19.02.2020

Schützen Sie sich Zecken im Winter: Auch jetzt lauert die Gefahr im Gras

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Zecken und FSME
Mi, 13.12.2017, 15.38 Uhr

Zecken und FSME

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Ein Waldspaziergang mit dem Hund, entspannen im Park – herrlich. Aber Vorsicht: Mittlerweile lauern die fiesen Zecken auch im Winter draußen und übertragen exotische und lebensgefährliche Krankheitserreger.

Zeckensaison – das war einmal. Weil der Klimawandel die eigentlich kalte Jahreszeit immer milder macht, lauern die winzigen Zecken auch im Winter. Dabei können die Krabbler lebensgefährliche Krankheiten übertragen. Lesen Sie hier, wie Sie sich am besten schützen, wann eine Impfung sinnvoll ist und wie Sie die Spinnentiere nach einem Biss am besten entfernen.

Zecken im Winter: Warnung vor lebensgefährlichen Krankheitserregern

Eigentlich dauert die Zeckensaison von März bis Ende Oktober. Doch mittlerweile sind die Tiere, die biologisch gesehen zu den Spinnen zählen, fast das ganze Jahr über aktiv – nämlich sobald die Bodentemperatur 7 °C überschreitet. "Bereits ab etwa sieben Grad suchen Zecken nach Warmblütern", erklärt Prof. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, Berlin. "Sie halten sich nicht nur im Wald auf, sondern auch in Gärten, Parks, auf Sportplätzen." Besonders betroffen sind südliche Regionen des Landes: Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen sowie das südöstliche Thürigen.

Lyme-Borreliose wird oft zu spät erkannt

Mit jedem Stich saugen die Tierchen nicht nur Blut, sondern übertragen mit ihrem Speichel jetzt auch gefährliche, oft exotische Krankheitserreger. Eine bekannte Gefahr ist die Lyme-Borreliose, an der laut Nationalem Referenzzentrum Borrelien in München jährlich bis zu 100 000 Deutsche neu erkranken. "Sie kann sehr unterschiedliche Symptome verursachen, wird oft lange Zeit nicht entdeckt", so Professor Jelinek. Lyme-Borreliose greift die Haut, das Nervensystem und die Gelenke an. Sobald sich eine Wanderröte um die Einstichstelle zeigt, sollten Betroffene zum Arzt gehen. Denn frühzeitig erkannt, helfen Antibiotika.

FSME: Hier hilft der Impfschutz

Zecken können außerdem einen Virus übertragen, der eine Hirnhautentzündung auslöst, die Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME. Gegen FSME gibt es eine Impfung. Die ist sinnvoll für Bewohner der Risikogebiete. Dr. Jelinek: "Für einen vollständigen Schutz sind drei Impfdosen in zeitlichem Abstand nötig. Und eine Auffrischung alle fünf Jahre." Vorbeugend stoppen Repellentien mit dem Wirkstoff DEET oder Duftöle wie Citronella den Angriff der kleinen Krabbler.

Exotische Fieberarten auf dem Vormarsch

Wissenschaftler des European Centre for Disease Prevention and Control nahe Stockholm warnen z. B. vor einer europaweiten Zunahme des Krim-Kongo-Hämorrhagischen-Fiebers (CCHF). Zecken, die diesen Erreger in sich tragen, wandern allmählich von Süden nach Norden. Die Krankheit zeigt sich durch Symptome wie Muskel-und Bauchschmerzen, Verwirrtheit und ist oft lebensbedrohlich. Sie tritt bereits in Balkanstaaten wie Bulgarien, aber auch in Griechenland und Spanien auf. Hämorrhagische Fieberarten, neben dem CCHF auch das Arabisch Hämorrhagische Fieber, überträgt unter anderem die Hyalomma-Zecke. Sie sticht bevorzugt große Säugetiere wie Pferde, kann aber auch Menschen befallen.

Entwarnung gab es jetzt aber aus Labors der Universität Hohenheim: In keiner der ihnen zugesandten Hyalomma-Zecken wurden Erreger eines hämorrhagischen Fiebers gefunden. Durchaus übertragen können sie aber eine tropische Form des Zecken-Fleckfiebers, an dem auch in Deutschland bereits 2019 ein Mensch erkrankt war. Die schmerzhafte Erkrankung sei aber mit passenden Antibiotika gut zu behandeln, melden die Experten.

Auf der iberischen Halbinsel, im Südosten Frankreichs und der Lazio-Region um Rom haben Ärzte außerdem ein Dutzend Fälle entdeckt, bei denen Zecken das Gelbfieberähnliche Chikungunya-Virus auf Menschen übertragen haben. Diese gefährlichen Infektionskrankheiten können dann über Reisende, die als "Zecken-Taxi" fungieren, zu uns nach Deutschland gelangen. Deshalb ist ein guter Zeckenschutz heute wichtiger denn je. Denn Heilmittel gegen die neuen Gefahren gibt es bisher nicht.

Als Hausmittel gegen Zecken gelten Kokosöl und Co. Aber helfen die überhaupt?

So entfernen Sie Zecken richtig

  1. Mit Pinzette (um 8 Euro), Zeckenzange (ca. 15 Euro) oder -karte (ca. 5 Euro) aus der Apotheke hautnah an den Mundwerkzeugen packen, nicht quetschen.
  2. Langsam, gleichmäßig nach oben herausziehen. Nicht drehen!
  3. Überprüfen Sie, ob sich noch Teile der Zecke in der Wunde befinden. Stichstelle dann desinfizieren.

So bleiben Hunde zeckenfrei

Nicht nur uns Menschen wird die Zecke gefährlich. Tiere sind schon aufgrund ihrer Körpergröße einer Gefahr ausgesetzt. Zudem sind Zecken im dichten Fell schwer zu erkennen. Eine Gefahr für Hunde ist etwa die Braune Hundezecke. Aber Sie können Ihre Vierbeiner schützen:

  • Nach jedem Gassi-Gang wenig behaarte Körperstellen (z. B. Bauch) mit dünner Haut checken
  • Schlappohren hochklappen
  • Erst mit der flachen Hand mit dem Strich über das Fell streicheln, auf Knubbel achten. Dann Fell abschnittsweise scheiteln, gegen den Strich streichen
  • Zecke langsam mit Spezial-Pinzette herausziehen
  • Bei Fieber, Appetitlosigkeit, Mattigkeit zum Tierarzt

Mehr Informationen zu Impfungen aller Art finden Sie gut zusammengefasst auf unserer Themenseite.