Aktualisiert: 15.10.2020 - 10:19

Schleichender Sehverlust Makuladegeneration: Viele Menschen gehen zu selten zum Augenarzt

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt lassen die AMD auffliegen, bevor es zu spät ist.

Foto: iStock.com/w-ings

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt lassen die AMD auffliegen, bevor es zu spät ist.

Ob feuchte oder trockene Form: Heilung gibt es bei der Makuladegeneration bisher nicht. Therapien können aber ihr Fortschreiten bremsen. Dazu müssten Betroffene aber auch Augenärzte aufsuchen.

Traurige Tatsache: Immer noch ist die Makuladegeneration die häufigste Ursache für Erblindung bei Menschen über 50 Jahren. Die Sehverschlechterung – erste Symptome sind ein grauer Schatten im Sehzentrum und verschwommenes Sehen – schreitet langsam voran und wird deshalb von den Betroffenen oft erst spät registriert. Nur die regelmäßige Kontrolle mit einfachen Tests beim Augenarzt ermöglicht, dass die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) frühzeitig entdeckt wird.

Das Problem: Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar kümmern sich die Bürger hierzulande zu wenig oder schlecht um ihr Augenlicht.

Gefahr Makuladegeneration: Warum gehen wir eigentlich so selten zum Augenarzt?

Die Studie zeigt: Zwar fürchtet sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung davor, im Alter an Sehkraft zu verlieren, trotzdem gehen viele Menschen nicht oder zu spät zum Augenarzt. 70 Prozent der Befragten gaben an, erst dann einen Spezialisten aufzusuchen, wenn bereits Probleme mit den Augen bestehen.

Die altersabhängige Makuladegeneration ist in den westlichen Industriestaaten die häufigste Ursache für Blindheit – dabei ist die Augenerkrankung vielen Menschen nicht einmal geläufig. Während 87 Prozent schon einmal vom Grauen Star gehört haben, gab nur etwas mehr als ein Drittel an, die Krankheit AMD, zu kennen, von der in Deutschland knapp 7,5 Millionen Menschen betroffen sind. Dagegen sind bekanntere Augenkrankheiten wie der Grüne oder Graue Star mit jeweils weniger als einer Millionen Fälle deutlich geringer verbreitet, zumal beide auch medikamentös und operativ behandelt werden können. Das geht bei der AMD nicht.

Was sind Grüner und Grauer Star? Und wie lassen sich die Augenkrankheiten behandeln? Mehr im Video:

Grauer & Grüner Star - Das sind die wichtigsten Unterschiede
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Was ist die Makuladegeneration überhaupt?

Mediziner unterscheiden zwischen zwei Formen der AMD:

  1. Trockene Makuladegeneration – der Stoffwechsel der Netzhautzellen ist gestört, es kommt zu Ablagerungen (Drusen) unter der Netzhaut, die darunter liegenden Schichten bilden sich zurück. Als erstes verlieren die Zellen der Netzhaut im Bereich des schärfsten Sehens (gelber Fleck, Makula) ihre Funktion. Deshalb wird die Sicht im Sehzentrum auch langsam immer schlechter. Die Veränderung bemerken Betroffene oft erst spät. Folgend nimmt dann auch die Farbwahrnehmung ab und eigentlich gerade Linien erscheinen verzerrt.
  2. Feuchte Makuladegeneration – entwickelt sich bei rund 15 Prozent der Betroffenen aus der trockenen Form. Als Reaktion auf die Drusen entstehen neue kleine Blutgefäße, um die Versorgung der Netzhaut wieder zu verbessern. Allerdings ist diese Selbsthilfe des Körpers fatal, weil die neuen Gefäße durchlässig sind und die austretende Flüssigkeit das umliegende Gewebe schnell schädigt. Die feuchte Makuladegeneration schreitet deshalb zügiger voran als die trockene. Die verzerrten Linien sind das häufigste Symptom der feuchten AMD.

Die feuchte Makuladegeneration ist für 90 Prozent der Erblindungen in Deutschland verantwortlich. In der Regel taucht sie zunächst an einem Auge auf, bevor sie mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch das andere Auge betrifft.

Warum entsteht die AMD?

Die genaue Ursache der altersabhängigen Makuladegeneration ist zwar nicht geklärt, doch klar ist, dass die Ablagerungen aus Stoffwechselrückständen, die genannten Drusen, zu blinden Flecken führen. Ab einem Alter von etwa 50 sind Drusen im Auge Normalität, problematisch wird es erst, wenn sich zu viele und zu große von ihnen ansammeln. Sie stören die Reproduktion der Sinneszellen im Auge, die für die Umwandlung von Licht in elektrische Signale zuständig sind. Unser Gehirn kann die Lichtimpulse ohne sie nicht mehr verarbeiten und in unser Bewusstsein übersetzen – das heißt, dass die Sehfähigkeit verloren geht.

Therapien bei Makuladegeneration

Zwar lässt sich die Ursache der Makuladegeneration bisher nicht beheben. Allerdings können Antioxidantien nachweislich helfen, das Fortschreiten der Krankheit abzubremsen, wie ein klinischer Versuch schon im Jahr 2001 zeigen konnte.

Die wichtigsten Vitamine und Mineralstoffe bei AMD:

  • Vitamin C
  • Beta-Carotin
  • Vitamin E
  • Kupfer
  • Zink

Es sind jedoch hohe Dosierungen nötig, die Sie mit Ihrem Arzt absprechen sollten. Denn nicht jeder darf sie ohne ärztlichen Rat einnehmen. Bei Rauchern und Ex-Rauchern kann Beta-Carotin etwa das Risiko für Lungenkrebs deutlich erhöhen. Für sie sind Lutein und Zeaxanthin eine gute Alternative. Diese Carotinoide sind natürliche Bestandteile der Makula und bergen nach heutigem Wissen nicht das Risiko, Krebs zu begünstigen.

Injektionen sollen Gefäßwachstum ausbremsen

Bei der feuchten Makuladegeneration kann der Augenarzt zusätzlich per Spritze Wirkstoffe in den Glaskörper injizieren, die verhindern, dass sich neue Gefäße bilden. Diese Behandlung heißt Anti-VEGF-Therapie. VEGF ist die Abkürzung für englisch vascular endothelial growth factor, übersetzt: Botenstoff, der Blutgefäße wachsen lässt.

Doch auch gegen die häufigste Form, die trockene AMD, könnte es schon bald eine Behandlung geben. Wissenschaftler der Universität Bonn haben erfolgreich einen neuen Wirkstoff an Patienten getestet. Der Antikörper Lampalizumab kann das Fortschreiten der Erblindung offenbar abbremsen. Laut ihrer Studie hatten die Augeninjektionen mit Lampalizumab vor allem bei Frauen einen großen Effekt.

Darum lohnen sich Vorsorgeuntersuchungen

Dass eine trockene AMD entsteht, lässt sich weder verhindern noch aufhalten. Das alternde Auge ist ein natürlicher Prozess. Verlangsamen lässt sich dieser Prozess allerdings mit der richtigen Ernährung und dem Vermeiden von Stress. Der Fortlauf der feuchten AMD hingegen lässt sich behandeln und eindämmen – sofern sie frühzeitig erkannt wird! Dazu sollte die Bevölkerung, so die Empfehlung des Berufsverbands der Augenärzte, Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen und regelmäßig die Netzhaut untersuchen lassen, speziell ab einem Alter von 55 Jahren. Nur dann kann der Augenarzt dabei helfen, die Sehfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten.

Mehr zu Augenkrankheiten wie Grünem und Grauem Star finden sie auf unserer Themenseite.

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