29.01.2018 - 15:16

Ursachen und was hilft Durchfall bei Kindern: Was Eltern wissen sollten!

Von Monika Preuk und Marie-Theres Jung

Durchfall der Kleinsten: Für Eltern und Kinder eine Belastungsprobe.

Foto: GettyImages/ Anastasiia Krivenok

Durchfall der Kleinsten: Für Eltern und Kinder eine Belastungsprobe.

Wenn Durchfall unsere Kleinsten plagt, muss schnelle Hilfe her. Wir geben Tipps, wie Sie Ihrem Kind bei akutem Durchfall helfen können und zeigen mögliche Ursachen.

Akuter Durchfall ist bei Babys und Kleinkindern keine Seltenheit, da sich ihr Immunsystem im Darm mit vielen Erregern erstmals auseinandersetzen muss. Auch ihre Darmflora befindet sich noch in der Entwicklung und ist in den ersten Lebensmonaten noch nicht vollständig ausgeprägt. Viren und andere Krankheitserreger haben ein leichtes Spiel! Wie Sie Durchfall bei Kindern erkennen, vorbeugen und behandeln.

Rotaviren: Die häufigste Ursache für Durchfall bei Kindern

Laut dem RKI erkranken Kleinkinder zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem zweiten Lebensjahr besonders häufig. Damit sind Rotaviren der Hauptauslöser für Durchfall bei Kindern. Grund dafür ist die noch fehlendende Immunität gegen diese Viren, welche sich erst nach mehreren Infektionen ausreichend aufbaut. Doch auch Erwachsene können sich mit dem Virus anstecken – bei ihnen verläuft die Erkrankung meistens milder und ist üblicherweise nur für chronisch Kranke und ältere Menschen riskant.

Achtung, hohe Ansteckungsgefahr! Schon ein winziges Tröpfchen infizierte Speichelflüssigkeit oder Fäkalien reicht, damit sich der Virus verbreiten kann. Die Ansteckung erfolgt per Schmierinfektion z.B. auf einem Spielzeug im Kindergarten. Doch auch kontaminierte Flüssigkeiten oder Lebensmittel können die Durchfallerkrankung bei Kindern hervorrufen. Nach ein bis drei Tagen Inkubationszeit können erste typische Symptome auftreten.

Nach etwa zwei bis sechs Tagen klingen die Symptome langsam ab. Doch auch noch einige Tage danach, kann eine Ansteckung über den Stuhl oder Speichel erfolgen.

Anzeichen für eine Durchfallerkrankung durch Rotaviren:

  • Erbrechen und Durchfall setzen plötzlich und heftig ein
  • Durchfall ist wässrig
  • Häufige Brechdurchfall-Attacken
  • Erschöpfung durch Brechdurchfall-Attacken
  • Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe
  • leichtes Fieber (Fieberkrampf: Was tun im Notfall?)

Nicht immer sind Rotaviren die Ursache für Durchfall bei Säuglingen und Kleinkindern. Rein symptomatisch ist es kaum möglich, Rotavirus-Infektionen von anderen infektiösen Durchfällen abzugrenzen.

Norovirus: Nicht nur für Kinder gefährlich

Der Norovirus ist eine weitere, nicht bakterielle Ursache für Durchfall bei Kindern. Bis zum fünften Lebensjahr ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch, doch auch Erwachsene können sich infizieren. Die Übertragung der Viruserkrankung erfolgt ebenfalls über kontaminierte Flächen, Speisen und Getränke. Bereits sechs bis 50 Stunden nach Viruskontakt können erste Symptome auftreten.

Anzeichen für eine Durchfallerkrankung durch Noroviren:

  • Übelkeit/starkes Erbrechen
  • Starke Durchfälle
  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Erhöhte Temperatur (selten Fieber)

Besonders lange Ansteckungszeit! Zwar klingen die Symptome bereits nach 12 bis 48 Stunden wieder ab, jedoch besteht ein Ansteckungsrisiko auch noch bis zu 14 Tagen nach der Norovirus-Infektion. Daher gilt: Gründliches Händewaschen und regelmäßige Hygiene der Sanitäranlagen, um eine Ansteckung der gesamten Familie zu vermeiden.

Weitere Auslöser für Durchfall bei Säuglingen und Kleinkindern

Neben viralen Infektionen gibt es noch eine Vielzahl anderer Ursachen für Durchfall bei Kindern. Mögliche Auslöser können beispielsweise folgende sein:

  • Infektion mit Bakterien (E. coli)
  • Ernährung (z. B. abführend wirkende Fruchtsäfte, ballaststoffreiche Ernährung)
  • Lebensmittelvergiftung
  • Probleme beim Abstillen (Abstilldyspepsie)
  • Einnahme von Antibiotika (Antibiotika-assoziierter Diarrhö)
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. )
  • Nahrungsmittelallergie (z. B. Allergie auf Weizen)

Wann sollte man zum Arzt? Wenn Kinder unter zwei Jahren Durchfall haben, sollte grundsätzlich ein Arzt aufgesucht werden. Ein starker Flüssigkeitsverlust kann hier schnell gefährlich werden. Auch mit älteren Kindern sollten Sie zu einem Arzt gehen, wenn die Durchfälle länger als zwei Tage anhalten, häufig wiederkehren oder mit Blutbeimengungen oder Fieber einhergehen.

Warum kann Durchfall schnell gefährlich werden?

Für Säuglinge und Kleinkinder bis zum zweiten Lebensjahr kann Durchfall bereits nach wenigen Stunden lebensbedrohlich werden. Durch den wässrigen Stuhl verlieren sie neben großen Mengen Wasser auch wichtige Mineralstoffe wie beispielsweise Natrium und Kalium. Der Verlust dieser lebenswichtigen Elektrolyte kann dazu führen, dass der Körper sehr schnell austrocknet. Dehydrierung droht – was dagegen wirklich hilft!

Anzeichen für Flüssigkeitsmangel Ihres Kindes1:

  • Trockene Schleimhäute, z.B. Mund
  • Hautfalten verstreichen verlangsamt, fehlende Spannung
  • Schläfrigkeit
  • Tiefe Atmung
  • Verminderte Urinausscheidung (Achtung: bei Säuglingen unverändert)

Wie kann man das Kind vor Dehydrierung schützen?

Das wichtigste während eines starken Durchfalls ist die Zufuhr von Flüssigkeit. Eltern können so den Waser- und Elektrolythaushalt ihres Kindes ins Gleichgewicht bringen. Wenn das Kind selbstständig nicht genügend Flüssigkeit aufnimmt, können bereits fertige Trinklösungen mit Salzen und Traubenzucker (Glukose) aus der Apotheke für den optimalen Ausgleich sorgen.

Achtung: Bitte beachten Sie genau die Empfehlungen auf dem Beipackzettel, um das richtige Verhältnis zwischen Salzen, Wasser und Zucker herzustellen!

Kinder sollten den abgeschätzten Flüssigkeitsverlust innerhalb von drei bis vier Stunden in Form einer oralen Rehydrationslösung (ORL) erhalten. Das entspricht bei Kleinkindern meist 40 –50 mL/kg Körpergewicht. Ihr Arzt oder Apotheker wird Sie entsprechend beraten.

Bei gleichzeitigem Brechreiz sollten Sie die empfohlene Menge auf mehrere Teelöffel-Portionen verteilen und alle zwei Minuten verabreichen – um eine weitere Brech-Attacke zu verhindern. Wenn das Kind nicht trinken will? Tipp: Mithilfe eines bunten Strohhalmes lassen sich Kinder spielerisch zum Trinken animieren!

Nicht alle Durchfallmittel sind für Kinder unter 12 Jahren zugelassen und in der Apotheke frei verkäuflich. Doch Mittel, die auf Arznei-Hefe Saccharomyces boulardii basieren, schon. Sie sind auch für Kinder gut verträglich. Die enthaltene Arznei-Hefe bindet die Durchfallerreger und hilft so, diese aus dem Körper auszuscheiden. Die Verdauung kann sich normalisieren und der Flüssigkeitsverlust wird reduziert. Dabei wird gleichzeitig auch die Regeneration der Darmflora unterstützt. Und das, ohne jegliche Auswirkung auf die natürliche Darmbewegung. Arznei-Hefe eignet sowohl zur Behandlung im Akutfall und als auch zur Vorbeugung von Reisedurchfall.

Ab wann darf das Kind wieder essen – und was?

Damit sich der Darm regenerieren kann, braucht das Kind Nährstoffe. Säuglinge sollten Sie weiterhin mit ihrer gewohnten Muttermilch oder Flaschennahrung füttern. Auch Kleinkinder sollten weiter ihre altersgemäße Kost erhalten, solange keine Dehydrierung vorliegt. Nach der Gabe einer Trinklösung zur Rehydrierung sollten nicht gestillte Kinder circa vier (bis sechs) Stunden nach Beginn der Rehydration wieder mit gewohnter Kost anfangen. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach.

Für ältere Kinder mit leichteren Durchfällen können die üblichen Ernährungstipps bei Durchfall angewendet werden. Geeignet sind beispielsweise stärkehaltige Produkte wie Nudeln, Breie, Kartoffeln, Brot oder Zwieback. Auch Fett ist entsprechenden Mengen erlaubt. Tabu sind: Stark zuckerhaltige Speisen und Getränke wie Säfte oder Softdrinks – sie entziehen dem Körper noch mehr Flüssigkeit.

Wie kann man Durchfallerkrankungen vorbeugen?

Stillen: Muttermilch ist für Säuglinge besonders wertvoll – und kann das Kind sogar vor manchen Krankheiten bewahren. Es unterstützt das kindliche Immunsystem und verbessert so unter anderem dem Schutz vor Magen-Darm-Infekten.

Hygiene beachten: Die häufigsten Auslöser für Durchfall sind Viren und Bakterien. Diese Erreger werden häufig über kontaminierte Gegenstände oder Speisen übertragen. Abhilfe schafft regelmäßiges Händewaschen nach jedem Toilettengang und vor dem Essen. Auch in der Küche ist Vorsicht geboten: Jegliches Fleisch sollte durchgebraten und eierhaltige Gerichte am selben Tag verzehrt werden. Sonst droht eine Ansteckung mit fiesen Durchfall-Bakterien.

Impfung gegen Rotaviren: Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts (RKI) empfiehlt die Rotavirus-Impfung für Säuglinge unter sechs Monaten. Dabei handelt es sich um eine Schluckimpfung, die im Abstand von mindestens vier Wochen vom Kinderarzt verabreicht wird. Die Wirkung der Schutzimpfung beträgt laut RKI mehr als 90 Prozent.

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Durchfall, Verstopfung oder alles im Gang: Wie oft auf's Klo gehen ist eigentlich normal? Ein wässriger Stuhl kann viele Auslöser haben. Wie sie Brechdurchfall (Gastroenteritis) auch bei Erwachsenen behandeln.

Mehr zum Thema Diarrhö und was dagegen hilft erfahren Sie auf unserer Themenseite #NatürlichGegenDurchfall.

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Quellen:

1Posovszky C, Buderus S, Claßen M, Lawrenz B, Keller KM, Koletzko S: Akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings- und Kindesalter. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 615–24

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