22.01.2018

Liquid Biopsy Neuer Bluttest soll 8 Krebsarten aufspüren

Krebs-Früherkennung durch Blutabnahme würde die Medizin revolutionieren.

Foto: imago/Westend61

Krebs-Früherkennung durch Blutabnahme würde die Medizin revolutionieren.

Amerikanische Forscher haben die Krebs-Früherkennung einen entscheidenden Schritt voran gebracht. Mit dem "Liquid Biopsy"-Bluttest sollen acht verschiedene Krebsarten bereits in frühen Stadien im Blut nachgewiesen werden.

Blutabnahme kann über verschiedenste Dinge Aufschluss geben. Mangel-Erscheinungen, Probleme mit der Schilddrüse, Entzündungswerte – und bald womöglich auch, ob ein Patient Krebs hat oder nicht. Wissenschaftler von der "John Hopkins"-Universität in Baltimore veröffentlichten gerade im Fachjournal "Science" eine Meldung, dass sich mit einem Verfahren namens "Liquid Biopsy" (zu deutsch "Flüssigbiopsie") acht verschiedene Krebsarten in einem frühen Stadium erkennen lassen. Das würde die Krebsvorsorge, die bislang mit häufig unangenehmen Untersuchungen wie Mammographie oder Darmspiegelung einherging, maßgeblich revolutionieren.

"Liquid Biopsy": Krebs-Erkennung dank spezieller Blut-Analyse

Für die Studie an der "John Hopkins"-Universität wurden über tausend an Krebs erkrankten Personen Blut abgenommen und mit dem "Liquid Biopsy"-Verfahren analysiert. Dabei werden selbst kleinste Partikel im Blut aufgespürt, die auf bestimmte Krebserkrankungen hinweisen. Bei 70 Prozent der getesteten Personen konnte auch beim Bluttest Krebs nachgewiesen werden. Folgende Krebsarten können mit dem Test nachgewiesen werden:

  • Brustkrebs
  • Darmkrebs
  • Leberkrebs
  • Lungenkrebs
  • Eierstockkrebs
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • Speiseröhrenkrebs
  • Magenkrebs

Eine solche Form der Diagnose hätte für Betroffene unzählige Vorteile. Die Blutabnahme ist einfach und unkompliziert für den Patienten – kein Vergleich mit manch anderen Untersuchungen. Darüber hinaus könnten Mediziner einige besonders aggressive Krebsarten schon früh entdecken, was die Heilungschancen maßgeblich erhöhen würden. Für Patienten, die bereits eine Krebserkrankung hinter sich haben, könnte ein regelmäßiger Bluttest Aufschluss darüber geben, ob ein Rückfall droht.

Verfahren noch nicht vollkommen ausgereift

Obwohl der bisherige Forschungs-Fortschritt zu "Liquid Biopsy" wirklich vielversprechend ist, sollte man sich noch nicht zu früh freuen. Noch ist das Verfahren nicht ausgereift genug, um tatsächlich zur gängigen Praxis zu werden. Folgende Probleme müssen noch gelöst werden:

  • Laut deutschen Experten sei die Gefahr von irrtümlichen Krebs-Diagnosen sehr hoch. Das könnte zur Verunsicherung der Patienten führen und unnötige Folgeuntersuchungen nach sich ziehen.
  • Nicht in allen Fällen kann die Lage des Tumors durch den Bluttest ausgemacht werden. Für den Patient hieße das: Wissen, dass man Krebs hat, aber nicht, wo sich dieser befindet. Sehr schwierig für die Psyche und die weitere Behandlung.
  • Das Verfahren wurde bislang nur bei Patienten angewandt, bei denen eine Krebserkrankung vorlag. Aber: "Bei einem anerkannten Screeningverfahren muss eine einzelne an Krebs erkrankte Person ohne Symptome aus mehreren Hundert gesunden Personen und Personen mit anderen Erkrankungen korrekt erkannt werden", so heißt die Deutschen Gesellschaft für Pathologie in einer Stellungnahme zum Verfahren.

Für die Forscher aus Baltimore gibt es also noch eine Menge zu tun. Aber ihre Arbeit lässt zweifelsohne auf eine gesündere Zukunft hoffen.

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