16.03.2018

Ohne Einheil-Zeit Was die neuen Zahn-Sofort-Implantate wirklich taugen

Von

Wirklich mehr Vorteile? Die neuen Zahnimplantate versprechen viel, u. a. das Wegfallen der Einheil-Zeit. Erfahren Sie alle wichtigen Infos zu den neuen Sofort-Zahnimplantaten, deren Kosten und Pflege.

Foto: iStock/vgajic

Wirklich mehr Vorteile? Die neuen Zahnimplantate versprechen viel, u. a. das Wegfallen der Einheil-Zeit. Erfahren Sie alle wichtigen Infos zu den neuen Sofort-Zahnimplantaten, deren Kosten und Pflege.

Vollmundig versprechen Zahnarztpraxen "Implantate to go" im Blitz-Verfahren. Gleich nach der Behandlung soll man damit zubeißen können wie mit echten Zähnen. Kann das klappen?

Es klingt verlockend: An nur einem Tag Zahn ziehen, künstliche Zahnwurzel, also Implantat, verankern, Pfosten draufschrauben, Krone drüber – sofort zubeißen. Also Schluss mit monatelanger Einheil-Zeit wie bei herkömmlichen Zahnimplantaten. Doch was taugen diese neuen Sofort-Zahnimplantate wirklich? Neben einer Antwort auf diese Frage erfahren Sie zudem, wie die Zahnimplantate eingesetzt werden, welche Pflege sie beanspruchen und welche Kosten mit den neuen Zahnimplantaten verbunden sind.

Halten die neuen Zahnimplantate wirklich das, was sie versprechen?

"Ja, das klappt wirklich. Aber nur, wenn der eigene Zahn nicht entzündet war, der Kiefer um ihn herum noch stark genug ist und der Zahn eine geeignete Wurzelform besitzt. Im hinteren, oft abgeflachten Backenzahnbereich ist es nur in Ausnahmefällen möglich", sagt Dr. Lutz Spanka, Implantologe, Dentalchirurg und Kieferorthopäde im ZahnZentrum Dr. Spanka &Kollegen in Hude. "Ohnehin sind Sofort-Implantate in erster Linie beim zahnlosen Unter-und Oberkiefer als Eckpfeiler für einen festen Zahnersatz vorgesehen."

Das sind die Vorteile der Sofort-Implantate für die Zähne

Ein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass die Titan-Implantate auch bei relativ dünnem Knochen in vielen Fällen ohne aufbauende Maßnahmen eingesetzt werden können. "Sie sind so konstruiert, dass sie auch schräg in den Kiefer implantiert werden können. Damit lassen sich anatomische Problemzonen wie dünne Knochenareale, Kieferhöhle und Nervenbahnen umgehen."

Die meisten wissen eher wenig über die Zähne und Zahngesundheit. Wissen Sie zum Beispiel, warum die Pflege der Milchzähne so wichtig ist und ob Karies ansteckend ist? Entdecken Sie interessante Fakten zu unseren Zähnen.

Wie werden die Zahnimplantate eingesetzt?

Hat sich zum Beispiel ein Frontzahn durch einen Unfall verabschiedet oder ist stark beschädigt, wird er meist in örtlicher Betäubung gezogen. In sein Zahnfach bis hinunter in den Kiefer bohrt der spezialisierte Zahnarzt ein passgenaues "Loch", in dem ein Sofort-Implantat verankert wird. In einem Rutsch wird die künstliche Zahnwurzel noch am selben Tag mit einem aufschraubbaren Pfosten und einer individuell angefertigten, provisorischen Krone aufgebaut. Diese Konstruktion kann sofort belastet werden. Drei Monate nach der Einheilung des Implantats wird die finale Krone angepasst.

Etwas aufwendiger ist die Implantat-Versorgung eines zahnlosen Kiefers. "Meist unter Vollnarkose werden in den Oberkiefer rund sechs, in den Unterkiefer durchschnittlich vier Zahnimplantate gesetzt. Auf ihnen verschraube ich die langzeitprovisorischen Brücken, die der Patient ebenfalls noch am selben Tag belasten kann", betont Dr. Spanka. "Nach rund drei Monaten wird die endgültige Brücken-Konstruktion angepasst."

Implantate brauchen gewissenhafte Pflege

Um Infektionen und Knochenschwund zu vermeiden, ist eine gewissenhafte tägliche Pflege auch mit Zahnseide und Interdentalbürste sowie eine halbjährliche, professionelle Zahnreinigung ein absolutes Muss. Dr. Spanka: "Wird das minutiös eingehalten, liegt die Verlust-Rate eines Implantats bei nur 2,8 Prozent."

Gepflegt werden sollten die Zahnimplantate aber genauso wie die echten Zähne. Beim Thema Zahnseide scheiden sich die Geister, für viele gehört sie jedoch zur täglichen Routine. Doch was bringt Zahnseide wirklich?

Zahnimplantat: Diese Kosten kommen auf sie zu

  • Wie herkömmliche Implantate kosten auch die Sofort-Systeme jeweils ca. 3000 Euro.
  • Gesetzliche Krankenkassen gewähren befundabhängige Festzuschüsse. Deshalb unbedingt vor Behandlungsbeginn den Heil- und Kostenplan einreichen – auch bei privaten Versicherungen.
  • Ob die Zusatzversicherung zahlt, hängt von der abgeschlossenen Police ab. Auch hier vor Behandlungsbeginn unbedingt nachfragen.

Wissenswertes zum Thema und erfahrene Implantologen finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Implantologie.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 51.

Sie können Ihre Zähne auch ohne Zahnimplantate schon vorher schützen, etwa mit diesen 10 Nahrungsmitteln, die den Zähnen gut tun.

Seite