15.06.2018

Probleme mit dem Hören Schwerhörigkeit – wichtige Ursachen und Symptome

Schwerhörigkeit kann viele Ursachen haben und Betroffene im Alltag einschränken. Ein Ohrenarzt kann Aufschluss über die Gründe geben.

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Schwerhörigkeit kann viele Ursachen haben und Betroffene im Alltag einschränken. Ein Ohrenarzt kann Aufschluss über die Gründe geben.

Jeder fünfte ist schwerhörig und die Zahlen nehmen zu. Was schuld daran ist, welche Anzeichen die verschiedenen Formen der Schwerhörigkeit haben und ihre Behandlung.

Je nachdem, wie stark das Hörvermögen eingeschränkt ist, kann Schwerhörigkeit die Lebensqualität massiv einschränken. Medizinisch wird Schwerhörigkeit als Hypakusis bezeichnet, kann von leichter Hörminderung bis zur Gehörlosigkeit reichen, vorübergehend oder dauerhaft sein. Dabei handelt es sich nicht um das Problem einer Randgruppe, denn immer mehr Menschen haben mit dem Problem schlechten Hörens zu tun. Jeder 15. Deutsche leidet unter behandlungsbedürftiger Schwerhörigkeit, bei den über 65-Jährigen sogar jeder zweite Mann und jede dritte Frau.

Schwerhörigkeit kann angeboren oder erworben sein – die Auslöser

Dabei können die Ursachen für Schwerhörigkeit ganz unterschiedlich sein, harmlos und vorübergehend oder gefährlich:

  • Ohrpfropf
  • Infektionen wie eine Mittelohrentzündung, aber auch Mumps und Masern können Schwerhörigkeit nach sich ziehen
  • Hörsturz
  • Lärmbelastung – so ist Schwerhörigkeit durch Lärm die häufigste Berufskrankheit
  • Knalltrauma – dann tritt Schwerhörigkeit oft gemeinsam mit einem Tinnitus auf
  • Auch Rauchen und/oder exzessiver Alkoholkonsum kann zu Schwerhörigkeit führen
  • Alter – durch Verschleiß der Organe, die das Hören ermöglichen

Doch auch unter den Neugeborenen sind in Deutschland pro Jahr 440 Babys, die mit der Behinderung Schwerhörigkeit zur Welt kommen. Besonders betroffen sind Frühgeborene, weil ihre Hörorgane noch nicht vollständig ausgereift sind. Hier ist Frühförderung unverzichtbar, um eine normale geistige und sprachliche Entwicklung zu ermöglichen.

Symptome und erste Anzeichen von Schwerhörigkeit werden oft übersehen

Im Gegensatz zu plötzlichem Hörverlust, wie er etwa nach Knalltrauma oder massiver Lärmbelastung einsetzt, beginnt Schwerhörigkeit meistens schleichend und steigert sich mit den Jahren, wie der Berufsverband der HNO-Ärzte warnt. Die Symptome:

  • Naturgeräusche wie Blätterrascheln werden „überhört“.
  • Haushaltsgeräusche wie das Surren des Kühlschrank werden nicht mehr wahrgenommen.
  • Telefon und Klingel werden nicht gehört.
  • Der Gesprächspartner wird nicht mehr richtig verstanden, er scheint zu nuscheln und Sie müssen ständig nachfragen.
  • In einer Gesprächsrunde können Sie der Diskussion nicht mehr richtig folgen, vor allem wenn im Hintergrund andere Geräusche stören – etwa Musik, das heißt dann sogenannter Cocktailparty-Effekt.
  • Sie müssen Ihren Fernseher und Radio lauter stellen als früher.

Oft beginnt Schwerhörigkeit damit, dass hohe Töne kaum noch wahrgenommen werden. Diese Hochtonschwerhörigkeit ist typisch für einsetzende Altersschwerhörigkeit. Im Gegensatz dazu gibt es auch eine Tiefenschwerhörigkeit. Sie setzt häufig nach einem Hörsturz ein.

Schwerhörigkeit – es gibt vier Grade

Die Hörfähigkeit wird nach Tonhöhe (Frequenz, Hertz Hz) und Lautstärke (Dezibel dB) gemessen. Je nachdem, wie stark die Schwerhörigkeit ausgeprägt ist, wird in vier unterschiedliche Grade eingeteilt. Sie richten sich jeweils danach, ab welcher Lautstärke man einen Ton hört:

  • 1. Grad: Normalhörigkeit
  • 2. Grad: geringgradige Schwerhörigkeit
  • 3. Grad: mittelgradige Schwerhörigkeit
  • 4. Grad: hochgradige Schwerhörigkeit

Bei einem Hörverlust von mehr als 80 Dezibel spricht man von Gehörlosigkeit.

Hören ist ein komplizierter Vorgang und störanfällig

Die Formen der Schwerhörigkeit werden jedoch auch dadurch unterschieden, in welchem Teil des Hörorgans sie ihre Ursache hat. Um diese Einteilung besser zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie unser Gehör funktioniert. Die wichtigsten Details darüber:

  1. Die Schallwellen werden von der Ohrmuschel aufgefangen, über den äußeren Gehörgang zum Trommelgang geleitet und versetzen das Trommelfell in Schwingungen.
  2. Diese mechanischen Schwingungen werden im Mittelohr von den drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) verstärkt und ins Innenohr, an die Schnecke (Cochlea) weitergeleitet.
  3. Im Innenohr setzen feinste Haarzellen diese Schwingungen zu elektrischen Impulsen um, die wiederum über den Hörnerv ins Hörzentrum des Gehirns gelangen.

Probleme bei bei Schallempfindung und -leitung

Auf jeder dieser Stationen kann eine Störung das Hören beeinträchtigen und entsprechend lässt sich Schwerhörigkeit genauer einteilen:

  • Schallleitungsstörungen – hier liegt das Problem im äußeren Ohr oder Mittelohr (durch Ohrpfropf, Mittelohrentzündung)
  • Schallempfindungsstörungen – die Ursache findet sich im Innenohr (Cochlea, Hörnerv, Hörzentrum), etwa durch Lärmbelastung, Infektionskrankheiten, vor allem jedoch als Ursache der Schwerhörigkeit im Alter

Beide Formen können auch als kombinierte Schallleitungs- und Schallempfindlichkeitsstörung auftreten.

Schwerhörigkeit – Untersuchung und Diagnose vom HNO-Arzt

Vor allem, wenn es sich um plötzlichen Hörverlust handelt, sollten Sie am besten noch am selben Tag einen HNO-Arzt aufsuchen. Ist ein Hörsturz die Ursache, muss dieser sofort behandelt werden. Dann sind die Chancen, dass das Hörervermögen wieder vollständig hergestellt wird, keine Hörminderung und/oder Tinnitus bleiben, sehr hoch. Chronischer Tinnitus lässt sich heute aber auch mit neuen Therapieformen ganz gut behandeln.

Doch auch, wenn Sie den Eindruck haben, langsam schlechter zu hören oder auch nur in bestimmten Situationen, ist es wichtig, das von einem Facharzt abklären zu lassen.

Die Untersuchung beim HNO-Arzt umfasst zuerst die ausführliche Anamnese, bei der Sie Ihre Symptome beschreiben. Daran schließen sich verschiedene Prüfungen sowie Hörtests an, die dem Arzt Hinweise darauf geben, wie stark die Schwerhörigkeit ausgeprägt ist und welche Form vorliegen könnte:

  • Ohrmikroskopie: Damit erkennt der Arzt etwa Fremdkörper im Gehörgang und ob das Trommelfell verändert ist.
  • Stimmgabelprüfung: Dabei setzt der Arzt die schwingende Stimmgabel an verschiedene Stellen des Kopfes an und kann damit erkennen, ob die Schallleitung funktioniert.
  • Untersuchung mit der Gehörgangssonde: Das Gerät kann die Beweglichkeit des Trommelfells überprüfen, aber auch den Stapediusreflex, und damit Mittelohrschwerhörigkeit ausschließen. Der Stapedius ist ein winziger, aber fürs Hören wichtiger Muskel im Mittelohr.
  • Audiometrie: Hierbei hört der Patient über einen Kopfhörer verschiedene Frequenzen, hohe und tiefe sowie unterschiedliche Lautstärken. Damit lässt sich erkennen, wo seine Hörschwelle liegt, also ab wann und welche Töne er wahrnimmt. Während der Untersuchung werden Frequenz und Lautstärke stufenweise erhöht/erniedrigt.

Diese Tests erfordern die Mitarbeit des Betroffenen, sind also für Neugeborene und kleine Kinder nicht geeignet. Für sie gibt es spezielle Untersuchungsverfahren, die sie nicht belasten.

Behandlung von Schwerhörigkeit – manchmal auch Heilung

Je nachdem, welche Ursache die Schwerhörigkeit hat, wird der Arzt die entsprechende Therapie einleiten. Am einfachsten ist das, wenn etwa ein Ohrpfropf schuld war, den kann der Arzt einfach herausspülen. Die Ohren richtig zu reinigen und Ohrenschmalz entfernen können helfen. Allerdings ist ein Pfropf nur sehr selten die Ursache für Schwerhörigkeit. Auch bei plötzlicher Schwerhörigkeit durch einen Hörsturz ist sofortige Behandlung, etwa mit Kortison und speziellen Infusionen, meist äußerst erfolgreich.

In den allermeisten Fällen wird der Arzt ein Hörgerät verschreiben. Damit wird zwar nicht die Ursache der Schwerhörigkeit behoben, aber die Auswirkung zumindest eingegrenzt. Das Gerät wird beim Hörgeräteakustiker individuell an das Hörproblem angepasst und kann dieses ausgleichen. Die Hörleistung wird dadurch deutlich verbessert. Je früher diese Hilfe erfolgt, umso besser ist es für den Betroffenen. Denn je länger Hörnerv und Hörorgan im Gehirn nicht genutzt werden, umso rascher verlernen sie ihre Funktion, umso schneller schreitet die Schwerhörigkeit voran und umso schwieriger wird es, sich mit einem Hörgerät zurecht zu finden.

Daneben können auch Implantate wie das Cochlea-Implantat die Schwerhörigkeit beheben. Diese Innenohr-Prothese kann vielen Gehörlosen wieder zu einem fast normalen Hörvermögen verhelfen, ist immer dann erfolgreich, wenn der Hörnerv noch funktioniert. Das Chochlea-Implanat besteht aus zwei Teilen: Eines wird hinter dem Ohr getragen und besteht aus Mikrofon, Sprachprozessor und Spule. Akustische Signale werden dort digital umgewandelt und drahtlos an ein Implantat in der Schädeldecke hinter dem Ohr abgegeben, und von dort an den Hörnerv geleitet.

Vor allem für Kinder, die gehörlos oder stark schwerhörig geboren wurden, ist das Cochlea-Implantat eine effektive Hilfe. Die Operation wird heute schon bei Kindern von unter einem Jahr erfolgreich durchgeführt. Dieser frühe Zeitpunkt ist wichtig, damit die Kleinen richtig sprechen lernen. Zusätzlich ergänzen logopädische Betreuung und Frühförderung diese Behandlung.

Schwerhörigkeit vorbeugen

Es gibt zwar kein Rezept, mit dem sich Schwerhörigkeit garantiert vermeiden lässt. Doch ein gesunder Lebensstil ohne Rauchen und zu viel Alkohol hilft auf jeden Fall dabei, den altersbedingten Verschleiß von Mittelohr, Innenohr, Hörnerv und Hörzentrum hinauszuzögern. Der wichtigste Schutz für das Gehör ist jedoch: Vermeiden Sie starken Lärm. Tragen Sie bei Konzerten und Diskobesuchen Ohrstöpsel. Das ist auch in manchen Kinos sinnvoll.

Falls Sie am Arbeitsplatz Lärm ausgesetzt sind: Nutzen Sie den Gehörschutz, wie er auch gesetzlich vorgeschrieben ist. Arbeiten ohne Ohrenschutz ist nicht cool, sondern dumm.

Gehen Sie auch Dauerbelastung durch Lärm aus dem Weg. In Großstädten ist das zwar nicht so einfach. Gönnen Sie sich dann öfter mal einen Spaziergang in der Natur oder einen Leseabend, ohne Dauerberieselung von Radio oder Musik übers Handy. Wer ständig laute Musik über die Ohrstöpsel hört, kann übrigens schon in frühen Jahren mit Schwerhörigkeit rechnen. Nicht umsonst steigen die Zahlen der Betroffenen unter jungen Menschen an.

Vergessen Sie bei Ihren Kindern die Masern-Mumps-Impfung nicht. Sie hilft dabei, das Kind vor Schwerhörigkeit als Folge dieser Infektionskrankheiten zu schützen.

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