14.05.2018

Sanfte Reinigung Ohrenschmalz entfernen – so machen Sie es richtig

Im Zweifel und bei Problemen lieber zum HNO: Ohrenschmalz entfernen klappt zwar auch zu Hause, der Arzt kann aber bei größeren Beschwerden besser helfen.

Foto: iStock/didesign021

Im Zweifel und bei Problemen lieber zum HNO: Ohrenschmalz entfernen klappt zwar auch zu Hause, der Arzt kann aber bei größeren Beschwerden besser helfen.

Lässt sich Ohrenschmalz mit Wattestäbchen, Ohrkerze oder anderen Hausmitteln entfernen oder sollte das besser der Arzt machen? Was Sie darüber wissen sollten.

Wenn gelblich-bräunliche Substanz im Ohr deutlich zu erkennen ist, sieht das alles andere als appetitlich aus. So manch einer denkt daher schnell daran, Ohrenschmalz zu entfernen.

Doch das verpönte Ohrenschmalz, medizinisch Cerumen, erfüllt wichtige Funktionen: Es befeuchtet den Gehörgang, schützt vor Krankheitserregern sowie Staub, indem es die Eindringlinge abfängt und bindet. Ohrenschmalz ist also kein Schmutz, sondern Schutz. Normalerweise befördern winzige Flimmerhärchen im Ohr durch ständige, langsame Bewegungen das Ohrenschmalz nach außen. Mit Hilfe der weichen Masse reinigt sich das Ohr sozusagen von selbst.

Vorsicht beim Ohrenschmalz entfernen

Allerdings kann dieser Selbstreinigungsprozess gestört sein. Es sammelt sich zu viel Ohrenschmalz an und letztlich droht sogar ein Pfropf den Gehörgang zu verstopfen. Das Ohrschmalz muss also raus. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten und Hilfsmittel. Immer noch sehr beliebt: Wattestäbchen. Doch die können gefährlich sein.

Wattestäbchen mit Warnhinweis

"Durch die Stäbchen können der Gehörgang oder das Trommelfell gereizt oder gar verletzt werden oder das Ohrenschmalz kann – tief in den Gehörhang geschoben – eintrocknen und zu einem unangenehmen festen Pfropfen werden", erklärt Dr. Doris Hartwig-Bade, Vizepräsidentin des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Deshalb muss aus Gründen der Produkthaftung heute übrigens auf der Verpackung der Wattestäbchen ein Warnhinweis stehen: "Nicht in den Gehörgang einführen!" Wattestäbchen sollten daher nur für die Reinigung der äußeren Ohrmuschel genutzt werden.

Ohrenschmalz entfernen mit Hausmitteln und Hilfsmitteln

Weniger gefährlich sind bei richtiger Anwendung folgende Methoden, Ohrenschmalz selbst zu entfernen:

  1. Ohrenreiniger – ein Metallstab mit Schlaufe, die wie ein Lasso funktioniert, soll das Cerumen aus dem Ohr ziehen. Wer dabei allerdings nicht vorsichtig vorgeht, kann sich Ohrmuschel und Gehörgang verletzen! Also lieber den Facharzt machen lassen – mehr dazu gibt's unten.
  2. Ohrentropfen oder Ohrenspray – sie sollen zähes Ohrenschmalz aufweichen. Danach lässt es sich mit einem Ohrenreiniger entfernen. Diese Produkte wirken bei festen Pfropfen jedoch meist zu wenig.
  3. Ohrenkerze – die schmalen Kerzen sollen brennend ins Ohr gesteckt werden (Docht und Flamme außen!). An der Unterseite der Kerze entsteht ein leichter Unterdruck, der das Ohrenschmalz aus dem Gehörgang ziehen soll. Vorsicht: Verbrennungsgefahr, außerdem kann Wachs in die Ohren gelangen. Auch hier sollten Sie besser mit Fachpersonal arbeiten und zumindest niemals alleine mit Ohrenkerzen hantieren!
  4. Ballonspritzen – sie werden mit Wasser gefüllt und spülen das Ohr.
  5. Olivenöl als Hausmittel gegen Ohrenschmalz – ein paar Tropfen hochwertiges Pflanzenöl in den Gehörgang träufeln, einwirken lassen und dann das etwas aufgeweichte Ohrenschmalz unter der Dusche vorsichtig mit warmem Wasser heraus spülen.
  6. Dampfbad – geben Sie heißes Wasser in eine Schüssel und halten Sie Ihren Kopf seitlich über den aufsteigenden Dampf, damit er gut ins Ohr gelang. Der Wasserdampf kann Ohrenschmalz aufweichen, damit es sich danach gut heraus spülen lässt. Aber Vorsicht: Nicht zu heiß, sonst drohen Verbrennungen.

Beide Methoden – Olivenöl und Dampfbad – wirken jedoch bei einem Ohrpfropf viel zu schwach.

Ohrenschmalz vom Arzt entfernen lassen

Die sicherste und erfolgreichste Methode ist deshalb: Lassen Sie sich störendes Ohrenschmalz und Pfropf vom Hals-Nasen-Ohrenarzt entfernen. "Vor allem Menschen, die übermäßig viel Ohrenschmalz produzieren, sollten am besten alle 3 bis 6 Monate zum HNO-Arzt gehen, damit der Pfropf nicht zu einer Beeinträchtigung des Hörvermögens führt. Auch Kinder produzieren oft vermehrt Ohrenschmalz, dies sollten Eltern beim HNO-Arzt kontrollieren lassen", empfiehlt Dr. Doris Hartwig-Bade.

Dabei spült der Arzt das Ohr mit Wasser oder einem ohrenschmalz-auflösenden Mittel, das gut 15 Minuten einwirken sollte. Danach wird das Ohrenschmalz mit einem Gerät abgesaugt und einem runden Häkchen vorsichtig heraus gelöst.

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Das Ohr ist ein sehr interessantes Organ. Wie es funktioniert und wofür es außer fürs Hören noch zuständig ist, lesen Sie bei uns.

Übrigens kann auch zu viel Wasser im Gehörgang für Probleme sorgen. Ohren föhnen hilft in diesem Fall, zum Beispiel gegen Badeotitis, etwa nach dem Schwimmen.

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