14.06.2018

Expertin im Interview Metastasierter Brustkrebs: Therapieformen & Heilungschancen

Metastasierter Brustkrebs ist in vielen Fällen nicht heilbar. Was die Diagnose bedeutet und welche Therapieformen es gibt.

Foto: iStock/AJ_Watt

Metastasierter Brustkrebs ist in vielen Fällen nicht heilbar. Was die Diagnose bedeutet und welche Therapieformen es gibt.

Die Diagnose metastasierter Brustkrebs ist wahrscheinlich für jede Patientin erst einmal ein Schock. Im Interview erklärt eine Expertin, wie die Erkrankung behandelt wird und wie die Heilungschancen stehen.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland. Laut des Robert Koch-Instituts (RKI) erkranken Jahr für Jahr etwa 75.000 Frauen daran. Mit zunehmenden Alter steigt das Risiko an Brustkrebs zu erkranken stetig. Das Gute: Wenn die Krankheit früh erkannt wird, sind die Heilungschancen gut. Hat der Tumor allerdings schon in andere Körperregionen gestreut, also Metastasen gebildet, ist die Gefahr für die Patientin wesentlich höher. bildderfrau.de hat mit Prof. Nadia Harbeck vom Brustzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) über metastasierten Brustkrebs gesprochen.

Therapieformen & Heilungschancen bei metastasiertem Brustkrebs

Was ist metastasierter Brustkrebs?

Metastasierter Brustkrebs ist eine Brustkrebserkrankung bei der Tumorzellen in andere Organe wie z. B. Knochen, Leber oder Lunge gestreut haben. In der Regel passiert das nach einer zunächst behandelten Ersterkrankung – selten kommen Patientinnen bereits bei der Erstdiagnose Brustkrebs mit Metastasen.

Wie wird metastasierter Brustkrebs behandelt?

Der Verlauf der Krankheit ist sehr unterschiedlich und auch abhängig vom Ort der Metastasen, von der Geschwindigkeit des Tumorwachstums und dem Allgemeinzustand der Patientin. Deshalb sollte der Arzt für jeden Fall eine individuelle Behandlungsform anbieten.

Bei der metastasierten Erkrankung steht die medikamentöse Therapie im Vordergrund. Lokale Therapiemaßnahmen wie Operation oder Bestrahlung können zusätzlich eingesetzt werden, wenn lokale Beschwerden bestehen.

Welche Beschwerden haben Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs?

Die Beschwerden sind zum Teil abhängig davon, wo der Tumor Metastasen gebildet hat. Gewichtsverlust und Schwäche können auftreten, wenn der Stoffwechsel durch das Tumorwachstum stark belastet ist. Wenn sich Tumore in der Lunge gebildet haben, kann die Atmung erschwert sein. Und Doppelbilder sowie ein epileptischer Anfall können ein Hinweis auf Hirnmetastasen sein. Das sind aber nur einige Bespiele, die Beschwerden können ganz unterschiedlich sein.

Wie stehen die Heilungschancen?

Die metastasierte Brustkrebserkrankung ist mit heutigen Möglichkeiten leider nicht heilbar, durch die modernen Medikamente können aber die Patientinnen oft jahrelang mit der Erkrankung bei guter Lebensqualität weiterleben. Dabei kommt es aber darauf an, in welchen Regionen und wie stark der Krebs bereits gestreut hat. Während Patientinnen mit Knochen- und Hautmetastasen eine verhältnismäßig günstige Prognose haben, ist die Situation bei Metastasen in Lunge, Hirn und Leber leider weniger gut.

Brustkrebs im Frühstadium, wenn der Krebs nur in der Brust und ggf. den Achsellymphknoten ausgebreitet ist, ist eine heilbare Erkrankung. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Erkrankung so früh wie möglich zu entdecken und zu behandeln.

Wenn es beim metastasierten Brustkrebs keine Heilungsmöglichkeit gibt, was sind dann die Ziele der Therapie?

Es gibt mehrere Ziele, dazu zählt beispielsweise die Lebensqualität der Patientinnen trotz der Erkrankung zu erhalten. Und natürlich auch die Lebenszeit zu verlängern, indem das Tumorwachstum angehalten oder verlangsamt wird. Schmerzen sollen vermindert werden und der Gesundheitszustand stabilisiert. Die Patienten sollen, so weit wie möglich, ein 'normales' Leben führen können.

Die Diagnose Brustkrebs

Was bedeutet es grundsätzlich, wenn eine Frau die Diagnose Brustkrebs bekommt?

Brustkrebs ist bei Erstdiagnose (ohne Fernmetastasen) heute eine heilbare Krebserkrankung. Die Behandlung besteht aus lokaler Therapie (Operation, Strahlentherapie) und Medikamenten. Alle Therapieschritte zusammen optimieren die Heilungschancen.

Wie sollten Frauen sich verhalten, wenn sie die Diagnose bekommen?

Die Frauen sollten sich an ein zertifiziertes Brustzentrum wenden – hiervon gibt es etwa 250 in Deutschland, d. h. jede betroffene Frau findet mit Sicherheit ein Brustzentrum in der Nähe ihres Wohnortes. Die Therapie richtet sich heute nach der Tumorbiologie und der Tumorlast. Nicht in jedem Fall ist die sofortige Operation die bestmögliche Therapie. Manchmal kann eine Chemotherapie vor der Operation für die Heilungschancen vorteilhaft sein – deswegen ist es so wichtig, sich nach Diagnosestellung im Brustzentrum vorzustellen, wo dann der bestmögliche Therapievorschlag für die einzelne Patientin gemacht wird.

Müssen Patientinnen nach der Diagnose sofort handeln und sich in Therapie begeben?

Brustkrebs ist in der Regel KEIN Notfall, d. h. es ist immer Zeit, das bestmögliche Brustzentrum in der Nähe auszuwählen – hierbei berät der Frauenarzt/Frauenärztin gerne die Patientin. Auch sollten Patientinnen nach Studien fragen – hier besteht oft die Möglichkeit, neue vielversprechende Medikamente bereits vor der Zulassung zu erhalten.

Krebs und die Psyche

Was bedeutet die Diagnose Krebs für die Psyche?

Es ist eine einschneidende Diagnose, die das bisherige normale Leben erschüttert – wichtig ist, dass betroffene Frauen sich nicht scheuen, psychoonkologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. An jedem Brustzentrum gibt es Psychoonkologen, die gerne akut helfen und auch den Kontakt zu einer weiteren ambulanten Beratung vermitteln. Wichtig ist auch, den Rückhalt im Freundes- und Familienkreis zu nutzen.

Viele Patientinnen haben nach der Diagnose Angst vor der Zukunft. Mit der Erkrankung umzugehen und damit weiterzuleben, kann in vielen Lebenslagen sehr herausfordernd sein. Laut einer Umfrage unter Frauen mit metastasiertem Brustkrebs beschäftigen sich knapp 70 Prozent mit dem Tod als Folge der Erkrankung und fast 60 Prozent mit den Auswirkungen der Krankheit auf ihre Lebensqualität. Die Erkrankung hat bei den meisten Patientinnen ab dem Tag der Diagnose Auswirkungen auf das komplette Leben.

Was können Frauen im Alltag tun, um den Verlauf der Krankheit positiv zu beeinflussen?

Ein gesunder Lebensstil, Sport und Bewegung sind wichtig. Eine spezielle Krebsdiät gibt es nicht.

Bewegung kann beim Vorbeugen gegen Krebsauch bereits helfen.

Wie hoch ist die Rückfallwahrscheinlichkeit?

Wann gelten Patienten als geheilt nach einer Brustkrebs-Diagnose?

Bei metastasiertem Brustkrebs gibt es nur in seltenen Fällen eine Chance auf Heilung. Und auch bei Patientinnen bei denen die Krankheit noch nicht so weit fortgeschritten ist, können Mediziner keinen genauen Zeitpunkt der Heilung nennen. Die Rückfallwahrscheinlichkeit richtet sich nach der Tumorbiologie. Bei hormonunempfindlichen Tumoren ist es sehr unwahrscheinlich, dass nach den ersten 5 Jahren noch ein Rückfall kommt.

Bei hormonempfindlichen Tumoren ist das Rückfallrisiko pro Jahr gering, aber es ändert sich kaum mit der Zeit. Wichtig ist daher, dass Brustkrebspatientinnen ihren Ärzten sagen, dass sie einmal diese Erkrankung hatten und auch nach Jahren noch daran denken, dass bei neu aufgetretenen Beschwerden frühzeitig eine Bildgebung erfolgt, um den Zusammenhang mit der Brustkrebserkrankung auszuschließen.

Übrigens: Ein Gentest könnte Frauen mit Brustkrebs die Chemotherapie ersparen. Hier mehr erfahren.

Den Krebs vorbeugen

Wie können Frauen Brustkrebs vorbeugen?

Es gibt keine spezielle Vorbeugung. Wichtig ist ein gesunder Lebensstil, eine ausgewogene Ernährung und ein normales Körpergewicht. Frauen ab 50 Jahren (bis 69) sollten das Ihnen angebotene Mammographie-Screening in Anspruch nehmen – Früherkennung ist immer noch der beste Schritt zur Heilung.

Jede Frau sollte regelmäßig ihre Brust abtasten, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Dabei ist die richtige Technik wichtig. Lesen Sie hier, wie blinde Frauen das Brustabtasten lehren. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, braucht der Körper spezielle Pflege. Hier gibt's Infos, Während einer über die richtige Hautpflege während der Chemotherapie.

Sie wollen noch mehr über metastasierten Brustkrebs und Krebs im Allgemeinen erfahren? Auf unserer Themenseite Krebs gibt es viele weitere Artikel und Informationen.

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Frau Prof. Nadia Harbeck leitet das Brustzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Mehr Informationen zu der Einrichtung gibt's auf der Website des Brustzentrums

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