08.06.2018

Hormone vs. Chemo Brustkrebs: Gentest könnte Frauen Chemotherapie ersparen

Mit einem Brustkrebs-Gentest lässt sich präziser als bisher gedacht sagen, welche Therapiemöglichkeit die richtige ist.

Foto: iStock/YinYang

Mit einem Brustkrebs-Gentest lässt sich präziser als bisher gedacht sagen, welche Therapiemöglichkeit die richtige ist.

Mit einem Brustkrebs-Gentest lässt sich herausfinden, ob eine Frau bei einer bestimmten Krebsart wirklich eine Chemotherapie benötigt. Denn Forschern ist in einer Studie jetzt klar geworden: das funktioniert tatsächlich.

Es klingt nach einem echten Wunder – und das ist es vielleicht auch: Ein Gentest könnte Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind, bei der Behandlung helfen. Denn nicht immer ist eine für die Patientin sehr anstrengende Chemotherapie notwendig. Manchmal reicht auch eine Hormontherapie. Eine Studie hat den Brustkrebs-Gentest jetzt genauer untersucht und dabei Spannendes herausgefunden.

Brustkrebs-Gentest bringt mehr Infos als bisher gedacht

Den Gentest "Oncotype DX" gibt es schon lange, in Deutschland wird er seit 2009 bereits angewendet – allerdings unter Zweifeln. Jetzt haben US-Forscher eine neue Studie vorgestellt, die beweist, dass der Gentest tatsächlich hilft. Vorgestellt haben sie sie auf dem Treffen der Americal Society of Clinical Oncology in Chicago.

Bei Frauen ist der Brustkrebs die häufigste Krebsart mit etwa 30 Prozent aller Krebserkrankungen in den Industriestaaten. Rund 69.000 Frauen werden in Deutschland jährlich mit der Krankheit diagnostiziert, fast 18.000 sterben daran.

Mammakarzinom: Welche Therapie ist wann die richtige?

Ein Mammakarzinom kann heute dank Mammographie und Co. bereits früh entdeckt werden. Doch die weiterführende Behandlung stellt Ärzte weiterhin vor Rätsel. Denn welche Therapieform im Einzelfall die richtige ist, damit es später keinen Rückfall gibt, lässt sich so nicht so einfach sagen.

Möglich ist neben der sehr kräftezehrenden Chemotherapie nämlich auch eine Antihormontherapie nach der Operation. Und die könnte laut der Studie bei 69 Prozent der Patientinnen ausreichen – wenn diese unter der gängigsten Brustkrebs-Form leiden: dem hormonrezeptorpositiven, HER2-negativen, nodal negativen Brustkrebs. Sprich: Wenn die Lymphknoten nicht befallen sind.

Es gibt unterschiedliche Formen von Brustkrebs. Ein großer Unterschied besteht darin, ob der Tumor Hormone zum Wachsen benötigt. Rund ein Viertel der Tumore benötigt zum Wachsen keine Hormone, sondern greift auf das HER2-Eiweiß zurück. Dieser HER2-positive Brustkrebs muss mit einer Chemotherapie behandelt werden. Beim hormonell beeinflussten Brustkrebs jedoch scheint der Gentest wichtige Erkenntnisse zu bringen.

Die TAILORx-Studie belegt nämlich nun, dass bei Frauen, die diesen Östrogenrezeptor-positive, HER2-negative Mammafrühkarzinom aufweisen, nicht zwingend eine Chemotherapie notwendig ist.

Aktivität von Genen wird getestet

Die Studie läuft seit 2006, insgesamt nahmen fast 10.300 Frauen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren teil. Gemeinsam hatten diese, dass ihr Tumor nicht größer als fünf Zentimeter war und den oben genannten Kriterien entsprach sowie sich noch nicht auf die Lymphknoten ausgewirkt hatte.

Getestet wird bei dem Brustkrebs-Gentest die Aktivität von 21 Genen. Die Forscher erhalten bei diesen Tests eine Zahl zwischen 0 und 100. Je niedriger die Zahl, desto unwahrscheinlicher ist ein Rückfall, ein sogenanntes Rezidiv. Je höher, desto eher könnte der Brustkrebs wieder auftreten.

Klarer Fall: Werte unter 10 und über 25

Das bedeutet, dass bei Frauen, deren Testergebnis gegen 0 geht, eine Chemotherapie nicht nötig ist und das Entfernen des Karzinoms zusammen mit Bestrahlung und Hormontherapie ausreicht.

Innerhalb der Studie hatten 1.629 Patientinnen einen Wert unter 10. Bei diesen wurde auf Chemotherapie verzichtet – fast 94 Prozent erlitten keinen Rückfall, bei über 99 Prozent gab es keine Fernmetastasen.

Bei Frauen mit Werten über 25 hingegen ist schon länger klar, dass hier eine Chemotherapie stattfinden muss.

Grauzone wird aufgelöst: Werte zwischen 11 und 25

Der Bereich zwischen 11 und 25 hingegen ist der sogenannte Graubereich. Hier waren sich die Mediziner bisher nicht sicher, ob eine Chemotherapie angewendet werden sollte oder nicht. Also teilte man die 6.711 Patientinnen – im Ganzen macht das etwa 69 Prozent aller Betroffenen aus – per Zufall in die Gruppen "Hormontherapie" und "Kombinierte Hormon- und Chemotherapie" ein.

Aus der Gruppe der nur mit Hormontherapie behandelten Patientinnen lebten nach neun Jahren noch 93,9 Prozent, 83,3 Prozent erlitten bis heute kein Rezidiv. In der Kombinations-Gruppe leben heute noch 93,8 Prozent, 84,3 Prozent ohne Rückfall.

Das wiederum zeigt: Die Kombination mit Chemotherapie bringt den Patientinnen in dieser Gruppe keine großen Vorteile. Einen Unterschied gibt es lediglich im Alter: Bei jüngeren Patientinnen bis 50 Jahre schlug die Chemotherapie etwas besser an. Älteren Frauen mit einem Brustkrebs-Gentest-Wert in der Grauzone kann man diese anstrengende, kräftezehrende Therapieform aber ersparen.

Zwar birgt auch die Antihormontherapie Nebenwirkungen, diese sind aber nicht so stark wie die einer Chemotherapie.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Diese berühmten Persönlichkeiten haben mit der Krankheit selbst schon Erfahrung machen müssen:

Test könnte bald von Krankenkassen übernommen werden

Weltweit kann die Studie damit Frauen weiterhelfen – besonders aber hat sie in den USA für Wirbel gesorgt. Denn dort wird bei fast allen betroffenen Frauen eine Chemotherapie angewendet. Brustkrebspatienten werden aber auch bei uns häufig übertherapiert, heißt es in Expertenkreisen.

Was jetzt noch fehlt, sind Statistiken darüber, wie viele der fast 70.000 jährlich neu erkrankenden Brustkrebs-Patientinnen tatsächlich unter genau dieser Brustkrebs-Form leiden, auf die der Test anschlägt.

Wer den Test dennoch machen möchte, sollte eine Anfrage bei der Krankenkasse stellen. Zwar übernimmt die heute den Test noch nicht standardmäßig, aber einen Versuch ist es immer wert. Ansonsten schlägt der Brustkrebs-Gentest mit 3000 Euro zu Buche. Aber noch im Jahr 2018 soll eine Entscheidung darüber fallen, ob Krankenkassen den Test in Zukunft übernehmen.

Die Studie könnte darauf einen hohen Einfluss haben. Denn bisher ging man davon aus, dass Gentests keinen klaren Erkenntnisgewinn liefern, wenn es an die Entscheidung für oder gegen die Chemotherapie geht. Die Studie zeigt: Eine Entscheidungshilfe ist der Gentest doch mehr, als man bisher dachte – und damit ein Meilenstein in der Bekämpfung von Krebs.

Die Krebsvorsorge ist nach wie vor sehr wichtig, damit überhaupt schnell reagiert werden kann, sollte Brustkrebs auftauchen. Wie bei der Krebsvorsorge blinde Frauen beim Brustabtasten helfen können, lesen Sie auch bei uns. Es gibt zudem auch andere Tests, etwa einen Bluttest, der unter anderem Brustkrebs erkennen kann. Außerdem kann die richtige Ernährung bei Brustkrebs helfen, Metastasen einzudämmen und das Wohlbefinden zu steigern.

Übrigens können auch Männer an Brustkrebs erkranken oder andere Probleme mit der Brust haben, zum Beispiel Gynäkomastie, den Männerbusen.

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