16.02.2018

Unnötiges Verschreiben? Antibiotika bei Bronchitis: Vorsicht vor Resistenzen!

Von

Häufig wird Antibiotika bei Bronchitis völlig unnötig verschrieben. Lesen Sie hier über die Risiken.

Foto: iStock/Tijana87

Häufig wird Antibiotika bei Bronchitis völlig unnötig verschrieben. Lesen Sie hier über die Risiken.

Setzt sich eine Erkältung als Bronchitis fest, verordnen viele Ärzte Antibiotika. Manchmal zu recht, zu oft aber unnötig. Häufig werden die Mittel auch noch viel zu lange genommen. Das kann schlimme Folgen haben. Erfahren Sie hier mehr!

Es beginnt mit Schnupfen. Später dringen Erreger in die Bronchien ein. Wir husten, es schmerzt in der Brust. Um schnell gesund zu werden, gehen Betroffene zum Arzt. Und der verordnet häufig ein Antibiotikum bei Bronchtis. Das kann aber zu Problemen, gar Resistenzen führen.

Antibiotikum bei Bronchtitis wirkungslos

Das Problem: "Unkomplizierte Atemwegsinfekte, zu denen die Bronchitis gehört, sind in über 90 Prozent der Fälle viral bedingt", sagt Prof. Dr. Peter W. Gündling, Studiendekan für Naturheilkunde und komplementäre Medizin an der Hochschule Fresenius Idstein. "Weil Antibiotika Bakterien abtöten, macht ihre Einnahme bei Bronchitis also in der Regel keinen Sinn."

Warum verschreiben Ärzte dann Antibiotika?

"Ein Grund ist, dass sie eine bakterielle Superinfektion vermeiden wollen", sagt der Facharzt für Allgemeinmedizin. Die kann entstehen, wenn der Schleim in den Bronchien zäher wird und sie nicht mehr gut belüftet werden. Dann können (!) sich zusätzlich Bakterien festsetzen. Eine Lungenentzündung kann folgen. "Früher haben Ärzte deshalb vorsorglich Antibiotika gegeben. Das sollte man heute nicht mehr machen", sagt Prof. Gündling. "Es gibt andere Möglichkeiten, eine bakterielle Superinfektion zu vermeiden. Etwa mit Phytotherapie."

Wir haben Ihnen zusätzlich sieben wichtige Fakten zu Antibiotika zusammengestellt, die Sie unbedingt wissen sollten.

Hohes Resistenz-Risiko: Notwendigkeit erkennen

Richtig eingesetzt, retten Antibiotika Leben – nämlich bei bakteriellen Krankheiten wie der Tuberkulose oder eben der Lungenentzündung. Weil sie aber auch unnötig und zu häufig eingenommen werden, wirken die Mittel oft nicht mehr. Bakterien werden resistent gegen sie.

Früher galt, dass Antibiotika bis weit über die Heilung hinaus eingenommen werden muss. Laut neuerer Studien ist das veraltet: Kürzere Gaben können demnach Resistenzen mindern. "Oft genügt die kurze Einnahme, aber es kommt auf das Antibiotikum und die Erkrankung an", so Prof. Gündling.

Das sollte mit dem behandelnden Arzt geklärt werden. Wichtiger als die Einnahmedauer zu reduzieren, sei, die Verschreibungen einzudämmen. "Bevor ich ein Antibiotikum verordne, mache ich stets ein Blutbild", sagt er. Daran erkennt er, ob eine bakterielle Infektion vorliegt.

Zur Senkung der Antibiotikaverordnungen soll das neue Modellprojekt "RESIST" beitragen. Vom Verband der Ersatzkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen ins Leben gerufen, sollen Ärzte und Patienten zum bewussteren Umgang mit Antibiotika bei Atemwegsinfekten angeregt werden. Bisher nehmen 3000 Ärzte teil, die geschult wurden.

Pflanzliche Alternativen zu Antibiotika

Für viele Pflanzenextrakte ist wissenschaftlich belegt, dass sie antiviral und antibakteriell wirken. Dazu gehört die Pelargonie. Ihr Wurzelextrakt (z. B. Umckaloabo, Apotheke) soll außerdem das Immunsystem unterstützen und schleimlösend wirken. Zusätzlich empfiehlt der Allgemeinarzt und Naturheilkundler Prof. Gündling Tees und Inhalationen mit Thymian oder Kamille, Brustwickel und temperaturansteigende Fußbäder. Entdecken Sie bei uns auch zehn wirksame pflanzliche Antibiotika, die bei Infektionskrankheiten – u. a. Fieber, Husten, Nasennebenhöhlen-, Blasen-, Mandel- und Mittelohrentzündungen – helfen können.

Entdecken Sie außerdem tolle Tipps, die einer Erkältung vorbeugen und einen Infekt ganz schnell besiegen, wenn es Sie doch einmal erwischt.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 1.

Seite