01.03.2018 - 12:49

Stromschläge bei Berührung Knisterwetter: Warum wir öfter „einen gewischt“ bekommen

Wenn es bei Berührung knistert und funkt: Warum wir bei bestimmten Umgebungsbedingungen schnell "einen gewischt bekommen".

Foto: iStock/perets

Wenn es bei Berührung knistert und funkt: Warum wir bei bestimmten Umgebungsbedingungen schnell "einen gewischt bekommen".

Wenn's draußen knackig kalt und trocken ist, kann's ganz schön funken. Woher diese kleinen Stromschläge bei Berührung kommen und wie Sie sich schützen können.

Es ist Ihnen selbst wahrscheinlich schon mehrmals passiert. Sie fassen einen Gegenstand oder eine andere Person an und es funkt – im wahrsten Sinne des Wortes. Umgangssprachlich nennen wir dieses Phänomen auch "einen gewischt bekommen" – und das passiert bei eisiger Kälte häufiger als sonst. Warum das so ist?

Wenn’s funkt: Aufgeladene Stimmung

Sie wollen eigentlich nur den Aufzug herbeirufen, aber der metallische Knopf schlägt zurück. Sie geben jemandem vorsichtig die Hand und – Zack! – schlägt der Funke über. Sogar beim Küssen kann’s knistern, noch mehr als sonst.

Beim aktuellen Wetter ist das alles aber auch kein Wunder. Warum? Das hat ganz einfache Gründe. Wenn es draußen richtig knackig kalt ist, aber gleichzeitig auch sehr trocken – also perfektes Winterwetter für viele – dann sinkt gleichzeitig die Leitfähigkeit der Luft.

Trockene Luft und Kälte prallen aufeinander

Denn wenn es draußen trocken und kalt ist, befindet sich wenig Feuchtigkeit in der Luft. Und da Wasser ein guter Leiter ist, wird die Luft weniger leitfähig. Der menschliche Körper hingegen lädt sich immer wieder auf – was ganz normal ist. Gerade wenn wir synthetische Kleidung tragen, die aneinander reibt oder oder unsere Haut trocken ist, passiert das. Ein ähnliches Phänomen können Sie zum Beispiel auch beobachten, wenn Sie einen Luftballon schnell am Kopfhaar reiben.

Bei normalem Wetter würden wir uns aber regelmäßig über die Umgebung entladen. Ist diese Umgebung aber nicht leitfähig genug, staut sich die elektrische Ladung in uns auf – und wird beim Berühren des nächsten leitfähigen Gegenstandes – oder eben Gegenübers – schlagartig entladen. Und wir? Wir spüren einen kleinen Stromschlag. Bei Dunkelheit können sogar Funken zu sehen sein.

Wetterexperte Matthias Habel, Meteorologe bei "WetterOnline" erklärt das Ganze noch einmal in Kurzfassung: "Bei trockenem und kaltem Wetter enthält die Luft sehr wenig Feuchtigkeit. Sie ist daher ein sehr schlechter elektrischer Leiter. Unser Körper lädt sich dann besonders gut und schnell auf, entsprechend häufiger und intensiver bekommen wir im Winter den unangenehmen Stromschlag."

Stromschläge vermeiden: So geht‘s

Schädlich ist das Ganze nicht, denn die Ströme, die da fließen, sind zwar nicht unbedingt gering – bis zu 35.000 Volt können durch den Körper fließen – aber sehr kurz. Aber unangenehm kann es sein.

Vermeiden können Sie die unangenehmen Stromschläge, indem Sie Ihre Haut morgens immer gut eincremen, auf synthetische Kleidung verzichten und besser Baumwolle und Naturfasern tragen sowie die Schuhe mit Gummisohle zuhause lassen und stattdessen die mit Ledersohle wählen. In Innenräumen sollten Sie versuchen, die Luft feuchter als draußen zu halten. Lüften hilft nicht, denn draußen ist es ja trocken.

Sind Sie bei "Knisterwetter" und "Stromschlagkälte" unterwegs und anfällig dafür, einen gewischt zu bekommen, berühren Sie doch einfach zwischendurch leitende Gegenstände, beispielsweise Autokarosserien oder Laternen. So entladen Sie sich permanent und die Spannung "fließt" aus Ihnen heraus.

Und wenn Sie einen geliebten Menschen küssen oder berühren und es "funkt", ist das ja auch irgendwie etwas Schönes.

Aber: Risiko für Krankheiten steigt bei Kälte

Kälte kann aber durchaus gefährlich werden, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO: Und zwar besonders für Kinder, ältere Menschen, Obdachlose sowie Menschen mit chronischen Krankheiten oder körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Denn bei kaltem Wetter steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Bluthochdruck und Schlaganfall, aber auch für Atemwegs-Probleme. Auch bestehende Krankheiten können sich verschlimmern, erklärt Europas WHO-Regionaldirektorin Zsuzsanna Jakab.

Warm halten lautet also die Devise: Packen Sie sich und Ihre Lieben gut ein in diesen frostigen Tagen und Nächten. Und halten Sie auch auf der Straße die Augen auf. Denn viele Menschen, gerade die, die auf der Straße leben, frieren dieser Tage und sind auf Hilfe angewiesen. Warme Decken oder auch einmal ein heißer Tee können da gerade im Winter schon viel bewirken.