24.01.2018

Schilddrüsenentzündung Hashimoto-Thyreoiditis – Symptome, Behandlung und Ernährung

Mit einer Ultraschalluntersuchung können Ärzte eine Hashimoto-Thyreoiditis feststellen.

Foto: iStock/AlexRaths

Mit einer Ultraschalluntersuchung können Ärzte eine Hashimoto-Thyreoiditis feststellen.

Zuerst ist die Schilddrüse chronisch entzündet, später kann sie sogar vollständig versagen. Was vor allem Frauen über Hashimoto wissen sollten.

Die kleine, schmetterlingsförmige Schilddrüse, die im Hals vor der Luftröhre sitzt, leistet für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden Großes: Mit ihren verschiedenen Hormonen steuert sie Wachstum, Stoffwechsel, Kreislauf und nicht zuletzt die Psyche. Und ebenso vielfältig sind die Folgen, wenn die Schilddrüse nicht richtig funktioniert.

Schilddrüsenfunktionsstörungen sind eine Volkskrankheit. Jeder Dritte leidet unter einer Über- oder Unterfunktion, drei bis zehn Prozent der Deutschen unter einer chronischen Entzündung der Schilddrüse, medizinisch Hashimoto-Thyreoiditis.

Hashimoto-Thyreoiditis – zuerst Überfunktion, dann Unterfunktion

Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, das heißt, das Immunsystem greift fälschlicherweise körpereigenes, gesundes Gewebe an – in diesem Fall die Schilddrüse. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer.

Derart attackiert, entzündet sich das Organ und produziert anfangs zu viele Schilddrüsenhormone, es entsteht eine Überfunktion. Unbehandelt erschöpft sich dadurch die Drüse mit den Jahren, schrumpft und arbeitet immer weniger. Eine Schilddrüsenunterfunktion bis zu einem völligen Versagen ist die Folge.

Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis – so vielfältig wie die Funktionen der Schilddrüse

Die Anzeichen der Krankheit entsprechen anfangs denen einer Schilddrüsenüberfunktion, also

  • Gewichtsverlust
  • Nervosität
  • Durchfall
  • Schwitzen
  • Herzklopfen
  • Haarausfall
  • Zittern

In seltenen Fällen kann sich die Schilddrüse auch vergrößern und es bildet sich ein Kropf (Hypertrophe Form der Hashimoto-Thyreoiditis). Meistens geht jedoch die Überfunktion rasch in eine Unterfunktion über, der sogenannten Atrophen Form der Hashimoto-Thyreoiditis, und die Schilddrüse wird immer kleiner. Die Symptome:

  • Müdigkeit
  • Antriebsarmut
  • depressive Verstimmung
  • niedriger Puls
  • Verstopfung
  • Frösteln
  • trockenes Haar
  • niedriger Puls
  • bei Frauen Zyklusstörungen

Jedes dieser Anzeichen sollte, wenn es mehrere Wochen anhält oder immer wieder auftritt, von einem Arzt abgeklärt werden. Mit Blutuntersuchungen und Ultraschall kann er feststellen, wie gut die Schilddrüse arbeitet. Falls es sich um Hashimoto-Thyreoiditis handelt, lässt sich auf diese Weise auch abklären, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist und eine entsprechende Behandlung einleiten. Allerdings gibt es noch keine Behandlung, die sich gegen die Ursache der Krankheit selbst richtet.

Die Ursachen der rätselhaften Schilddrüsenentzündung

Denn, was die genauen Ursachen für diese Autoimmunkrankheit sind, ist immer noch nicht bekannt. Vermutlich gibt es eine genetische Komponente. In manchen Familien tritt die Hashimoto-Thyreoiditis gehäuft auf. Außerdem wird die Entzündung oft nach einem viralen oder bakteriellen Infekt ausgelöst. Fest steht außerdem, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes, Zöliakie, sowie Frauen mit POCS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) ein erhöhtes Risiko haben, die chronische Schilddrüsenentzündung zu bekommen. Der übermäßige Konsum von Jod kann zudem die Hashimoto-Thyreoiditis verstärken.

Die Bezeichnung Hashimoto geht übrigens auf den Entdecker dieser Krankheit zurück, den japanischen Arzt Hakuru Hashimoto (1881 bis 1934).

Behandlung bei Hashimoto-Thyreoiditis

An erster Stelle steht die Behandlung mit Medikamenten. Bei der anfänglichen Überfunktion – welche Symptome und Behandlung bei Morbus Basedow anschlagen, lesen Sie hier – sind das Wirkstoffe, die die Bildung der Schilddrüsenhormone unterdrücken. Diese Mittel heißen Thyreostatika. Später, wenn die Hormonproduktion abnimmt, stehen verschiedene Hormonersatzmedikamente zur Verfügung.

Wichtig dabei: Die Therapie muss einschleichend begonnen werden, also die Dosis sollte anfangs gering sein und sich dann langsam steigern. Damit werden mögliche Nebenwirkungen gering gehalten und der Stoffwechsel kann sich nach und nach umstellen. Regelmäßige Kontrollen mit Blutuntersuchungen sind wichtig, um die individuell passende Dosis herauszufinden. Auch für den weiteren Verlauf der Krankheit ist es wichtig, diese Bluttests immer wieder durchzuführen, und die Dosis falls nötig anzupassen.

Kortison und alternative Heilmethoden bei Hashimoto-Thyreoiditis

Medikamente wie Kortison, die das Immunsystem unterdrücken und sich bei vielen Autoimmunkrankheiten bewähren, greifen bei Hashimoto-Thyreoiditis leider nicht. Sie können den Angriff auf die Schilddrüse nicht stoppen.

Auch sanfte, alternative Heilmethoden haben sich bei Schilddrüsenentzündung nicht bewährt. Enzymbehandlungen sollen allerdings manchmal erfolgreich sein, wie einzelne Patienten in Hashimoto-Foren berichten. Hilfreich, um die Symptome zu lindern, können dagegen Akupunktur und Entspannungstherapien sein.

Hashimoto-Thyreoiditis – es kommt auch auf die Ernährung an

Ein wichtiger Aspekt jedoch, den Sie selbst beeinflussen können, ist die richtige Ernährung bei Hashimoto. Das bedeutet, besonders auf folgende vier Faktoren zu achten:

  1. Essen Sie nicht öfter als zweimal pro Woche Fisch, um nicht zu viel Jod aufzunehmen. Jod kann bekanntlich Hashimoto-Thyreoiditis verstärken.
  2. Feuern Sie die Entzündung nicht durch bestimmte Lebensmittel an. Das sind vor allem Fleisch und Wurst. Sie enthalten Arachidonsäure, die der Körper zu Entzündungsstoffen umbildet.
  3. Essen Sie viel frisches Gemüse und zuckerarmes Obst. Damit erhalten Sie wichtige Antioxidantien, also Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, die antientzündlich wirken.
  4. Essen Sie Lebensmittel mit einem hohen Selengehalt. Das Spurenelement Selen hat sich in Studien zur unterstützenden Behandlung einer Hashimoto-Thyreoiditis als erfolgreich erwiesen. Reich an Selen sind Hülsenfrüchte, Kokosnüsse, Hirse, Steinpilze, Vollkorngetreide.

Lassen Sie sich außerdem auf Glutenunverträglichkeit testen. Viele Hashimoto-Patienten haben gleichzeitig Zöliakie, vertragen also Gluten nur schlecht. Das Klebereiweiß steckt in Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste. Es gibt dann eine Reihe von gesunden Ausweichmöglichkeiten wie Buchweizen, Hirse, Amaranth und Quinoa. Wie Sie sich glutenfrei ernähren können, verrät unsere Themenseite

Glücklich schwanger trotz Hashimoto-Thyreoiditis

Wer diese Aspekte beachtet, wird sich trotz der chronischen Schilddrüsenerkrankung besser fühlen und eine Verschlechterung vielleicht sogar verhindern. Auf jeden Fall sollte jeder, der Hashimoto-Thyreoiditis hat, die regelmäßigen Kontrollen beim Arzt wahrnehmen und seine Medikamente nach Anweisung verlässlich einnehmen. Wichtig für Frauen: Dann sind auch ein erfüllter Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillen trotz dieser Krankheit problemlos möglich.

Auch Abnehmen ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion möglich.

Weitere Informationen finden Sie bei Selbsthilfegruppen, etwa:

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