14.07.2017

Schweiß lass nach! Hyperhidrose: Wenn Schwitzen zur Krankheit wird

Die Hyperhidrose ist ein oft verschwiegenes, weil sehr unangenehmes Leiden.

Foto: iStock/diane39

Die Hyperhidrose ist ein oft verschwiegenes, weil sehr unangenehmes Leiden.

Hyperhidrose ist der Fachbegriff für übermäßiges Schwitzen. Aber in welchem Maß ist Schwitzen noch normal, und wann wird es zur Krankheit?

Eigentlich soll die Schweißproduktion den Körper im Gleichgewicht halten. Sie dient der Wärmeregulation, der Schweiß ist das Kühlsystem des menschlichen Organismus. Doch einige Menschen schwitzen viel mehr, als für den Körper nötig wäre. Mediziner sprechen in so einem Fall von Hyperhidrose. Dieses krankhafte Schwitzen ist sehr unangenehm und kann sogar ein Symptom für verschiedene Krankheiten sein.

bildderfrau.de hat mit Dr. med. Mehmet Atila, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Direktor des Medical Inn Zentrums in Düsseldorf, über Hyperhidrose sowie die Folgen der Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.

bildderfrau.de: Was ist Hyperhidrose?

Dr. med. Mehmet Atila: Bei Hyperhidrose handelt es sich um eine Erkrankung, die mit übermäßigem Schwitzen einhergeht. Dabei entsteht der Schweiß nicht, wie normal, temporär durch besonders hohe Temperaturen oder starke Anstrengungen, sondern fließt permanent unkontrollierbar aus den Poren.

Unter welchen Symptomen leiden Betroffene?

Schweißbildung ist das einzige körperliche Symptom, Betroffene empfinden keine zusätzlichen Schmerzen, aber die Art des Schwitzens kann sehr unterschiedlich sein. In manchen Fällen betrifft es nur bestimmte Regionen wie Achseln, Füße oder Handflächen. Andere Betroffene schwitzen am gesamten Körper – hier kann die Hyperhidrose allerdings ein Symptom für eine ganz andere Krankheit sein. Wir bezeichnen dies als sekundäre Hyperhidrose.

Welche psychischen Folgen kann übermäßiges Schwitzen haben?

Für Betroffene ist Hyperhidrose ein Teufelskreis, der das Leben bestimmt. Das Schwitzen ist unkontrollierbar und optisch für alle sichtbar. Damit einher geht die negative Behaftung des Schwitzens in der Gesellschaft, die wiederum bei den Betroffenen Stress auslöst – ein unbeschwerter Alltag ist in der Regel nicht möglich. Wie gesagt, obwohl bei dieser Erkrankung keine Schmerzen entstehen, leiden die Betroffenen und können in schwere Depressionen rutschen.

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Wie erkennen ich, ob ich an Hyperhidrose leide?

Das kann ich als Facharzt erst beurteilen, wenn ich einen Patienten vollständig untersucht habe, aber es gibt gewisse Anhaltspunkte, die Betroffene als Hinweis nehmen können.

Tritt das Schwitzen ohne Grund auf, hält es sich permanent und hat der Betroffene eine feuchte Haut, bilden sich Schweißperlen und sogar -tropfen, rate ich dazu, die Ursache abklären zu lassen. Vermehrtes Schwitzen an Händen oder Füßen oder auch stetige Achselflecken können bereits auf eine leichte Hyperhidrose hindeuten.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen, wenn ich viel schwitze?

Neben den soeben genannten Faktoren auf jeden Fall, wenn das Schwitzen am gesamten Körper und vermehrt auch in der Nacht auftritt. Hier kann es ein Symptom für eine andere Krankheit wie eine Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, eine Schlafapnoe sein oder auf ein Schlaganfallrisiko hindeuten.

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Was kann ich gegen übermäßiges Schwitzen tun?

Auf jeden Fall sollte darauf geachtet werden, die Schweißdrüsen nicht zusätzlich zu aktivieren – heißt: kein scharfes Essen und Vorsicht bei Kaffee, Schwarztee oder Alkohol. Auch Medikamente und Zigaretten aktivieren die Drüsen.

Wenn aber eine primäre Hyperhidrose vorliegt, nehmen solche Maßnahmen nur bedingt Einfluss. In diesem Fall rate ich dazu, ärztliche Hilfe zu suchen, sei es operativ in Form einer Absaugung der Schweißdrüsen, einer Stilllegung durch Botulinum oder mithilfe einer medikamentösen Therapie. Auch Entspannungstherapien helfen bei der Reduktion.

Warum leiden gerade Frauen in den Wechseljahren häufig an übermäßigem Schwitzen?

Der Grund, warum manche Frauen in den Wechseljahren unter Hitzewallungen leiden, ist nicht gänzlich geklärt, zumal jede Frau ganz andere Erfahrungen macht. Allerdings wird angenommen, dass die hormonelle Veränderung eine Rolle spielt. Ebenfalls als Faktoren gelten zum Beispiel auch genetische Veranlagungen und die Lebensweise.

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Haben Sie ein paar Alltagstipps, damit man im Sommer weniger schwitzt?

Bei der Kleidung auf schwere Baumwolle verzichten und dafür auf leichte Naturfasern wie Leinen setzen – dabei darf es statt hauteng lieber etwas lockerer sein. Als Getränk hilft Salbeitee. Bei Achselproblemen hat sich zusätzlich zu Deo und Antitranspirant ein Sud aus Eichenblättern und Zinnkraut als hilfreiches Hausmittel erwiesen. Einfach nach dem Duschen die Achselhöhlen damit zusätzlich reinigen.

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