19.09.2018

Traditionelle Heilkunst Was ist Ayurveda? Definition und Anwendung der Heilkunst

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Was ist eigentlich Ayurveda? Und wie lässt sich die Heilkunst ins Leben integrieren? Das und noch mehr erfahren Sie hier.

Foto: iStock (2) Collage BILD der FRAU

Was ist eigentlich Ayurveda? Und wie lässt sich die Heilkunst ins Leben integrieren? Das und noch mehr erfahren Sie hier.

Ayurveda ist eine ganzheitliche "Lebenswissenschaft", die bei sorgfältiger Anwendung zu größerem Wohlbefinden für Körper und Geist führt. Wir haben die Heilkunst genauer unter die Lupe genommen.

Ayurveda steht ganz oben auf der Liste aktueller Trends im Bereich Ernährung und Wohlbefinden. Doch was ist Ayurveda überhaupt? Das asiatische "Wissen über das gesunde Leben" ist ein ganzheitliches System zur Abstimmung des eigenen Körpers auf die Welt und alles, was ihm darin begegnet. Erfahren Sie hier mehr dazu.

Was ist Ayurveda? Asiatische Heilkunde hinterfragt

Ayurveda ist eine 5.000 Jahre alte Heilkunde aus Asien, die noch heute vor allem in Indien, Sri Lanka und Nepal Anwendung findet. Aber auch in Europa und den USA steigt die Nachfrage nach der Aufrechterhaltung von Harmonie in Körper, Geist und Seele, die im Zentrum der Heilkunst steht. Wortwörtlich übersetzt bedeutet Ayurveda "das Wissen vom gesunden Leben", alternativ auch "Lebensweisheit" oder "Lebenswissenschaft": In Sanskrit bedeutet Ayus "Leben" und Veda "Wissen".

Anwender versprechen sich von Ayurveda bessere Haut, ein gestärktes Nervenkostüm und ein erfrischtes Auftreten. Kurzum: Ein besseres Leben in einem gesünderen Körper. Das Grundprinzip von Ayurveda lautet, die dem Körper innewohnenden selbstheilenden Kräfte zu aktivieren.

So wie die Welt um ihn herum, besteht auch der Mensch nach ayurvedischem Denken aus den fünf Elementen Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde und steht mit diesen in einer permanenten Wechselbeziehung. Von der Luft, die wir atmen, über das Essen, das wir zu uns nehmen und die Creme, die wir auf unsere Haut schmieren: Alles, was wir aufnehmen, beeinflusst uns nicht nur, es stärkt auch jeweils eines oder mehrere dieser Elemente.

Der ayurvedische Ansatz geht davon aus, dass der Körper regelmäßig entgiftet und gereinigt werden muss, um die drei Lebensenergien, die durch den Körper fließen, im Gleichgewicht zu halten. Diese Lebensenergien heißen "Doshas" und bedeuten wörtlich übersetzt "Fehler" oder "Fehlerpotential". Zwischen dem Bewegungsprinzip "Vata", dem Feuer- bzw. Stoffwechselprinzip "Pitta" und dem Strukturprinzip "Kapha" muss Harmonie herrschen, um einen reibungslosen Ablauf des Gesamtsystems zu erreichen. Ayurveda ist ganzheitlich: Das Ziel besteht darin, den Menschen unter Einbeziehung seines Körpers, seiner Gefühle und seiner Spiritualität zu heilen.

Wie funktioniert Ayurveda?

Bei nahezu jeder Person sind ein oder zwei der Doshas oder Lebensenergien dominanter als die anderen. Welche das sind, ist essentiell für die Behandlung, die mittels Blickdiagnose, Gespräch und ayurvedischer Pulsdiagnose erfolgt. Zudem wird das angestrebte Verhältnis der Doshas zueinander aus dem jeweiligen astrologischen Horoskop des Patienten abgeleitet: Das nennt sich auch Prakriti-Analyse.

Sie wollen wissen, welcher Ayurveda-Typ Sie sind?

Was Ayurveda ist, wissen Sie nun in der Theorie. Doch wie sieht es mit der Praxis aus? In Summe wird die Heilkunst mittels Ernährung, Naturheilkundemitteln, Reinigungsverfahren und Ordnungstherapie angewandt. All diese Anwendungen greifen ineinander und potenzieren so ihre heilende Wirkung, weswegen hartgesottene Ayurveda-Praktiker in der Regel auch davon abraten, sich einzelne Therapien herauszupicken und ausschließlich diese zu befolgen.

Ayurvedisch leben: Therapien und Verfahren im Überblick

  • Ordnungstherapie: Unter Ordnungstherapie wird in der ayurvedischen Heilung die Abstimmung der individuellen Lebensweise auf die eigene Konstitution verstanden. Viele Menschen pflegen Lebensgewohnheiten, die weder im Einklang mit der Natur noch mit der Konstitution der eigenen Person stehen. In der Ordnungstherapie wird an allen grundlegenden Reglern eines gesunden Lebens gearbeitet: an der Atmung, Bewegung, Hygiene und Achtsamkeit ebenso wie am Schlafrhythmus, der Regulierung von Spannungen und der Sinneskontrolle.
  • Reinigungsverfahren: Zu den auch Panchakarma genannten Reinigungsverfahren zählen Massagen, Hitzeauflagen und Ölanwendungen, aber auch Fasten, Bäder und Einläufe, außerdem Yoga und Atemübungen sowie Farb- oder Musiktherapie. Bisweilen wird auch mit therapeutischem Aderlass gearbeitet. Durch die Massagen soll beispielsweise der Lymphfluss gesteigert werden, wodurch Abfallstoffe besser ausgeschieden werden können und der Körper so entgiftet wird. Nebenbei sorgen ayurvedische Massagen natürlich auch für Entspannung von Körper und Geist, indem die Muskulatur gelockert und Stress abgebaut wird.
  • Ernährungstherapie: Im Ayurveda gibt es sechs Geschmacksrichtungen und zwölf Nahrungsmittelgruppen. Die Geschmacksrichtungen – süß, sauer, scharf, salzig, bitter und herb – haben unterschiedliche Auswirkungen auf den Menschen und werden, wie auch alles andere in der Heilkunst, einem oder mehreren der fünf Elemente zugeordnet. Jede der sechs Geschmacksrichtungen stärkt somit die Ausprägung von einem oder mehreren Elementen im Körper und schwächt die anderen. Zudem gibt es noch drei Nachwirkungen oder Nachgeschmäcker – süß, sauer und salzig – die Nahrung annehmen kann, sobald sie verdaut ist. Auch auf diese wird in der ayurvedischen Ernährungstherapie geachtet.
    In der individuellen Anwendung gilt es herauszufinden, welche dieser Lebensmittel gut zur eigenen Konstitution passen und welche eher in Maßen konsumiert oder ganz vermieden werden sollten. Je nach persönlicher Konstitution wird bei der ayurvedischen Therapie ein Speiseplan erstellt, der die sechs Geschmacksrichtungen auf die jeweiligen Bedürfnisse abstimmt.
  • Pflanzenheilkunde: Begleitend zu den anderen Praktiken werden dem Menschen fehlende Stoffe über ayurvedische Arzneimittel aus Heilpflanzen verabreicht. Auch die Kategorisierung der Heilpflanzen erfolgt über ihre pflanzeneigenen Energien, die dann zu der jeweiligen menschlichen Konstitution als Ergänzung gegeben werden. Wichtig ist auch, zu wissen, dass ein ayurvedischer Grundsatz besagt, möglichst nur regionale Produkte zu verarbeiten. Zudem wird in der ayurvedischen Ernährungslehre empfohlen, Heilpflanzen als Kräuter zu sich zu nehmen statt in Tablettenform oder als Extrakt und diese sowie auch alle anderen Nahrungsmittel ausgiebig zu kauen: Denn der Prozess der Reaktion des Körpers auf die Nahrung beginnt beim Kauen.

Ein anderer Ansatz der Heilkunst kommt übrigens aus China: Erfahren Sie bei uns zudem mehr über die traditionelle chinesische Medizin.

Besser leben mit Ayurveda?

Ayurveda ist also mehr als ein Hobby, sondern gleicht einer Lebensphilosophie, bei der Reinigung und Läuterung im Mittelpunkt stehen. Obwohl es grundsätzlich der Vorbeugung von Krankheit dient, kann damit auch bei akuten Krankheiten begonnen werden, um wieder gesund zu werden. Regelmäßig angewandt, schwören viele auf die Heilkunst als Garant für ein gesundes Leben bis ins hohe Alter.

Wichtig ist aber dennoch zu wissen, dass Ayurveda mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, auf die sich westliche Schulmedizin stützt, nicht immer vereinbar ist: Denn bislang gibt es kaum Nachweise für die Wirkung von ayurvedischer Medizin, die dem wissenschaftlichen System der evidenzbasierten Medizin gerecht werden.

Was ist Ayurveda? Nun, das haben wir Ihnen überblickshaft erklärt. Entdecken Sie auf unserer Themenseite weitere Ratgeber und Informationen rund um die Naturheilkunde.

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