27.11.2019

Erkältungen und Allergien Nasenspray-Sucht: Wenn freies Atmen nicht mehr möglich ist

Wenn die Nase ständig verstopft ist, ist das Spray schnell gezückt. Aber Vorsicht vor einer Nasenspray-Sucht! Das kann schneller gehen, als Sie denken.

Foto: iStock/PeopleImages

Wenn die Nase ständig verstopft ist, ist das Spray schnell gezückt. Aber Vorsicht vor einer Nasenspray-Sucht! Das kann schneller gehen, als Sie denken.

Sie haben ständig eine verstopfte Nase? Bloß nicht zu viel mit der chemischen Keule behandeln: Eine Nasenspray-Sucht ist langwierig und unangenehm – lässt sich aber in den meisten Fällen wieder ausstehen.

Ist die Nase verstopft, greifen viele zu abschwellenden Mitteln. Dabei kann sich aber schnell eine Nasenspray-Sucht entwickeln. Und die kann für Betroffene regelrecht zur Qual werden. Chronischer Schnupfen, Nasenbluten und sogar der Verlust des Geruchssinns können die Folge sein. Was in diesem Fall zu tun ist, verraten wir hier.

Erkältungswelle fördert Nasenspray-Sucht

Jedes Jahr aufs Neue schlägt sie zu: die Erkältungswelle. Und sie kann sich hartnäckig halten. Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen sowie eine verstopfte Nase sind in den nass-kalten Monaten für viele ständiger Begleiter.

Damit wir, wenn wir krank sind, trotzdem halbwegs gut funktionieren, gibt es mittlerweile allerlei Mittel, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Durch die eine oder andere schlaflose Nacht rettet oft das Nasenspray. Denn wie soll man sonst mit verstopfter Nase schlafen können? Aber Vorsicht vor zu langer Anwendung – sonst droht eine Nasenspray-Sucht.

Vorsicht vor zu viel Wirkstoff

Ist die Nase frei, fühlt man sich trotz Erkältung insgesamt einfach besser. Der Druck im Kopf ist weg, auch Ohrenschmerzen können so vermieden werden. Daher greift der erkältete Mensch gerne einmal zu Nasenspray. Das setzt allerdings unter Umständen eine fatale Spirale in Gang: Der enthaltene Wirkstoff, meist ein sogenanntes Sympathomimetikum wie Oxymetazolin oder Xylometazolin, lässt die Schwellung der Nasenschleimhäute zwar zurückgehen – kann aber schnell das Gegenteil bewirken und die empfindlichen Schleimhäute mit der Zeit sogar austrocknen.

Arzt und Apotheker geben bereits den Hinweis, ebenso steht es in der Packungsbeilage: Solche chemisch-synthetischen Nasensprays sollten maximal drei Mal täglich und höchstens eine Woche am Stück verwendet werden. Denn sonst gewöhnt sich der Körper an den Wirkstoff. Zum Glück deckt sich das mit der ungefähren Dauer einer Erkältung.

Doch manchmal braucht der Körper ein bisschen länger zum Erholen oder man steckt sich gleich wieder an. Manchmal kommt's dann richtig dick und aus dem Schnupfen wird eine ausgewachsene Nasennebenhöhlenentzündung. Und spätestens dann ist der Griff zum zumindest zeitweise erlösenden Nasenspray schnell getan.

Ein Teufelskreis entsteht

Die Folge: Die Nasenschleimhaut schwillt viel früher wieder an und wir greifen wieder zum Spray. Ein Teufelskreis entsteht, der zu chronischem Schnupfen und ausgetrockneten Nasenschleimhäuten mit Borkenbildung und Nasenbluten führen kann. Zudem steigt auch das Krankheitsrisiko insgesamt an, da eine trockene Nasenschleimhaut neue Erreger schlechter abwehren kann. Sogar der Geruchssinn kann bei einer starken Nasenspray-Sucht verloren gehen.

Übrigens sind in Deutschland Schätzungen zufolge rund 100.000 Menschen von einer Nasenspray-Sucht betroffen.

Schützt Eure Nasen! Merkmale einer Sucht

Die Nase ist eigentlich ein starkes Organ, das uns vor vielen bösen Eindringlingen schützt – sofern es intakt ist und richtig arbeiten kann.

Eine Sucht erkennen Sie an folgenden Anzeichen:

  • Die Nase ist bereits kurze Zeit nach der letzten Nasenspray-Anwendung wieder verstopft.
  • Sie haben das Medikament immer dabei, da Sie sonst nicht frei atmen können.
  • Erkältungen dauern wesentlich länger oder kommen immer wieder, der Schnupfen ist nie wirklich weg.
  • Sie müssen das Spray vor dem Einschlafen benutzen, da Sie sonst nur schlecht Luft bekommen.

Wege aus der Nasenspray-Sucht gibt es einige

Was aber tun, wenn diese Punkte zutreffen? Es gibt durchaus Möglichkeiten, wieder aus der Sucht heraus zu finden. Sofern die resultierenden Symptome des Überkonsums noch nicht allzu ausgeprägt sind, stehen die Heilungschancen sehr gut.

Am besten suchen Sie erst einmal einen Arzt auf, um zu klären, woher die Schnupfen-Symptome überhaupt kommen. Eventuell steckt zum Beispiel eine Allergie dahinter – und dann ist die Gefahr eines Rückfalls auch nach erfolgreicher Entwöhnung weitaus höher.

Kalter Entzug: Hart, aber wirksam

Eine erst wenige Monate bestehende Sucht lässt sich am besten mit einem kalten Entzug bekämpfen. Das ist zwar anstrengend und Sie laufen wahrscheinlich etwa drei Wochen mit verstopfter Nase umher. Dafür funktioniert diese Rosskur in der Regel ohne die Einnahme weiterer Medikamente. Unterstützen können Sie mit salzhaltigen Nasenspülungen oder chemiefreien, pflegenden Nasensprays mit Hyaluronsäure und Dexpanthenol.

Entwöhnung mit der Zeit

Wem der kalte Entzug zu hart ist, der kann sich auch nach und nach entwöhnen und das Spray kontinuierlich seltener einsetzen. Oder Sie probieren die Ein-Loch-Therapie aus: Sie behandeln dabei erst einmal ein Nasenloch. Ist dieses entwöhnt, kommt das zweite dran.

Auch Kinder-Schnupfensprays mit niedrigerer Wirkstoffkonzentration können bei der Entwöhnung helfen.

Nasenspray-Sucht am besten von vornherein vermeiden

Aber Sie können sich auch direkt vor einer Nasenspray-Sucht schützen, indem Sie chemische Sprays gar nicht oder nur im absoluten Notfall nutzen und die Einnahmezeit beachten.

Statt auf chemische Nasensprays zurückzugreifen, sollten Sie gerade bei nicht ganz so schlimmen Erkältungen lieber auf natürliche Alternativen setzen. Eine Nasendusche mit Spülsalz kann Wunder wirken, entfernt Fremdkörper sowie Erreger und versorgt zudem die Nasenschleimhaut mit Mineralstoffen und Feuchtigkeit. So beugt eine solche Spülung Erkältungen sogar vor und darf daher auch öfter durchgeführt werden.

Für unterwegs gibt es chemiefreie Meerwasser-Nasensprays oder solche mit Kräuterzusätzen. Und nachts können auch Nasenpflaster bei nicht ganz so akut verstopften Nasen helfen. Tigerbalsam wirkt beispielsweise auch Wunder. Und auch andere Hausmittel gegen Schnupfen haben sich bewährt

Schnupfensymptome und Entzündungen der Nebenhöhlen lassen sich aber auch ganz gut mit natürlichen Mitteln bekämpfen. Ein paar davon stellen wir Ihnen vor. Am besten ist es aber natürlich, eine Erkältung oder gar Grippe gleich gänzlich zu vermeiden – etwa mit diesen Abhärtungsmethoden. Sie wollen so richtig gewappnet sein? Mehr zum Thema Erkältung lesen Sie bei uns nach.

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