestimmten Mittel auf die Pelle gerückt wird, kann es sein, dass sie sich wehren und weiterentwickeln – und damit gegen die bisher genutzten Mittel resistent werden. Schuld daran ist vor allem der eigentlich bakterienhemmende Stoff Triclosan. Und auf den kommen wir später noch einmal gezielt zur Sprache.

Krebsfördernd: Fragwürdige Stoffe enthalten

Triclosan steht übrigens auch im Verdacht, Krebs zu fördern – ebenso wie die oft enthaltenen Parabene, die sich auch in Brustkrebs-Tumoren finden.

Hormonschwankungen: Phthalate beeinflussen den Hormonhaushalt

In vielen Desinfektionsmitteln befinden sich Phthalate. Und die wiederum können die Produktion von Hormonen im Körper negativ beeinflussen – heißt es. Die Wirkung ist allerdings noch nicht genügend erforscht. Daher sind sie erst einmal weiter erlaubt.

Desinfektionsmittel fördern Aufnahme giftiger Stoffe

Bisphenol A ist zwar nicht in Desinfektionsmitteln enthalten, diverse Studien wollen aber herausgefunden haben, dass diese das Aufnahmerisiko der Chemikalie erhöhen können. Bisphenol A wiederum steckt in Plastik, unter anderem in Getränkeflaschen, aber auch in manchem Papier. Höhere Dosen können das Immunsystem schwächen und die Fortpflanzung beeinträchtigen.

Zu viel Desinfektion, auch im Haushalt kann außerdem Allergien fördern – denn gerade Kinderkörper werden nicht mehr richtig abgehärtet und reagieren dann schnell.

Sorgfältiges Händewaschen ist effektiver

Vor all diesen fragwürdigen Stoffen können Sie sich schützen, indem Sie sich statt Desinfektion mit solchen Mittelchen einfach die Hände richtig waschen. Dabei seifen Sie Ihre Hände für rund 20 Sekunden gründlich ein und spülen sie mit lauwarmem Wasser ab.

Geht das aber einmal nicht, können Sie selbstverständlich auch einmal Handdesinfektionsmittel nutzen – nur eben in Maßen. Oder aber Sie greifen auf natürliche Desinfektionsmittel zurück. Ein Sud aus Rosmarin zum Beispiel wirkt desinfizierend, ebenso wie Teebaumöl, das sogar antibakteriell, antimykotisch und antiviral wirkt.

Aber auch ein Mittel, das nicht als reines Desinfektionsmittel im Handel steht, dafür aber anderer Kosmetik, unter anderem Zahnpasta und Bodylotions, beigemischt ist, steht nach aktuellen Studien stark in der Kritik: Triclosan. Was es damit auf sich hat, lesen Sie auf Seite 2.

 

Nicht nur Handdesinfektionsmittel kann schädlich sein. Vor allem steht aktuell ein ganz anderes in der Kritik: Triclosan ist eigentlich ein bakterienhemmender Stoff, der ursprünglich in Arztpraxen und Kliniken zum Einsatz kam, seit Jahren aber auch Kosmetika beigemischt wird – darunter Körperlotionen, aber auch Zahnpasta.

Triclosan kann vom Körper leicht aufgenommen werden

In den USA darf Triclosan bereits seit 2016 nicht mehr zu Körperreinigungsprodukten beigemischt werden, in der EU muss darauf in Produkten verzichtet werden, die großflächig aufgetragen werden – also Körperlotion zum Beispiel, aber auch Fußcreme. Erlaubt ist der Stoff hingegen noch in Reinigungsmitteln, Funktionskleidung, Matratzenbezügen und sogar in Kunststoff-Schneidebrettern.

Das Problem daran ist aber, dass der Stoff leicht vom Körper aufgenommen werden kann. Das beweisen immer wieder Studien. In Blut, Urin und Muttermilch wurde der Stoff bereits nachgewiesen. Auch Antibiotikaresistenzen werden damit in Verbindung gebracht.

Studie bestätigt: Triclosan fördert Entzündungen im Darm

Kürzlich hat man über eine Studie an Mäusen bestätigen können, dass Triclosan tatsächlich in Verbindung mit der Entstehung von Krebszellen steht – und das macht das Desinfektionsmittel schädlich, auch für den Menschen.

Bei den Mäusen in der Studie wurden nach drei Wochen Entzündungsreaktionen im Körper festgestellt, vermehrt im Darm. Hatten die Mäuse bereits eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, wurde diese verstärkt.

Der Stoff entfaltete seine Wirkung dabei über die Bakterien im Darm, da deren Zusammensetzung, das sogenannte Mikrobiom, beeinflusst wurde. Solche Darmentzündungen können auch das Tumorwachstum begünstigen.

Einsatz in Zahnpasta kritisch

Vor allem beim Zähneputzen wird das Mittel leicht über die Schleimhäute sowie auch durch Verschlucken minimaler Mengen der Zahnpasta aufgenommen und kann dann von innen heraus die Darmflora verändern. Das sei bereits nachgewiesen, heißt es in diversen Berichten. Kritisch wird der Vergleich, wenn man sich vor Augen hält, dass die Mäuse im Versuch dem Stoff nur drei Wochen lang ausgesetzt waren – der Mensch aber in der Regel mehrmals täglich allein beim Zähneputzen damit in Berührung kommt.

Allerdings sei nicht bekannt, wie viel Triclosan der Mensch aufnimmt. Die Mengen über die Zahnpasta sind trotz allem gering – den Mäusen hingegen wurde der Stoff direkt oral verabreicht. Mehr zur Studie der Forscher aus China und den USA gibt es bei "Science National Medicine".

Also: Lieber öfter und gründlicher die Hände richtig waschen als nur auf Desinfektionsmittel zu vertrauen. Hin und wieder kann zusätzliches Desinfizieren aber ratsam sein – zum Beispiel zum Schutz gegen Ansteckung mit Magen-Darm-Grippe.

Mehr zum Thema Hautpflege lesen Sie auf unserer Themenseite.

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