29.06.2018

Der stille Krebs Leberkrebs – Symptome nicht übersehen und Impfung nutzen

Hepatits B ist eine der Hauptursachen für Leberkrebs – die Impfung schützt.

Foto: imago/Westend61

Hepatits B ist eine der Hauptursachen für Leberkrebs – die Impfung schützt.

Leberkrebs wird heute doppelt so häufig diagnostiziert wie vor zehn Jahren. Alles über Symptome, Ursachen, neue Behandlungen und die Impfung, die schützen kann.

Leberkrebs ist gefährlich und die aktuelle Entwicklung der Zahlen dramatisch. Das hat zwei Gründe: Zum ersten wird die Krankheit oft erst sehr spät festgestellt, weshalb die Heilungschancen nicht hoch sind. Nur zehn Prozent der Erkrankten überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnosestellung. Deshalb gilt Leberkrebs, medizinisch auch Leberkarzinom, Leberzellkrebs, Leberzellkarzinom, Hepatozelluläres Karzinom, HCC, als besonders bösartig.

Außerdem löst die bösartige Erkrankung der Leber deutliche Symptome erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium aus. Denn die Leber hat keine Schmerzrezeptoren. Erst wenn sie stark vergrößert ist, übt sie auf ihre Umgebung Druck aus, was als Schmerz empfunden wird.

Zwei Formen von Leberkrebs: primärer und sekundärer

Zum einen gibt es den sogenannten primären Leberkrebs, der durch eigene Zellen in der Leber entsteht. Daneben existiert aber noch der wesentlich häufigere sekundäre Leberkrebs. Damit sind Lebermetastasen gemeint, also die Tochtergeschwülste (Metastasen) von Krebserkrankungen anderer Organe. Besonders häufig zu Lebermetastasen führen

  • Darmkrebs
  • Brustkrebs
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • Magenkrebs
  • Speiseröhrenkrebs
  • Lungenkrebs

Ursache von Leberkrebs ist nicht nur Alkohol

Primärer Leberkrebs, medizinisch Leberzellkarzinom, dagegen entsteht in neun von zehn Fällen auf der Basis einer Leberzirrhose. Das bedeutet, die Leber wurde bereits durch bestimmte Faktoren stark geschädigt und ist dadurch vernarbt. Dabei gehen immer mehr funktionsfähige Leberzellen zugrunde. Ursachen für Leberzirrhose sind:

  • zu 38 Prozent erhöhter Alkoholkonsum, wie der Krebsinformationsdienst berichtet. Das führt zur alkoholischen Fettleber, der Vorstufe von Leberzirrhose.
  • Übergewicht durch zu fettreiches, süßes Essen sowie zu wenig Bewegung. Dadurch bildet sich die sogenannte nicht alkoholische Fettleber, die ebenfalls vernarbt und sich zur Leberzirrhose entwickeln kann.
  • Hepatitis B oder Hepatitis C: Beide Viruserkrankungen können die Leber dauerhaft schädigen, Leberzirrhose auslösen und damit nach Jahrzehnten das Risiko für Leberkrebs deutlich erhöhen.

Diese drei Faktoren sind wichtig und verantwortlich für die steigenden Fälle von Leberkrebs. Ärzte registrieren eine auffallende Zunahme der Fälle. Zwar ist Leberkrebs mit knapp 9.000 Neuerkrankungen pro Jahr relativ selten. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich diese Zahl verdoppelt und wird in Zukunft weiter zunehmen, befürchten Experten. Weil sowohl die Fettleibigkeit als auch die nicht alkoholische Fettleber viel häufiger als früher auftreten und eine Hepatitis C-Welle von vor 20 Jahren in Bezug auf Leberschädigungen jetzt zum Tragen kommt, nimmt die Zahl der Leberkrebsfälle so deutlich zu.

Symptome für Leberkrebs sind nicht eindeutig

Zu Beginn verursacht Leberkrebs keine Beschwerden. Man spricht deshalb oft auch vom "stillen Krebs". Die Anzeichen, die erst auftreten, wenn der Krebs schon fortgeschritten ist, sind dann zudem noch unspezifisch:

  • Appetitlosigkeit
  • Schwäche, Leistungsminderung
  • ungewollte Gewichtsabnahme
  • Druckschmerz im Oberbauch
  • Durchfall
  • schwarzer Stuhl (Teerstuhl)
  • Gelbfärbung der Haut und des Augapfels

Die wichtigsten Untersuchungen zur Diagnose von Leberkrebs

Wer eine Lebererkrankung hat, etwa Hepatitis, eine Fettleber oder bereits eine Leberzirrhose, muss engmaschig Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen. Dazu gehören die Ultraschalluntersuchung sowie ein Bluttest, der nach Tumormarkern sucht.

Ultraschall ist auch bei allen anderen Menschen, die bisher eine gesunde Leber hatten, ein wichtiges Diagnosemittel. Er gibt erste Hinweise auf eine Leberschädigung. Zusätzlich hilft ein einfacher Bluttest dabei, die Leberwerte festzustellen und damit eine Belastung der Leber zu erkennen. Haben diese beiden Untersuchungen ergeben, dass die Leber nicht ausreichend arbeitet, kommen weitere Diagnoseverfahren zum Einsatz:

  • Kernspintomographie (Magnetresonanz-Tomographie, MRT)
  • Gewebeentnahme aus der Leber (Biopsie)

Behandlung bei Leberkrebs macht Fortschritte

Steht die Diagnose Leberkrebs fest, teilen Onkologen den Tumor je nach seiner Ausbreitung in verschiedene Stadien ein, der sogenannten Barcelona Clinic Liver Cancer (BCLC)-Klassifikation. Dabei sind folgende Faktoren wichtig:

Ob eine Leberzirrhose vorliegt und wie stark sie ist

  • körperliche Verfassung des Patienten
  • Anzahl und Größe der Tumore
  • Einwachsen des Tumors in die großen Blutgefäße der Leber
  • sind Lymphknoten befallen und/oder Fernmetastasen.

Je nach Stadium wird ein Behandlungsplan festgelegt. Hier gibt es verschiedene Optionen, unter anderem:

  • Operation und Transplantation: So können erkrankte Teile der Leber wegoperiert werden. Der restliche, gesunde Teil des Entgiftungsorgans kann dann die Leberfunktion voll übernehmen. Muss die gesamte Leber entfernt werden, bleibt nur die Organtransplantation zur Lebensverlängerung. Sie schenkt dem Patienten mindestens fünf Jahre Lebenszeit. Allerdings gibt es viel zu wenige Spenderorgane und die Wartelisten sind lang.
  • Radiofrequenzablation: Eine Sonde wird über die Blutgefäße an den Tumor geführt, die Radiofrequenzwellen aussendet. Diese Wellen erhitzen das Tumorgewebe auf mehr als 100 Grad Celsius, der Krebs verkocht also. Dieser Eingriff erfolgt unter Ultraschall-Kontrolle und eignet sich für Leberkrebs, der nicht größer als fünf Zentimeter ist.
  • Selektive Radiotherapie (SIRT): Über die Leberarterie werden winzige Harzkügelchen, die mit radioaktiver Betastrahlung ausgestattet sind, an den Tumor geleitet und dieser mit der lokalen Strahlung zerstört. Diese Strahlung ist örtlich begrenzt und reicht nicht bis ins gesunde Gewebe.
  • Chemotherapie: Dabei werden Zytostatika direkt über die Leberarterie zur Leber geleitet. Die Medikamente wirken also lokal, direkt da, wo es erwünscht ist. Eine neuere Option ist dabei die trans-arterielle perkutane Chemo-Embolisation (TACE). Dabei werden nicht nur krebszellenabtötende Substanzen über die Leberarterie geleitet, sondern die Blutgefäße des Tumors werden zusätzlich mit Gel verstopft. Der Tumor "verhungert" dadurch.
  • Behandlung mit Sorafenib, Regorafenib oder Levantinib – diese Medikamente (Multikinasehemmer) blockieren Botenstoffe, die den Tumor zum Wachsen anregen.

Impfung schützt vor Leberkrebs

Auch wenn die Behandlungsmöglichkeiten bei Leberkrebs in den letzten Jahren fortgeschritten sind – besser ist es auf jeden Fall, erst gar nicht zu erkranken. Aktiven Schutz bietet die Hepatitis-B-Impfung, weil sie die Leberentzündung und die damit verbundene Leberzirrhose verhindert. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt diese Impfung seit 1995 für Säuglinge und Kleinkinder. Doch auch Erwachsene können sich noch impfen lassen.

Das ist nicht nur wichtig für alle, die mit jemandem zusammenleben, der eine Hepatitis-B-Infektion hat, sondern auch für Reisende, die nach Australien, Südostasien oder Zentralafrika fahren. Dort grassieren diese Viren nämlich, die durch Geschlechtsverkehr und Kontakt mit infiziertem Blut übertragen werden. Für Hepatitis C gibt es keine entsprechende Schutzimpfung.

Leberkrebs vorbeugen – gesund leben und regelmäßig Blut testen lassen

Darüber hinaus kann jedoch jeder Mensch viel dafür tun, dass seine Leber gesund bleibt und keine Zirrhose entwickelt, die meist die Basis für Leberkrebs bildet. Dazu gehören folgende Maßnahmen:

  • Falls Sie übergewichtig sind: Nehmen Sie ab.
  • Ernähren Sie sich fettarm.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport und bauen Sie möglichst viel Bewegung in Ihren Alltag ein.

Trinken Sie Alkohol nur zum Genuss und in geringen Mengen oder verzichten Sie ganz darauf. Falls das nicht gelingt, führen Sie wenigstens "Alkohol fasten" zweimal pro Jahr durch – mit jeweils sechs Wochen ohne Alkohol. In diesem Zeitraum kann sich die Leber regenerieren.

Lassen Sie per Bluttest außerdem einmal pro Jahr Ihre Leberwerte und Blutfette überprüfen. Auf diese Weise lassen sich Leberfunktionsstörungen und -belastungen schon frühzeitig entdecken und Sie können entsprechend gegensteuern. Eine Leberzirrhose und damit das Risiko für Leberkrebs lassen sich auf diese Weise in den meisten Fällen verhindern.

Weitere Informationen zum Thema Krebs sowie zum Thema Impfung lesen Sie auf unserer Themenseite nach. Weitere Infos zum Leberkrebs und zur Impfung finden Sie außerdem beim Krebsinformationsdienst.

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