29.03.2018

Die richtige Vorsorge Patientenverfügung: was rein muss & die 7 wichtigsten Fragen

Eine Patientenverfügung regelt, welche ärztlichen und pflegerischen Maßnahmen getroffen werden, wenn die Patienten nicht mehr in der Lage sind, selbst zu entscheiden.

Foto: iStock/Bavorndej

Eine Patientenverfügung regelt, welche ärztlichen und pflegerischen Maßnahmen getroffen werden, wenn die Patienten nicht mehr in der Lage sind, selbst zu entscheiden.

Jeder von uns kann in eine Situation kommen, in der er nicht mehr selbst über sich zu entscheiden vermag. Mit der Patientenverfügung können Sie vorsorgen.

Das Thema Patientenverfügung betrifft nicht nur ältere Menschen, etwa bei einem Schlaganfall oder einer anderen schweren Krankheit. Auch Jüngere können, beispielsweise durch einen Unfall, körperlich und geistig so beeinträchtigt werden, dass sie nicht mehr entscheidungsfähig sind.

Patientenverfügung für medizinische und pflegerische Behandlung nötig

Eine Patientenverfügung ist aber wichtig, weil in Deutschland jede ärztliche und pflegerische Maßnahme nur dann ausgeführt werden darf, wenn der Patient beziehungsweise sein gesetzlicher Vertreter zustimmt. Nur am akuten Notfall darf eine Behandlung durchgeführt werden, wenn sie – so zumindest das Gesetz – vermutlich dem Willen des Betroffenen entspricht.

Die Patientenverfügung ist deshalb unverzichtbar für alle, die selbstbestimmt versorgt werden wollen – auch wenn sie an einer Krankheit leiden, aufgrund derer sie sich nicht mehr selbst äußern können. Außerdem sollte auch jeder eine Patientenverfügung zur Hand haben, der unter bestimmten Umständen lieber auf eine Behandlung verzichten würde, sich also keine belastenden, lebensverlängernden Maßnahmen wünscht.

Die sieben wichtigsten Fragen zur Patientenvollmacht

Damit Sie einen ersten Eindruck davon bekommen, was eine Patientenverfügung bedeutet und welche Dinge sie regelt, sind hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

1. Was muss die Patientenverfügung enthalten?

  • Vor- und Familienname, Geburtsdatum und -ort, sowie Ihre Adresse.
  • Möglichst exakte Beschreibung, in welcher Situation Ihre Patientenverfügung in Kraft treten sollte (Endstadium einer tödlichen Krankheit, Koma, …)
  • Genaue Regeln für eine Schmerzbehandlung, lebenserhaltende Maßnahmen, ob künstliche Ernährung oder nur Durst löschen gewünscht ist, der Wunsch nach Wiederbelebung besteht und Weiteres.
  • Wünsche über religiöse Unterstützung
  • Vorgaben, die das Sterben und den Sterbeort betreffen (etwa "möchte in vertrauter Umgebung sterben")
  • Nennen Sie eine oder mehrere Vertrauenspersonen, die Sie begleiten und Ihnen beistehen sollen. Informieren Sie diese Personen auch darüber, dass sie in Ihrer Patientenverfügung genannt sind. Versichern Sie sich, dass sie damit einverstanden sind.
  • Unterschrift, Datum, Ort

Zusätzlich sollte die Patientenverfügung jedes Jahr neu von Ihnen unterschrieben werden.

2. Wer hilft bei der Patientenverfügung?

Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, wenn Sie eine Patientenverfügung anlegen möchten. Es gibt verschiedene Vordrucke und Formulare für Patientenverfügungen im Internet (siehe Ende des Artikels), doch oft erklären sie sich nicht ganz von selbst. Ihr Arzt kann Ihnen das erläutern, denn es handelt sich um medizinische Fragen zur Behandlung, Linderung und Pflege.

3. Wann wird die Patientenverfügung wirksam?

Dazu hat der Gesetzgeber vier klare Forderungen aufgestellt:

  1. Beim Verfassen der Patientenverfügung waren Sie volljährig und einwilligungsfähig.
  2. Aktuell sind Sie jedoch nicht einwilligungsfähig.
  3. Ihr persönlicher Wille, der sich auf spezielle Lebenssituationen bezieht, ist in der Patientenverfügung festgelegt.
  4. Es besteht eine medizinische Notwendigkeit für die geplante Maßnahme.

4. Wie lange ist eine Patientenverfügung wirksam?

Im Prinzip ohne zeitliches Limit, solange sich bei Ihnen keine wichtige gesundheitliche Veränderung ergibt. Wenn Sie sichergehen möchten, unterzeichnen Sie jährlich die Patientenverfügung neu und lassen Sie sich das auch von Ihrem Hausarzt zusätzlich unterschreiben. Dann können aktuelle Änderungswünsche gleich mit aufgenommen werden.

5. Wo hinterlege ich meine Patientenverfügung am besten?

Wählen Sie einen gut zugänglichen Ort, etwa das oberste Fach des Schreibtisches in einer blauen Mappe. Informieren Sie Ihre Vertrauenspersonen über diesen Aufbewahrungsort. Legen Sie einen Zettel in Ihr Portemonnaie, auf dem vermerkt ist, dass Sie eine Patientenverfügung haben und wo sie aufbewahrt wird. Wer sichergehen möchte, kann die Patientenverfügung auch bei einem Notar hinterlegen.

6. Bin ich mit einer Patientenverfügung tatsächlich rundum versorgt?

Eigentlich noch nicht. Denn sie regelt nur die medizinische und pflegerische Versorgung. Ergänzend sollten Sie eine Vorsorgevollmacht anfertigen und diese bei einem Notar hinterlegen. Darin geben Sie die Personen an, die als Bevollmächtigte Ihre Belange vertreten (weder Ehepartner noch Kinder sind das automatisch; haben Sie keine Bevollmächtigten angegeben, werden gesetzliche Vertreter vom Gericht eingesetzt).

Das ist wichtig, etwa bei der Entscheidung, lebenserhaltende Maßnahmen zu ergreifen oder sie womöglich zu beenden. Sie sollten sich darauf verlassen können, dass diese Personen in Ihrem Sinne und nach Ihrem Weltbild handeln. Zusätzlich können Sie diesen Vertrauenspersonen auch die Vollmacht auf Konten erteilen und Ihnen erlauben, dass sie Sie vor Gericht vertreten.

7. Oft liest man neben Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht auch über eine Betreuungsverfügung – was sind die Unterschiede?

Alle drei Vorsorgemaßnahmen ergänzen sich:

  1. Die Patientenverfügung, die erklärt, wie die medizinische Versorgung geregelt ist.
  2. Die Vorsorgevollmacht, damit Sie in allen gerichtlichen und außergerichtlichen Angelegenheiten in Ihrem Sinne vertreten werden.
  3. Die Betreuungsverfügung ist dann notwendig, wenn Sie trotz der Vorsorgevollmacht für einen darin noch nicht geregelten Fall einen gesetzlichen Vertreter brauchen. Die Betreuungsverfügung ist eine zusätzliche Rückversicherung, dass für Sie auf keinen Fall ein Betreuer durch ein Amt bestimmt werden muss.

Selbstbestimmt sein Leben regeln, Würde und Lebensqualität weitgehend erhalten, auch wenn man aktuell gesundheitlich nicht in der Lage dazu ist, Entscheidungen zu treffen – dieses Thema sollte jeder ernst nehmen. Falls keine Patientenverfügung vorliegt, wird vom Gericht ein Betreuer bestellt. Kinder oder Ehepartner dürfen keine rechtsverbindliche Entscheidung für den Patienten treffen, es sei denn, sie sind durch eine Vollmacht oder Betreuungsverfügung dazu berechtigt.

Für weitere Informationen zu diesem wichtigen Thema, aber auch praktische Formulare und Vordrucke für Ihre Patientenverfügung finden Sie hier:

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Vorsorge ist auch im finanziellen Bereich wichtig, zum Beispiel wenn eine Demenzerkrankung Geldgeschäfte beeinflusst.

Wie Sie bei Notfällen richtig reagieren, lesen Sie auch bei uns. Und unsere Themenseite "Ratgeber Recht" hilft Ihnen bei diversen rechtlichen Problemen weiter.

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