04.04.2019

Die grüne Gefahr Heuschnupfen: Ursachen, Symptome und Therapie

"Bloß nicht pusten!" Heuschnupfen-Allergiker reagieren wortwörtlich allergisch auf bestimmte Pollen-Arten.

Foto: iStock/cvsx

"Bloß nicht pusten!" Heuschnupfen-Allergiker reagieren wortwörtlich allergisch auf bestimmte Pollen-Arten.

Wenn der Wind wieder Pollen von Gräsern und Bäumen durchs Land trägt, laufen überall die Nasen vieler Geplagter. Heuschnupfenzeit kann lange dauern. Hier lesen Sie alles über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Pollinosis.

Dabei grünt es doch draußen so schön! Aber er. Er quält uns. Er ist der ständige Begleiter von vielen von uns, sobald es draußen wärmer wird. Der Endgegner: der Heuschnupfen. Und Betroffene leiden gefühlt von Jahr zu Jahr mehr darunter – sagen sogar Forscher. Wo er herkommt, wie er sich bemerkbar macht und was Sie tun können: Lesen Sie hier weiter.

Der Heuschnupfen: Warum gibt es ihn?

Der Heuschnupfen ist eine klassische Allergie, also eine Überreaktion des Körpers auf bestimmte Stoffe. Mit diesen Fremdstoffen sind über die Blütezeit hinweg diverse Pollen von Gräsern, Getreiden, aber auch Bäumen und Büschen gemeint – und die Blütezeit kann lang sein. Denn es ist nicht nur eine Art von Pollen, die diese Überempfindlichkeit auslösen kann, sondern gleich mehrere, deren Flug sich über das ganze Jahr zieht. Medizinisch gesehen ist der Heuschnupfen eine Entzündung der Nasenschleimhaut, bedingt durch die allergische Reaktion. Wer unter einer Pollenallergie leidet, reagiert mit geschwollenen Augen, laufender Nase und gereizten Atemwegen, in schlimmen Fällen kann es auch zum allergischen Schock kommen. Aber warum ist das so?

Das Immunsystem reagiert bei Pollenallergie, sogenannter Pollinosis, mit einer Fehlreaktion auf bestimmte Eiweiße, die von vom Wind bestäubten Pflanzen stammen. Diese Pollen werden nämlich durch die Luft transportiert und landen so auch in unseren Augen und Atemwegen.

Auslöser können folgende Pflanzenarten sein:

  • Gräser und Getreide wie Roggen: Blütezeit von April bis September
  • Bäume wie Birke, Erle und Weide: Blütezeit von März bis Mai
  • Sträucher wie der Haselstrauch: Blütezeit von Februar bis April
  • Kräuter wie Ambrosia oder Beifuß: Blütezeit etwa von Juli bis September

Allergiker reagieren meist gegen eine bestimmte Pollenart allergisch, manchmal aber auch gegen mehrere. Da alle diese Pflanzen zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr blühen, treten Allergien auch zu verschiedenen Zeiten auf.

Gegen die Eiweiße in den Pollen bildet unser Körper nun sogenannte IgE-Antikörper, sobald die Pollen das erste Mal in unseren Körper gelangen. Treffen nun wieder Pollen auf Schleimhäute, fangen diese Antikörper an, sich an Mastzellen, ebenfalls Abwehrzellen, zu binden. Diese Mastzellen schütten dann Histamine aus – Entzündungs-Botenstoffe. Und diese Histamine wiederum sind für Allergie-typische Beschwerden verantwortlich. Denn sie bringen unter anderem Blutgefäße dazu, sich zu weiten, wodurch Nasenschleimhaut oder Augenbindehaut sich röten und anschwellen. Die Bronchien dagegen verengen sich. Gleichzeitig gelangen mehr Abwehrzellen, herbeigerufen durch die Histamine, in diese Körperregionen, was wiederum zu Entzündungen führt.

Zudem kann es bei Pollen-Allergikern noch zu sogenannten Kreuzallergien kommen – sie reagieren dann auch auf bestimmte Nahrungsmittel, die ähnliche Allergene beinhalten.

Warum genau das alles so passiert, ist noch nicht hundertprozentig erforscht. Vererbung spielt eine Rolle, ebenso aber die umgebenden Umweltbedingungen.

Kurz gesagt: Unser Körper reagiert bei Allergien – und das ist bei allen Allergien der Fall – mit einer Abwehrreaktion, die so nicht sein sollte. Zum Glück gibt es diverse Hilfen gegen Pollinosis, die je nach Schwere der Allergie helfen oder zumindest die Symptome lindern können.

Mehr zum Thema Allergien, was im Körper passiert und was Sie tun können, finden Sie hier.

Heuschnupfen-Symptome: So reagiert der Körper

Wer eine akute Erkältung ausschließen kann, aber ständig niesen oder aufgrund laufender Nase schneuzen muss – vielleicht tatsächlich schon über Jahre hinweg zu einer bestimmten Jahreszeit –, könnte den Heuschnupfen verantwortlich machen.

Andere Symptome sind Kribbeln in der Nase oder in den Augen sowie geschwollene, tränende Augen bis hin zur Bindehautentzündung. Auch Juckreiz, gerade im Bereich der Augen, kann auftreten. Aber auch ein Kratzen im Hals kann hinzukommen. Atmen fällt insgesamt schwerer.

Durch die ständigen Reize kann die Nase zudem überempfindlich werden gegen Kälte oder bestimmte Gerüche und Tabakrauch.

Sind die Symptome sehr stark, setzt das dem Körper zu, wodurch sich noch eine unterschiedlich ausfallende Müdigkeit über den Tag hinweg dazugesellen kann.

Heuschnupfen-Diagnose: So wird die Pollinosis festgestellt

Wer eine Pollinosis vermutet oder unter den oben genannten Symptomen leidet, fragt sich natürlich: "Wo kommt das her?" Erbliche Veranlagung kann eine Rolle spielen – so lassen sich schon einmal bestimmte Auslöser einschließen. Um zweifelsfrei festzustellen, welche Allergene verantwortlich sind, sollte aber ein Arzt bzw. Allergologe zur Beratung hinzugezogen werden. Dieser kann beispielsweise mit dem sogenannten Pricktest auf Reaktionen prüfen. Dabei bekommt der Patient kleine Mengen verschiedener Allergene in Lösung auf den Unterarm auf leicht angeritzte Stellen geträufelt. Bilden sich bei einem Allergen Rötungen und Quaddeln, ist der Patient dagegen allergisch.

Heuschnupfen sollte behandelt werden

Wenn Sie Symptome bei sich entdecken und positiv auf Allergene getestet werden, sollten Sie Ihren Heuschnupfen auf jeden Fall therapieren. Denn eine unbehandelte Pollinosis kann weitere Allergien herbeirufen oder ein allergisches Asthma auslösen. Dann kommen Probleme der unteren Atemwege hinzu: Husten, Giemen (pfeifendes Geräusch beim Ausatmen) und Atemprobleme.

Behandeln lässt sich Heuschnupfen am besten mit drei Therapiearten, die auch kombiniert werden sollten:

  • Karenz: Sie vermeiden das Allergen. Das ist nicht immer so einfach, bedeutet es doch unter Umständen, dass Sie zeitweise das Haus nicht verlassen und auch nicht lüften können. Zudem sind Blütenpollen mit bloßem Auge schwer bis gar nicht zu erkennen. Meiden sollten Sie aber auf jeden Fall blühende Wiesen und Wälder, je nachdem welche Allergene Ihnen zu schaffen machen. Lüften können Sie direkt nach einem starken Regen. Halten Sie zudem die Wohnung sauber: also Oberflächen regelmäßig feucht abwischen, staubsaugen (auch Polstermöbel!) und Bettwäsche oft wechseln. Außerdem hilft abends duschen. Auch Luftreiniger und Pollenfilter verschaffen Linderung.
  • Medikamentöse Behandlung: Es gibt diverse Augen- und Nasentropfen sowie Sprays und Tabletten, die die Histaminbildung hemmen (sogenannte Antihistaminika) und die Schleimhäute pflegen und beruhigen.
  • Hyposensibilisierung: Mit dieser Immuntherapie soll die Überempfindlichkeit reduziert werden, sodass die Reaktionen insgesamt schwächer werden und sogar irgendwann ausbleiben. Dabei wird das Immunsystem mit Tabletten oder Spritzen über drei Jahre hinweg an das Allergen gewöhnt und reagiert nicht mehr über.

Zudem gibt es ein paar Tricks und Hausmittel gegen Heuschnupfen, mit denen sich akute Phasen zumindest abschwächen lassen. Allerdings sollten Sie niemals nur auf Hausmittel vertrauen und gerade bei schweren Beschwerden immer einen Arzt zurate ziehen, um eben nicht auch noch andere Allergien oder Beschwerden auszulösen.

Experte warnt: Heuschnupfen-Allergien werden häufiger und heftiger

Zum Thema Heuschnupfen hat Christine Böhringer von BILD der FRAU außerdem mit dem Sprecher des Allergie Centrums der Charité Berlin und Leiter der Europäischen Stiftung für Allergieforschung, Prof. Dr. Torsten Zuberbier, gesprochen. Er erklärt, warum immer mehr Menschen in Deutschland – aktuell übrigens rund 15 Millionen – an Heuschnupfen leiden und warum die von Jahr zu Jahr mehr zu kämpfen haben.

Herr Prof. Zuberbier, nehmen Pollenallergien in Deutschland zu?

"Ja, in den letzten Jahrzehnten sind Pollenallergien nicht nur häufiger, sondern auch heftiger geworden. So kommt es mittlerweile bei jedem zweiten Patienten zu Kreuzreaktionen mit Lebensmitteln. Was wir auch feststellen: dass immer mehr Menschen mit 60 oder 70 Jahren erstmals eine Allergie entwickeln."

Klimawandel, Umweltverschmutzung und eingeschleppte Pflanzen sind die Übel

Woran liegt das?

"Der Klimawandel beschert Pflanzen besseres Wetter, sie blühen früher und länger, dadurch hat sich der Pollenflug verstärkt und die Heuschnupfen-Saison dauert länger. Auch Umweltverschmutzung spielt eine Rolle. So produzieren Pflanzen bei einem höheren Kohlendioxid-Gehalt in der Luft deutlich mehr Pollen – wir düngen sie also regelrecht mit unseren Autoabgasen. Ruß und Feinstaub können darüber hinaus die Zusammensetzung der Pollen verändern und diese aggressiver machen. Sie reizen das Immunsystem stärker. Außerdem erhöhen eingeschleppte Pflanzen die Zahl der Allergiker."

Welche dieser Pflanzen machen am meisten Probleme?

"Die Ambrosia-Pflanze ist sehr unangenehm. Sie produziert bis zu einer Milliarde Pollen und diese rufen schon in Konzentrationen mit nur zehn Pollen pro Kubikmeter Luft heftige Allergie-Reaktionen hervor. Sorgen bereiten uns zudem die Japanische Zeder oder Olivenbäume als Trendpflanzen in Cafés und Gärten: In ihren Heimatländern gehören sie zu den häufigsten Allergenen. In Berlin beobachten wir, dass schon zehn Prozent der Menschen auf Olivenpollen reagieren."

Heuschnupfen und andere Allergien nicht als Bagatelle abtun

Was hilft?

"Wichtig ist, sie nicht als Bagatelle abzutun und immer zu behandeln. Wer nichts tut, läuft Gefahr, dass sie von Jahr zu Jahr schlimmer wird. In 40 Prozent der Fälle greift sie sogar als Asthma auf die unteren Atemwege über. Tabletten zur Unterdrückung der Symptome sollten dabei schon früh genommen werden: Auch, wenn in der Luft noch keine Pollen gemessen werden, können Bäume bereits Allergene absondern. Langfristig hilft eine Hyposensibilisierung."

Wo steht die Forschung?

"Verbesserungen wird es in Zukunft vor allem bei der Hyposensibilisierung geben. Die ist heute nicht in allen Fällen erfolgreich, da jeder Betroffene ein unterschiedliches Allergenmuster hat. Forscher arbeiten daher daran, maßgeschneiderte Extrakte zu entwickeln. Sie sollen zudem mit neuen Molekülen kombiniert werden, die die Toleranz des Immunsystems gegenüber dem Allergen weiter erhöhen."

Heuschnupfen lässt sich also bekämpfen und zumindest eindämmen. Lassen Sie sich am besten testen. Dann lohnt sich ein Blick auf den Pollenflugkalender. So sehen Sie die stärksten Pollenflüge in Ihrer Region und können entsprechend Maßnahmen ergreifen.

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Sollten Sie öfter unter Halsschmerzen leiden oder doch eine akute Erkältung im Anflug sein, schauen Sie auf unsere Themenseiten.

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