18.07.2019

Gefährliche Krankheit Impf-Gesetz auf dem Weg: Gegen Masern besteht bald Impfpflicht!

Sie ist ab 2020 Pflicht: Die Masern-Impfung muss für Kita- und Schulkinder sowie für Personal in Kitas, Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen bald nachgewiesen werden.

Foto: imago images/Christian Ohde

Sie ist ab 2020 Pflicht: Die Masern-Impfung muss für Kita- und Schulkinder sowie für Personal in Kitas, Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen bald nachgewiesen werden.

Nachdem sich in den vergangenen Jahren immer wieder Meldungen zu Masern-Epidemien gehäuft hatten, stand eine hoch umstrittene Impf-Pflicht im Raum. Die soll jetzt gesetzlich bestätigt werden. Was das bedeutet und warum Impfen im Fall dieser Virenerkrankung so wichtig ist.

Eigentlich sind sie als Kinderkrankheit bekannt, doch auch Erwachsene können erkranken. Und eigentlich galten die Masern dank Impfstoff zwar nicht als ausgerottet, aber zumindest stark reduziert. In den vergangenen Jahren aber waren die Krankheitsfälle wieder rasant angestiegen. Liegt das an zu wenigen Masern-Impfungen? Debattiert wurde daher immer häufiger an einer Masern-Impfpflicht. Und die soll nun kommen.

Nach explodierten Infektionszahlen: Masern-Impfungen werden Pflicht!

Sie sind zurück in Europa: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits bestätigt, dass die Zahl der Masern-Fälle in unseren Breitengraden im Jahr 2017 erneut gestiegen war – um ganze 400 Prozent. Demnach hätten sich mehr als 21.000 Menschen angesteckt, 35 seien sogar am Virus gestorben.

Und auch 2018 konnte sich die Lage nicht verbessern – im Gegenteil. Man sprach sogar von zehnmal so vielen Masern-Fällen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Besonders in der Ukraine hatten die Menschen mit der Viruserkrankung zu kämpfen, aber auch in Deutschland häuften sich die Fälle. Zwar wurden nach Angaben der WHO in Europa mehr Kinder gegen Masern geimpft als je zuvor, dennoch sind die Zahlen erneut explodiert. So wurden 2018 sogar 82.596 Masern-Fälle gemeldet – 15-mal mehr als noch 2016!

"Das ist eine Tragödie, die wir nicht akzeptieren können", so WHO-Regionaldirektorin Zsuzsanna Jakab. Denn eigentlich sind Masern eine Krankheit, die mit Impfungen gut im Zaum gehalten werden kann.

Das Bundeskabinett hat daher nun ein Gesetz für eine Impfpflicht gegen Masern auf den Weg gebracht – nur der Bundestag muss noch zustimmen.

Ab 2020: Impfpflicht bis zum Kita- und Schulstart

Im März 2020 soll es losgehen: Ab dann sind Eltern dazu verpflichtet, eine Masern-Impfung ihrer Kinder vorzuweisen, sobald diese in eine Kita oder in die Schule kommen. Gleichzeitig gilt die Impfpflicht auch für Tagesmütter und Kita-Personal, für Mitarbeiter in Schulen sowie in medizinischen Bereichen und Gemeinschaftseinrichtungen. Wer dagegen verstößt, muss mit Bußgeldern bis 2500 Euro rechnen. Kitas dürfen ungeimpfte Kinder zudem nicht mehr aufnehmen.

Sind Kinder bereits in einer Kita oder Schule angemeldet, aber noch nicht geimpft, muss dies bis 31. Juli 2021 nachgeholt und nachgewiesen werden. Das gilt auch für das dort arbeitende Personal für Kitas, Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen – zu denen übrigens auch Flüchtlingsunterkünfte zählen.

Als Nachweis werden der Impfausweis, das gelbe Kinderuntersuchungsheft oder ein ärztliches Attest, aus dem hervorgeht, dass man bereits die Masern hatte, gestattet.

Kinder sollen vor Masernansteckung bewahrt werden: Das Problem mit der Impfquote

Zwar sind die Masernerkrankungen nach 927 Fällen im Jahr 2017 im vergangenen Jahr auf 543 Fälle zurückgegangen. Dennoch – 400 davon traten in den ersten Monaten des Jahres auf, auch hierzulande kann sich die Krankheit also noch häufen.

Die Impfquote ist zwar in den letzten Jahren vor allem in Deutschland gestiegen, oft wird aber die zweite Impfung verpasst – etwa, weil nicht in den Impfpass geschaut wird. Eine Masern-Impfung ist zweigeteilt: Die erste Impfung konnten 2017 bundesweit 97,1 Prozent der Schulanfänger nachweisen, die zweite nur noch 92,8 Prozent. Damit Masern in Deutschland endgültig als eliminiert gelten, müssen aber über 95 Prozent aller Menschen mit beiden Impfungen versorgt sein – und dazu zählen dann auch alle Erwachsenen. Für genaue Zahlen fehlen hier aber laut Robert Koch Institut die nötigen Daten.

Allerdings steigt seit Jahren auch die Zahl der Impfkritiker, die Masern als harmlose Kinderkrankheit abtun und die Impfung für unnötig oder gar gefährlich hielten. Das wiederum verunsichert andere Eltern.

Alte Studie zur Impfung hält sich hartnäckig

Ausschlaggebend für viele Kritiker ist eine alte, mittlerweile zurückgezogene Studie, die behauptet hatte, dass der Dreifach-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln Autismus auslöse. Mittlerweile ist klar, dass diese Studie nicht haltbar ist. Immer wieder werden repräsentative Großstudien gemacht, die beweisen, dass die MMR-Impfung keinen Autismus hervorruft. Und doch hält sich die Angst hartnäckig. Dabei sollte die Angst vor Masern und ihren schlimmen Folgeerkrankungen weitaus größer sein. Denn harmlos sind Masern nicht, weder für Kinder, noch für Erwachsene. Auch Spätfolgen können fatal sein, so etwa die chronische Masern-Gehirnentzündung SSPE, die meist tödlich verläuft. Auch in Deutschland ist im Mai 2017 eine 37-Jährige an Masern gestorben.

Die erste Masern-Impfung empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) bei Säuglingen ab dem 11. Monat. Gerade vor dieser Zeit sind Kleinstkinder aber anfällig. Allerdings greift im ersten Lebensjahr der sogenannte Nestschutz: Wenn die Mutter selbst geimpft worden ist und Antikörper im Mutterleib an das Kind weitergibt.

Welche Impfungensollte jeder Erwachsene haben? Sie erfahren es im Video:

Diese Impfungen sollte jeder Erwachsene haben

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