25.01.2019

Neue Studienergebnisse Mehr als ein Schmerzmittel? Aspirin mit Bedacht einnehmen!

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Wie gut kennen Sie Aspirin und seine Wirkung? Das Schmerzmittel kann auch bei Karies und Depression wirken und vor Herzerkrankungen schützen – aber auch das Risiko für innere Blutungen erhöhen. Erfahren Sie mehr zu den neuesten Erkenntnissen.

Foto: iStock/diego_cervo

Wie gut kennen Sie Aspirin und seine Wirkung? Das Schmerzmittel kann auch bei Karies und Depression wirken und vor Herzerkrankungen schützen – aber auch das Risiko für innere Blutungen erhöhen. Erfahren Sie mehr zu den neuesten Erkenntnissen.

Wissenschaftler entdecken immer neue Anwendungsgebiete für das rezeptfreie Schmerzmittel Aspirin. Auch schmerzfreie Personen sollen von der Einnahme profitieren, heißt es. Aber dennoch sollte nicht jeder das Mittel einfach so einnehmen. Es ist immer noch ein Medikament, das auch Nebenwirkungen zeigen kann. Die neuesten Ergebnisse.

Eine kleine, weiße Tablette, ein Glas Wasser – dieses Rezept hilft bei Kopfschmerzen ebenso wie bei Kreuzweh oder Erkältungen. Vor knapp 120 Jahren patentiert, kommt kaum eine Hausapotheke ohne den Pharma-Oldie Aspirin aus. Sein Vorzug: Der Zungenbrecher-Inhaltsstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wirkt zugleich antientzündlich, schmerzstillend und fiebersenkend. Damit deckt die Volksarznei eine Palette von größeren und kleineren Wehwehchen ab. Die Liste der Krankheiten, bei denen ASS hilft – das neben Aspirin auch in vielen ähnlichen Produkten steckt –, wächst sogar noch weiter. Regelmäßig entdecken Forscher neue Anwendungen für den Allrounder. Wobei kann Aspirin noch Wirkung zeigen? Und warum sollten Sie es trotzdem nicht unbedingt regelmäßig nehmen?

Aspirin: Diese Wirkung kann das Schmerzmittel noch haben

1. Repariert Zähne

Karieslöcher schließen sich von selbst wieder, wenn man die Stammzellen im Zahnmark mit Aspirin stimuliert. Die Acetylsalicylsäure kurbelt die Remineralisierung und natürliche Regeneration des Zahns an, entdeckten Forscher der Queen's University in Belfast 2017 in Labortests. Studien mit Patienten folgen.

2. Verhindert Impotenz

Aspirin gibt Männern mit Erektionsstörungen das Stehvermögen zurück, wenn der Penis wegen Durchblutungsstörungen streikt. Bereits eine Baby-Aspirin täglich mit 100 Milligramm soll nach sechs Wochen Therapie eine Viagra-ähnliche Erfolgsrate erzielen, so zumindest eine türkische Studie mit 184 Patienten, die Anfang 2018 im US-Fachmagazin "Renal and Urology News" veröffentlicht wurde.

3. Verlängert das Leben

Womöglich birgt eine tägliche Mini-Aspirin, wie sie Millionen US-Bürger bereits heute vorsorglich schlucken, ein Rezept, das Altern zu verlangsamen. Diesem Verdacht folgt die Großstudie "Aspree" ("Aspirin in Reducing Events in the Elderly") in den USA und Australien mit 19 114 gesunden Senioren, die seit Jahren entweder täglich 100 Milligramm ASS oder ein Placebo schlucken. "Es gibt immer mehr Hinweise, dass Aspirin bei einer Reihe von Alterserkrankungen hilft", erklärt die Projektleiterin Dr. Suzanne Orchard den Anlass für die Mega-Untersuchung.

Noch 2018 soll sich herausstellen, ob die Aspirin-Kandidaten seltener an Krebs, Demenz oder Arterienverengung erkranken als die Teilnehmer, die das Scheinmedikament erhalten.

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4. Bekämpft Depressionen

Psychiater hoffen, dass Entzündungshemmer wie ASS in Zukunft zumindest einen Teil ihrer Patienten von Schwermut befreien. Diese Hoffnung basiert auf der neuen und spektakulären Erkenntnis, dass Depressionen durch chronische Entzündungen im Körper angekurbelt werden können. Einen Nachweis hierfür erbrachten 2017 die beiden Essener Forscher Prof. Harald Engler und Prof. Manfred Schedlowski, als sie bei freiwilligen Probanden Depressionen auslösten, indem sie den Testpersonen eine geringe Dosis Bakteriengifte spritzten, die das Immunsystem heftig herausforderten.

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5. Schmiert die Gefäße

Während der Anti-Aging-Nutzen von Aspirin für Gesunde noch infrage steht, ist die Sache für Menschen mit erkrankten Blutgefäßen klar. Ihnen verschreiben Ärzte die tägliche Pille, um das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall zu senken. "Die Acetylsalicylsäure setzt die Verklumpungsneigung der Blutplättchen herab und reduziert so die Wahrscheinlichkeit für Verstopfungen der Blutgefäße", erläutert Prof. Helmut Gohlke vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung.

Als Blutverdünner und Entzündungshemmer wirkt schon die schwache Dosis von 75 bis 100 Milligramm. Gegen Schmerzen braucht es deutlich mehr – nämlich zwischen 500 bis 1000 Milligramm pro Tablette.

Aber Vorsicht: Damit steigt leider auch die Gefahr von Nebenwirkungen. Bei höherer Dosierung und längerer Einnahme werden die Nieren belastet, Magenbeschwerden und Magenblutungen drohen. Experten raten deshalb, Schmerzmittel wie ASS, aber auch Ibuprofen oder Paracetamol, auf eigene Faust nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als zehnmal im Monat einzunehmen.

6. Kann innere Blutungen hervorrufen

Wo wir gerade bei Nebenwirkungen sind: Ja, Aspirin kann vor Herz-Kreislauf-Beschwerden schützen. Da es aber blutverdünnend wirkt, vor allem, wenn man es regelmäßig nimmt, steigt wie gesagt gleichzeitig das Risiko für innere Blutungen – vor allem bei eigentlich gesunden Menschen. Dass auch der Darm davon betroffen sein kann, wurde nun bei einer Studie des King's College London herausgefunden. Demnach überwiege das Risiko innerer Blutungen den Nutzen von Acetylsalicylsäure bei gesunden Menschen ohne Herzerkrankungen deutlich.

Zwar reduziere Aspirin bei gesunden Menschen das Risiko eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls um 11 Prozent. Gleichzeitig steige aber das Risiko für innere Blutungen um 42 Prozent.

Forschende der Harvard University konnten dagegen feststellen, dass tägliche Aspirin-Einnahme das Risiko für Krebserkrankungen im Verdauungssystem, vor allem Darmkrebs, um 19 Prozent verringere. Dennoch überwiegt hier die Gefahr für innere Blutungen.

Diese Risiken und Nutzen müssen also gegeneinander abgewogen werden, und dies geschieht am besten im direkten Gespräch zwischen Patient und Arzt. Nach einem Herzinfarkt kann eine tägliche Dosis Acetylsalicylsäure vor einem zweiten Infarkt schützen und würde in dem Fall die Risiken überwiegen. Bei Gesunden sieht es aber anders aus.

Unbedacht sollten Sie kein Medikament über einen langen Zeitraum einnehmen, auch kein frei verkäufliches wie Aspirin.

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