14.06.2018

Durch Zeckenstich & Co. Hasenpest-Infektion kann auch beim Menschen auftreten

Hauptsächlich Dr. Lampe muss sich mit dem Erreger herumschlagen. Die Hasenpest kann aber auch beim Menschen aufpassen. Übertragen wird sie unter anderem durch Zecken.

Foto: iStock/fermate

Hauptsächlich Dr. Lampe muss sich mit dem Erreger herumschlagen. Die Hasenpest kann aber auch beim Menschen aufpassen. Übertragen wird sie unter anderem durch Zecken.

Eigentlich eine typische Tierkrankheit, kann die Hasenpest auch den Menschen infizieren. Und das passiert bei der eigentlich seltenen Krankheit immer häufiger. Woran das liegt, wie Sie die Erkrankung erkennen und wie die Genesungschancen stehen.

Wer an Zecken denkt, hat mittlerweile unweigerlich die Borreliose sowie die FSME, die Frühjahrs-Meningoenzephalitis, im Kopf. Doch die kleinen Insekten können noch andere Krankheiten übertragen. Eine davon taucht aktuell immer öfter auf: die Hasenpest, medizinisch Tularämie.

Die bakterielle Erkrankung ist eigentlich, wie der Name andeutet, eine unter Hasen und Kaninchen sowie anderen Nagern wie Eichhörnchen und Mäusen verbreitete Krankheit, die aber auch auf den Menschen übertragbar ist. Die Hasenpest-Symptome erinnern dabei an Symptome der Pest.

Die Hasenpest: Tiererkrankung ereilt auch den Menschen immer häufiger

Eine typische Tierkrankheit, die auch beim Menschen anschlägt, wird Zoonose genannt. Im Falle der Hasenpest sind die Ansteckungen aber eigentlich recht selten. Dennoch: In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der Neuerkrankungen stark angezogen. Vor allem von 2016 auf 2017 hat sich die Zahl der Infizierten mehr als verdoppelt: 2016 waren noch 56 Fälle gemeldet, 2017 traten bereits 130 Fälle der meldungspflichtigen Krankheit auf.

Gefährlich ist der Erreger vor allem durch seine Resistenz gegenüber Kälte und die Fähigkeit, über Wochen oder bei Minustemperaturen sogar über Monate hinweg in Böden und Gewässern zu überleben – also ohne richtigen Wirt.

Verschiedene Übertragungswege: Von Tier zum Mensch oder über die Umwelt

Die Übertragung direkt vom Säugetier auf den Menschen ist möglich – sowohl durch direkten als auch durch indirekten Kontakt, etwa durch Kot. Fernhalten sollten Sie sich vor apathisch wirkenden, schwachen und schnell atmenden Tieren. Über verunreinigtes Wasser oder Boden sowie Staub kann der Mensch sich ebenfalls anstecken, genau wie über den Verzehr des nicht genügend gegarten Fleisches eines infizierten Tieres.

Ein weiterer, häufiger Übertragungsweg aber ist die Zecke – und die wird auch in Deutschland immer aggressiver. Aber auch Mücken, Flöhe, Milben, Läuse und Wanzen können die Bakterien aufnehmen und weitergeben.

Dass die Übertragung über die Zecke und andere Insekten so einfach funktioniert, liegt an der hohen Ansteckungsgefahr: Nur wenige Erreger – zehn der Bakterien – reichen aus, um die Krankheit auch beim Menschen in Gang zu setzen. Besser geschützt sind dagegen Hunde und Katzen – bei diesen Tieren ist eine höhere Anzahl an Bakterien notwendig.

Auch eine Übertragung von einem Menschen auf andere ist theoretisch möglich – allerdings ist ein solcher Fall bisher noch nicht aufgetreten.

Symptome der Tularämie: Hängen vom Übertragungsweg ab

Ein bis zehn Tage Inkubationszeit gibt es. Nach drei bis fünf Tagen treten die ersten Symptome der Hasenpest auf:

  • Grippeähnliche Beschwerden: inklusive Fieber und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost
  • Geschwollene und auch eitrige Lymphknoten
  • Erbrechen
  • Im späteren Verlauf auch Rachen- oder Lungenentzündung
  • Ist die Krankheit durch einen Zeckenstich erfolgt, entzündet sich in der Regel auch die Einstichstelle oder bildet Geschwüre.
  • Bei Eindringen des Erregers ins Auge bildet sich dort ein Knoten und eine Bindehautentzündung entsteht.

Auch sonst treten Symptome vor allem an den Infektionsorten auf: Also Lunge, Mandeln – je nachdem wie der Erreger in den Körper gelangt ist.

Hasenpest auf jeden Fall beim Arzt behandeln lassen

Die Hasenpest-Behandlung funktioniert am besten mit Antibiotika, die das verantwortliche Bakterium Francisella tularensis bekämpfen – ein Arzt sollte dazu zwingend aufgesucht werden. Niemals sollten Sie auf eigene Faust Antibiotika zu sich nehmen. Gegen Penicillin und Sulfonamide ist das Bakterium resistent. Ein Arzt kann den Erreger auch durch einen Bluttest sicher nachweisen.

Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann sie in 15 bis 30 Prozent der Fälle sogar zum Tod führen. Wird nicht behandelt, kann es nämlich zu Hirnhautentzündungen und Lungenabszessen kommen. Wird sie aber geheilt, ist man ab der Genesung für den Rest des Lebens immun.

Andere Namen der Krankheit sind übrigens Nagerpest, Parinaud-Krankheit, Lemming-Fieber oder Ohara-Krankheit.

Impfstoff bisher nicht zugelassen – BAG beobachtet Entwicklung

Das Bundesamt für Gesundheit, kurz BAG, ist alarmiert – und informiert sich nun weiter über die Tularämie, um die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen. In den nächsten Wochen soll dann ein kompletter Bericht erscheinen, mit dem sich jeder über die Hasenpest informieren kann.

Bekannt ist die Hasenpest übrigens seit 1912. In diesem Jahr haben Forscher das Bakterium zum ersten Mal bei einem Eichhörnchen entdeckt – und zwar in der Stadt Tulare in Kalifornien. In Schweden tauchte die Krankheit dann auf europäischem Boden rund 20 Jahre später zum ersten Mal auf. Und während des zweiten Weltkrieges gab es in Osteuropa gar eine Epidemie.

An einem Stoff zur Impfung wurde daher bis 1950 geforscht – zugelassen ist er in Deutschland jedoch nicht. Vielleicht könnte sich das in Zukunft bei fortschreitender Ausbreitung der Tularämie ja ändern.

Angst sollten Sie nach einem Zeckenstich aber nicht haben. Die Hasenpest ist noch immer sehr selten, mehr Gefahr geht zwar von Borreliose und FSME aus, aber auch hier heißt es: Keine Panik, bei Veränderungen an der Bissstelle allerdings direkt zum Arzt. Wann die FSME-Imfpung wichtig ist, lesen Sie auch bei uns.

Am besten schützen Sie sich direkt vor Zecken – sogar Hausmittel können helfen.

Übrigens: Auch der Eichenprozessionsspinner sorgt derzeit für Gefahr. Mehr erfahren Sie im Video:

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