09.01.2018

Trigger durch Nahrungsmittel Ernährung bei Migräne: Schmerzen einfach wegessen?

Die "richtige" Ernährung bei Migräne gibt es nicht – aber ausgewogene Nahrungsmittel, mit komplexen Kohlenhydraten, tun gut.

Foto: iStock/nensuria

Die "richtige" Ernährung bei Migräne gibt es nicht – aber ausgewogene Nahrungsmittel, mit komplexen Kohlenhydraten, tun gut.

Wer unter Migräne leidet, ist oft tagelang zu nichts zu gebrauchen und hofft nur noch auf Schmerzlinderung. Kann eine bestimmte Ernährung bei Migräne helfen oder spielen da noch andere Faktoren eine Rolle?

Dass Ernährung bei Migräne eine Rolle spielt – oder spielen kann – bestätigen Forscher heute. Ebenso gilt aber, dass hier noch einmal genau unterschieden werden muss. Individualität ist nämlich das Stichwort. Ob bestimmtes Essen bei Migräne weggelassen werden sollte oder gar hilft, haben wir für Sie beleuchtet.

Gibt es die richtige Ernährung bei Migräne – oder die falsche?

Forscher haben herausgefunden, dass die Ernährung eine Migräne durchaus beeinflussen kann. So können bestimmte Nahrungsmittel die Anfälligkeit gegenüber Migräne durchaus erhöhen. Gleichzeitig gibt es aber auch Lebensmittel, mit denen sich ein Anfall zumindest abschwächen, in manchen Fällen sogar verhindern lassen kann. Allerdings, und das ist der Knackpunkt: Jeder reagiert hier unterschiedlich. Ein paar Überschneidungen gibt es aber, mit denen sich in vielen Fällen die Beschwerden zumindest etwas erträglicher gestalten lassen.

Bestätigen konnten Forschungen bisher nichts, denn Migräne läuft dafür einfach bei jedem viel zu unterschiedlich ab. Zu verschieden sind die auslösenden Faktoren. Eine richtige, für alle unter Migräne leidenden Menschen geltende Diät lässt sich daher nicht erstellen.

Nahrungsmittel als Auslöser?

Rund 20 Prozent der von Migräne Betroffenen nennen laut schmerzklinik.de bestimmte Nahrungsmittel als Trigger – also Auslöser – für Migräne und migräneartige Kopfschmerzen. Darunter fallen gehäuft allerdings bestimmte Lebensmittel. Überschneidungen scheint es also durchaus zu geben, so reagieren vermehrt Betroffene negativ auf Käse, Zitrusfrüchte, Schokolade und Rotwein. Insgesamt wird der Alkohol recht oft als Auslöser genannt – allerdings abhängig von der Tageszeit. So reagieren Migränepatienten, die auf Alkohol als Trigger anschlagen, häufiger negativ auf ein wenig Alkohol am Tag als am Abend.

An diesem Beispiel lässt sich sehen, dass eben auch andere Faktoren an einer Migräne-Attacke mitverantwortlich sind. Denn tagsüber folgen in der Regel noch ein paar Stunden Arbeit, die wiederum mit anderweitigem Stress verbunden sind. Abends ist man dagegen in der Regel entspannter, da die Pflichten des Tages bereits erledigt sind. Aber auch hier gilt: Es gibt kein allgemeines Rezept, da jeder Migräne-Betroffene hier anders reagiert.

Essverhalten beobachten und Rücksprache mit dem Arzt halten

Wenn Sie erst einmal gar keinen Anhaltspunkt haben, woher Migräne-Attacken bei Ihnen rühren, lohnt es sich, den Tagesablauf festzuhalten und so mit der Zeit eventuelle Trigger zu identifizieren. Das gilt auch für Lebensmittel: Schreiben Sie auf, was Sie zu sich nehmen – zumindest mal eine Zeit lang. Dabei sollten Sie ein solches Tagebuch aber nicht als Zwang sehen. Setzen Sie sich nicht unter Stress – schreiben Sie lediglich auf, wenn Sie gerade Zeit dazu haben und daran denken. Wenn Sie Ihre Migräneanfälle dokumentieren wollen, nehmen Sie entweder ein extra dafür vorgesehenes Notizbuch oder eine Migräne-Assistenz-App wie M-Sense.

Bedenken Sie dabei auch, dass es in der Regel mehrere Stunden dauert, bis der Trigger in einen tatsächlichen Migräneanfall übergeht.

Von einem Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelgruppen ist jedoch – zumindest ohne vorherige Absprache mit einem Arzt – abzuraten. Zu hoch ist die Gefahr einer Mangelernährung, bestätigen Experten. Außerdem kann es auch sein, dass Sie ein zuvor als Trigger identifiziertes Lebensmittel eben doch zu anderen Gelegenheiten wieder vertragen, weil einfach andere Faktoren und Auslöser fehlen.

Ärzte gehen übrigens davon aus, dass Migränepatienten allgemein empfindlicher auf Schwankungen im Tagesablauf sowie im Hormonhaushalt reagieren – und eben auch auf Nährstoffe.

Der beste Tipp: Regelmäßig und ausgewogen essen

Wichtig ist daher vor allem eine ausgewogene Ernährung: Regelmäßige Mahlzeiten, die Sie mit Bedacht und Ruhe genießen, sind wichtig. Vor allem das Frühstück sollten Sie nicht auslassen, wenn Sie öfter unter Attacken leiden. "Migräne-Patienten haben ein Gehirn, das sehr intensiv und sehr schnell Informationen verarbeitet. Dadurch hat es einen höheren Energiebedarf", erklärt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, Gerhard Müller-Schwefe. Und diesen sollten Sie in gesunder Regelmäßigkeit decken. Dabei sollten Sie auch genügend komplexe Kohlenhydrate zu sich nehmen. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst tut insgesamt gut. Aber was hilft bei Migräne sonst noch so?

Eine tatsächlich allgemeingültige "Migräne-Diät" gibt es also nicht, dafür tritt die Migräne bei jedem Menschen zu individuell auf. Achten Sie auf eine ausgewogene, nicht zu schwere Ernährung, am besten selbstgekocht. Denn Fertiggerichte wiederum enthalten viele Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel – und die wiederum haben Sie ja möglicherweise bereits im Verdacht als (Mit-)Auslöser für Ihre Beschwerden.

Halten wir fest: Die Ursache für einen Migräneanfall sind Lebensmittel nicht – sie können dagegen ein Trigger sein, ein Auslöser des Schmerzes. Und diese Trigger sind eben individuell. Konsultieren Sie also am besten auch im Hinblick auf Ihre Ernährung bei Migräne Ihren Arzt. Vielleicht gibt es auch bereits neue Therapien gegen Schmerzen – beispielsweise die Impfung bei Migräne, an der gerade geforscht wird.

Mehr Infos über Migräne sowie Hilfe und Tipps finden Sie auf unserer Themenseite.

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