16.04.2018

Kosten für Behandlung Was kostet eine Psychotherapie und wer zahlt dafür?

Millionen von Menschen in Deutschland sind psychisch krank. Wir sagen Ihnen, wie die hoch die Kosten einer Psychotherapie sind und wie die Übernahme via Krankenkasse abläuft.

Foto: iStock/golibo

Millionen von Menschen in Deutschland sind psychisch krank. Wir sagen Ihnen, wie die hoch die Kosten einer Psychotherapie sind und wie die Übernahme via Krankenkasse abläuft.

Gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung, kann eine Psychotherapie helfen. Wir sagen, wer dafür zahlt und wie Sie nach Therapeuten suchen.

Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, innere Leere – fühlt man sich über einen kurzen Zeitraum schlecht, ist das nicht immer sofort ein Grund zur Sorge. Doch hält das Gefühl länger an, könnte es ein Hinweis auf eine psychische Erkrankung wie zum Beispiel eine Depression oder auch eine Angststörung sein. Dann ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu nehmen. In vielen Fällen hilft die Psychotherapie.

Doch nicht immer ist es einfach, einen Platz zu finden. Wir erklären Ihnen, was Sie auf der Suche nach einem Psychotherapeuten beachten müssen und wer die Psychotherapie-Kosten übernimmt.

Gesetzliche Krankenkasse trägt Psychotherapie-Kosten

Fakt ist: Psychotherapie ist eine Leistung, die die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen – damit fallen für Sie im Normalfall keine Kosten an. Doch eine Psychotherapie ist antragspflichtig. Das sieht oft wie folgt aus: Zunächst werden vier, fünf Probesstunden mit dem Therapeuten vereinbart, die sogenannten "Probatorischen Sitzungen". Dort versucht der Therapeut herauszufinden, welcher Behandlungsbedarf notwendig ist.

Anschließend müssen Sie weitere Sitzungen – wie vom Therapeuten vorgeschlagen – beantragen. Das können, je nach Therapieform, 25, 45, 80 oder sogar 180 Stunden sein. Formulare erhalten Sie beim Therapeuten. Er wird den weiteren bürokratischen Teil bearbeiten, sodass Sie damit wenig zu tun haben werden. Die probatorischen Sitzungen laufen so lange, bis die Krankenkasse Ihre Stunden bewilligt hat. Wichtig ist, dass Sie stets die Krankenkassenkarte dabei haben.

Unbedingt mehrere Therapeuten kontaktieren!

Wenn Sie einen Platz suchen, sollten Sie unbedingt bei mehreren Therapeuten telefonisch oder per E-Mail anfragen und um einen Termin bitten. Vor einem Jahr ist eine Reform in Kraft getreten. Diese schreibt vor, dass Therapeuten eine offene Sprechstunde anbieten müssen, die Sie besuchen können. Das erleichtert die Kontaktaufnahme. Hilfreich ist auch eine Suche über die Landespsychotherapeutenkammer oder die jeweils für Ihren Wohnort zuständige Kassenärztliche Vereinigung.

Leider gibt es in Deutschland zu wenig Therapeuten, die eine Kassenzulassung haben. Das bedeutet, dass man oft monatelang warten muss, bis man einen freien Platz erhält. Erstmal auf der Warteliste, kann viel Zeit vergehen, bis eine Behandlung starten kann. Gerade in einer Phase, in dem es einem eh schlecht geht, kann das oft sehr nervenzehrend sein. Erkrankungen können sich durch lange Wartezeiten verschlechtern oder sogar chronisch werden.

Ihnen geht es schlecht? Testen Sie hier, ob Sie gefährdet sind, an einem Burnout zu erkranken.

Kostenübernahme in Privatpraxen möglich

Für diese Fälle gibt es die Möglichkeit, sich an Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung zu wenden. Diese Therapeuten haben ihre staatliche Behandlungserlaubnis, praktizieren aber in Privatpraxen. Sie können die Psychotherapie-Kosten dort als Selbstzahler tragen.

Sollten Sie aber bereits erfolglos mehrere Therapeuten mit Kassenzulassung kontaktiert haben, kann die Krankenkasse die Kosten für die Therapie übernehmen. Sie müssen dafür nachweisen, welche und wie viele Therapeuten Sie um einen Platz gebeten haben und mit welcher Wartezeit Sie vertröstet wurden.

Wenn dieser Schritt erledigt ist: Lassen Sie sich auf jeden Fall die schriftliche Zusage der Krankenkasse geben, dass die Behandlungs-Kosten bei einer Privatpraxis getragen werden. Dann können Sie die Rechnungen, die Sie vom Therapeuten erhalten, auch ohne Sorge einreichen.

Achtung: Nicht jede Private Krankenkasse zahlt!

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Psychotherapie-Kosten also in jedem Fall. Anders sieht es in der Privaten Krankenversicherung aus. Dort hängt es von der Leistung der Kasse und der Art des Tarifs ab, ob die Kasse die Kosten komplett trägt. Einige Private Krankenkassen lehnen Versicherungsschutz für psychisch Kranke komplett ab. Am besten erkundigen Sie sich direkt bei der Kasse.

Der Weg hin zu einem Therapie-Platz kann mühsam und mitunter anstrengend sein – lassen Sie sich davon nicht abschrecken und suchen Sie sich Hilfe, wenn Sie das Gefühl haben, sie zu brauchen.

Eine der häufigsten psychischen Erkrankungen ist die Depression. Hintergründe dazu finden Sie auf unserer Themenseite.

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