08.01.2018

Neue Behandlungsmöglichkeiten 8 neue Therapien: Endlich Schluss mit Schmerzen

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Wissenschaftler und Ärzte erhoffen sich mit neuen Schmerztherapien vielen leidgeplagten Menschen helfen zu können.

Foto: iStock/AJ_Watt

Wissenschaftler und Ärzte erhoffen sich mit neuen Schmerztherapien vielen leidgeplagten Menschen helfen zu können.

Die Schmerz-Forschung entwickelt stets neue Behandlungsformen, die leidgeplagte Patienten hoffen lassen. Erfahren Sie mehr zu den neuesten Schmerztherapien.

Für zwölf Millionen Deutsche ist Schmerz ein Dauerzustand. Die Nachfrage nach schmerztherapeutischen Behandlungen nimmt stetig zu. Ob akut oder chronisch – eine Vielzahl an Schmerztherapien sollen Menschen von ihrem täglichen Leiden befreien. Wissenschaftler verstehen immer besser, wie er entsteht – die Forschung bringt immer wieder neue Behandlungsmöglichkeiten vor, die Hoffnung machen.

Erfahren Sie Wissenswertes zu den neusten und vielversprechenden Schmerztherapien, die schmerzgeplagten Menschen vielleicht nun endlich wirklich helfen können.

Diese neuen Schmerztherapien gibt es

HightechBand bekämpft Knieschmerzen und Migräne

Überlastung, Fehlstellungen, Arthrose: Gründe für Knieschmerzen gibt es viele. Sind sie dauernd und auch in Ruhe da, kann es sein, dass das Schmerzempfinden durcheinandergeraten ist: "Kommen ständig über die Nervenfasern unter der Haut Schmerzreize, nimmt unser Gehirn die Schmerzen immer stärker und schneller wahr und empfindet dann irgendwann auch schwache Reize als starke Schmerzen", erklärt der Schmerzexperte Dr. Tobias Weigl.

Ein von ihm am Universitätsklinikum Bonn mitentwickeltes Hightech-Knieband programmiert diese Fehlsteuerung wieder um: "Auf dem Band sind punktförmige Elektroden in einem bestimmten Schema angeordnet. Sie schicken feine, kaum spürbare Stromimpulse direkt an die Nervenfasern", sagt Dr. Weigl. Dadurch werden diese beruhigt, und nach einiger Zeit wird so das Schmerzgedächtnis normalisiert: "Ein schwacher Reiz wird dann, wie es sein soll, nicht mehr als Schmerz empfunden."

Info: Zweimal 20 Minuten Anwendung pro Tag reichen. Das Band (Kosten: rund 550 Euro) gibt es auch als Nackenband gegen Migräne.

Eigenfett hilft bei Daumenarthrose

Bei einer Arthrose am Daumensattelgelenk ist der Gelenkknorpel zwischen dem Mittelhandknochen des Daumens und einem Handwurzelknochen so abgenutzt, dass jede Bewegung schmerzt.

Lesen Sie, welche Risikogruppen besonders betroffen sind und wie Arthrose vorgebeugt werden kann.

Als Therapie wurde bislang der Handwurzelknochen in einer OP entfernt. Doch seit einiger Zeit gibt es eine schonendere Methode: Dabei werden einige Milliliter Fettgewebe in örtlicher Betäubung am Oberschenkel abgesaugt und in den betroffenen Gelenkspalt eingebracht. "Dort dient das Fett als Puffer und mindert so die Schmerzen. Zudem wirkt es entzündungshemmend und trägt ersten experimentellen Studien zufolge eventuell auch dazu bei, dass sich neuer Knorpel bildet", sagt Privatdozent Dr. Christian Herold, Entwickler der Technik und Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie in Oldenburg und Bremen. Der Eingriff erfolgt ambulant, nach einer Woche ist die Hand wieder einsatzfähig.

Info: Privatkassen übernehmen die Kosten von 700 Euro. "Mittlerweile zeigt die Methode auch erste Erfolge bei Kniearthrose", so Dr. Herold.

Jeder Deutsche geht im Jahr durchschnittlich 17 Mal zum Arzt. Aber weshalb? Wir zeigen die 30 Krankheiten, die Ärzte besonders oft diagnostizieren:

Nervenschrittmacher stellt Clusterkopfschmerz ab

"Clusterkopfschmerzen gehören mit zu den schlimmsten Schmerzen überhaupt", sagt Prof. Jan Vesper, Leiter des Zentrums für Neuromodulation am Universitätsklinikum Düsseldorf. Betroffene werden von bohrenden Schmerzen am Auge regelmäßig und oft mehrmals täglich heimgesucht.

Migränemittel oder Sauerstoffinhalationen können die Attacken lindern – doch sie helfen nicht allen. "Ein Fünftel der Patienten kann nicht mehr dem Alltag nachgehen", sagt Prof. Vesper. Ihnen könnte ein neues Therapieverfahren nützen:

Dabei wird ein fingernagelgroßer Nervenschrittmacher in einer rund 90-minütigen Operation durch die Wand der Mundhöhle in der Nähe eines Nervenknotens befestigt. "Der Knoten leitet Informationen eines Gesichtsnervs, der fälschlicherweise bei einer Attacke Fehlalarm funkt, an das Gehirn weiter – an dieser Stelle greifen wir ein", sagt Prof. Thomas Klenzner, Stellvertretender Direktor der HNO-Klinik. Bei Attacken lässt sich der Schrittmacher per Fernbedienung aktivieren: Hochfrequenter Strom betäubt den Knoten, die Schmerzen gehen bei den meisten Patienten weg oder werden schwächer.

Info: Bei entsprechender Diagnose zahlen Krankenkassen die OP.

EMDR lindert chronische Rückenbeschwerden

Die EMDR-Therapie ist eine anerkannte Methode zur Behandlung von Traumapatienten. Forscher der Universität Heidelberg haben EMDR (Abk., deutsch: Desensibilisierung und Neubearbeitung durch Augenbewegungen) nun weiterentwickelt und erfolgreich bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen getestet.

"Bei mehr als der Hälfte haben sich die Beschwerden nach fünf bis zehn Sitzungen erheblich verbessert, jeder Fünfte war nach wenigen Sitzungen schmerzfrei", sagt der Schmerzforscher Dr. Jonas Tesarz. Grundlage sind neueste Erkenntnisse: "Forschungen haben gezeigt, dass das Gehirn bei lang anhaltenden Schmerzzuständen die Information 'Schmerz' oft fälschlicherweise im emotionalen Gedächtnis abspeichert", sagt Dr. Tesarz. Bei der EMDR-Therapie erinnern sich Patienten an besonders heftige Attacken und damit verbundene Gefühle und Gedanken. Dabei folgen ihre Augen schnellen Fingerbewegungen des Therapeuten. "Durch diese Kopplung wird im Gehirn ein Prozess der Infomationsverarbeitung angeregt, durch den viele eine rasche Entlastung erleben", sagt Dr. Tesarz.

EMDR hilft, sich Gefühlen bewusst zu werden und diese wieder vom Schmerz zu trennen. Dr. Tesarz: "Patienten berichten, dass die Erinnerung an Situation und Schmerz immer blasser wird, der Schmerz verändert seinen Charakter, bis er schließlich ganz verschwindet."

Info: Eine Sitzung dieser neuen Schmerztherapie (Therapeutensuche unter www.schmerzemdr.de) kostet rund 70 Euro.

Ursachen sowie vielseitige Behandlungsmöglichkeiten und Vorbeugungsmaßnahmen für Rückenschmerzen finden Sie auf unserer Themenseite!

Spritzen beugen Migräne vor

2018 werden in Deutschland voraussichtlich gleich zwei neue Medikamente zugelassen, die erstmals speziell zur Migränevorbeugung entwickelt wurden. Monatsspritzen wirken gegen das bei der Migräneentstehung wichtige Protein CGRP. Erfahren Sie, was die Migräne-Impfung verspricht.

Antibiotika heilen den Rücken

Nach einem Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule können auch Infektionen für Rückenschmerzen verantwortlich sein. Die dänische Forscherin Hanne Albert fand harmlose Mundbakterien, die über Mini-Risse in der Schleimhaut wohl zuerst in den Blutkreislauf und dann in die Bandscheibe gelangt waren. Die Folge: Entzündungen, Ödeme, Schmerzen. Eine massive 100-Tage-Antibiotika-Kur als Schmerztherapie half.

Nasenknorpel repariert kaputte Kniegelenke

Nicht nur Arthrose, auch Knorpelschäden rufen Knieschmerzen hervor. Schweizer Ärzte haben diese mit einer ungewöhnlichen Methode repariert:

Zehn Patienten wurden Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand entnommen, diese im Labor zu Gewebe gezüchtet und dieses in die Kniegelenke eingesetzt. Ergebnis: Neun Patienten haben weniger Schmerzen, können das Knie voll belasten. Jetzt wird die Therapie bei mehr Betroffenen untersucht –unter anderem an der Uniklinik Freiburg. Erfahren Sie außerdem, wie Sie schmerzende Kniegelenke vorbeugen können.

Computerspiel stärkt Muskeln

Hinter chronischen Rückenschmerzen stecken oft zu schwache Muskeln. Eine neue digitale Physiotherapie macht sie zu Hause wieder fit. Dafür werden Sensoren an Brust- und Kreuzbein befestigt, dann mithilfe einer App eine Figur mit kleinen Körperbewegungen durch ein Spiel gesteuert.

Info: 20 Minuten Schmerztherapie täglich reichen, um die tiefen Rückenmuskeln zu stärken. Auf Rezept wird das Gerät (300 Euro) gerade von der Techniker Krankenkasse getestet.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 2.

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