08.01.2018

Kleben gegen den Schmerz Kinesiotape: Schmerzen lindern mit bunten Bändern

Schmerzen im Nacken oder gar Migräne? Verschiedenste Probleme des Körpers lassen sich mit Kinesiotape behandeln. Was das bringt? Zumindest Schmerzlinderung.

Foto: iStock/Wavebreakmedia

Schmerzen im Nacken oder gar Migräne? Verschiedenste Probleme des Körpers lassen sich mit Kinesiotape behandeln. Was das bringt? Zumindest Schmerzlinderung.

Schmerzen auf natürlichem Weg lindern – mithilfe bunter Klebebänder. Das soll funktionieren? Nun, irgendwie schon. Was hinter den Kinesiotapes steckt und wie oder ob sie überhaupt wirken, verraten wir Ihnen hier.

Der Rücken schmerzt, das Knie knackt, der Arm ist steif: Unser Körper muss im Laufe der Zeit so einiges mitmachen – und nicht immer lässt sich genau sagen, woher das Leiden kommt oder wie es sich am besten auf Dauer behandeln lässt. Wer dann auch noch ungern auf Schmerzmittel zurückgreifen möchte, kann es mit Kinesiotape versuchen – der bunten und fast nebenwirkungsfreien Möglichkeit.

Kinesiotape: Oft gesehen – nie verstanden?

Die oft bunt leuchtenden Klebestreifen dürften vielen bereits aus dem Sportprogramm im Fernsehen bekannt sein: Fußballer, Tennisspieler, Läufer – bei vielen blitzen farbige Bänder unter der Kleidung hindurch, am Knie, an den Oberschenkeln, im Rückenbereich, Fuß oder Handgelenk – theoretisch lässt sich das Tape überall anbringen.

Stellt sich nur die Frage: Wie wirkt diese angebliche "Wunderwaffe" gegen welche Schmerzen und Beschwerden – oder ist das alles doch nur Humbug und Placebo-Effekt?

Was genau steckt dahinter?

Was genau ist das überhaupt, dieses Kinesiotape? Im Grunde handelt es sich lediglich um eine Art hochelastische Stoffbinde mit Klebefläche – ein Pflaster. Hauptaufgabe ist es, das Gewebe zu stabilisieren. Helfen soll es dabei bei Verletzungen und Entzündungen von Muskeln sowie Gelenken und Bändern. Sogar gegen Migräne und auch Tinnitus soll es lindernde Wirkung haben.

"Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren" – so bezeichnen einige Hersteller die Wirkungsweise. Ganz falsch ist das nicht. Durch die Stabilisierung des Tapes werden schmerzende Stellen entlastet und der Körper kann mehr Energie auf den Heilungsprozess lenken. Gleichzeitig werden die beklebten Stellen aber auch gereizt, denn durch die Stabilisierung der Haut wird diese gegen das darunterliegende Gewebe verschoben. Das wiederum verbessert den Blutfluss. Zudem merken wir hier: Bewegung hilft, dem Tape die therapeutische Wirkung zu entlocken.

Auch einen Einfluss auf Akupunkturpunkte wird dem Tape nachgesagt – das beschrieb bereits der Erfinder des Klebeverbandes, der japanische Chiropraktiker Kenzo Kase, in den 1970er Jahren. Wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte dieser Ansatz allerdings noch nicht.

Hilfe bei vielen Beschwerden

Fakt ist allerdings, dass das "Tapen" vielen Anwendern nach eigener Aussage hilft.

Dabei kann das Tape unter anderem bei folgenden Verletzungen und Problemen angewendet werden, die keine offenen Wunden mit sich bringen:

  • Gelenkverletzungen
  • Muskelverletzungen
  • Bandverletzungen
  • Wassereinlagerungen
  • Migräne

Nicht nur Sportler profitieren vom bunten Tape. Auch wer beispielsweise unter Rückenschmerzen leidet, kann mit der richtigen Klebetechnik gegen Schmerzen und Beschwerden angehen. Den Tennisarm behandeln? Geht auch. Probleme mit dem Kniegelenk, dem Ischias, der Achillessehne, sogar Menstruationsbeschwerden und Nasennebenhöhlenentzündung sowie Kieferschmerzen können mit Kinesiotape gelindert werden. Und auch gegen Muskelkater oder auch Blutergüsse hilft das Tapen vielen Menschen.

Weitere Wirkungen? Farbige Angelegenheit

Übrigens wird auch den Farben eine Bedeutung zugesprochen, die sich an der chinesischen Farblehre orientieren soll. Blau soll kühlend wirken und gegen Schmerzen helfen, rot die Durchblutung fördern und den Stoffwechsel anregen. Ob und welche Farbe bei Ihnen am besten wo wirkt, probieren Sie am besten selbst aus.

Richtig anbringen ist wichtig: Lernen oder machen lassen?

Wichtig ist, das Tape auf die richtige Art anzubringen. Zwar gibt es Anleitungen und Videos im Internet oder in Büchern. Am besten kann dies jedoch ein geschulter Arzt oder Chiropraktiker. Sollten Sie also große Probleme haben, fragen Sie lieber nach. Möglicherweise muss die Behandlung auch mit einer weiteren Behandlungsart unterstützt werden.

Wer dennoch selbst tapen möchte, sollte darauf achten, dass die Haut, auf die das Kinesiotape angebracht werden soll, sauber und trocken ist. Auf Wunden oder anderweitig infizierte Stellen sollten Sie das Band nicht kleben.

Nicht zu fest, nicht zu locker, keine Falten!

Legen Sie das Tape vorher noch mit Klebeschutz grob an und schneiden Sie die Stücke entsprechend zu. Wenn Sie die Ecken abrunden, haftet das Band besser. Dann ziehen Sie nach und nach die Folie ab und kleben das Tape an.

Dabei darf es nicht zu stramm sitzen, aber auch nicht zu schwach. Achten Sie darauf, dass es keine Falten wirft. Sie müssen sich trotz Tape noch gut und uneingeschränkt bewegen können, dennoch aber eine stützende Wirkung bemerken.

  • Bei punktuellen Schmerzen wie dem Hexenschuss wird das Tape dabei sternförmig angebracht.
  • Schmerzen ganze Muskelstränge, folgen Sie mit dem Kleben dem Muskel, ebenso verhält es sich mit Bändern und Nerven.
  • Blutergüsse oder Schwellungen können Sie netzförmig bekleben. Das soll zusätzlich den Lymphabfluss fördern.
Hexenschuss - diese 5 Tipps bieten schnelle Hilfe

Hexenschuss - diese 5 Tipps bieten schnelle Hilfe

Beschreibung anzeigen

Vorsicht – nicht zu stramm ziehen!

Sollten Sie stärkere Schmerzen als zuvor feststellen, die beklebte Stelle kribbeln oder sich blau oder weiß verfärben, entfernen Sie das Tape wieder. Unter Umständen können nämlich Durchblutungsstörungen oder Schwellungen auftreten, ist das Tape zu fest geklebt. Dann heißt es lockerer kleben.

Hautreizungen können auf eine Pflasterallergie hindeuten. Juckt die Haut oder wird sie rot, entfernen Sie das Tape ebenfalls wieder.

Vertragen Sie die Bänder – die übrigens aus Baumwolle bestehen und mit einem hautfreundlichen Acrylkleber versehen sind – können Sie sie über mehrere Tage auf der Haut behalten. Auch Wasser, Sauna und Sport halten die Klebeverbände aus.

Bitte nicht! Wann Sie das Taping sein lassen sollten

Auch wenn richtig angebrachtes Tape keine Nebenwirkungen zeigt, ist es kein Allheilmittel. Vermeiden sollten Sie Kinesiotape, wenn Sie unter Neurodermitis oder anderen Hauterkrankungen leiden. Auch wenn Ihr Bindegewebe schwach ist, sollten Sie darauf verzichten. Bei viel Körperfett kann das Tape zudem nicht richtig wirken.

Vorsichtig sein sollten Sie auch im ersten Drittel der Schwangerschaft, bei vorzeitigen Wehen oder wenn Sie in einer Risikoschwangerschaft stecken.

Auch bei Krampfadern, Venenthrombosen oder bei Krebserkrankungen sollten Sie nicht auf eigene Faust kleben. Konsultieren Sie am besten immer im Vorfeld einen Arzt!

Fassen wir zusammen: Eine genaue wissenschaftliche Erklärung über den Erfolg von Kinesiotape-Behandlungen gibt es nicht. Aber eine Linderung scheint es nach Aussage vieler Anwender durchaus zu bringen. Schaden kann’s nicht. Und wenn’s hilft – warum nicht?

Mehr Infos zu Rückenschmerzen, Migräne oder Muskelkater gesucht? Unsere Themenseiten halten viele weitere interessante Artikel für Sie bereit.

Seite