27.06.2017

Expertin erklärt Das sind die ersten Anzeichen für Burnout

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden am Burnout-Syndrom.

Foto: iStock/frankiefotografie

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden am Burnout-Syndrom.

Was ist Stress? Und warum leiden so viele Menschen unter Burnout? Eine Expertin erklärt, wie der Alltag entschleunigt werden kann.

Ob Freizeitstress oder Stress im Job – auf Dauer macht uns die ewige Hetzerei krank und unglücklich. Frau Dr. Cécile Vennos, wissenschaftliche Expertin bei PADMA, erklärt bildderfrau.de, warum sich viele Menschen gestresst fühlen, wie Burnout entsteht und was gegen Stress hilft.

bildderfrau.de: Wie entsteht Stress und was hilft dagegen?

Dr. Cécile Vennos: Stress wird meistens als negativer Begriff verwendet im Sinne von Belastung oder Überforderung. Im positiven Sinn kann er jedoch als Herausforderung gesehen werden, die uns stimuliert. Wir aktivieren unsere Fähigkeiten und empfinden Glück und Befriedigung, wenn wir sie gemeistert haben.

Dabei ist das Gleichgewicht zwischen den Herausforderungen an uns und unseren Fähigkeiten damit umzugehen entscheidend. Der negative Stress ist also nicht etwas, das von außen auf uns einwirkt, sondern er entsteht durch eine Dysbalance, wenn mehr von uns erwartet wird, als wir leisten können – beispielsweise bei Überforderung.

Die mentale Gelassenheit fehlt

Warum fühlen sich so viele Menschen gestresst?

Die heutige Lebensweise stellt viele Anforderungen an uns, sowohl im Beruf als auch privat. Termine, die ständige Erreichbarkeit für Anfragen und Aufträge, aber auch die Erwartungen an uns selbst, die Freizeit aktiv zu gestalten, Sport zu treiben und ein erfülltes Sozial- und Familienleben zu haben, führen dazu, dass viele Menschen immer ein volles Programm haben. Zeit und Muße für Entspannung und für Phasen der Regeneration kommen oft zu kurz, es fehlt die mentale Gelassenheit. Das Verhältnis zwischen Anforderungen, unseren Fähigkeiten und Ressourcen damit umzugehen kommt aus dem Gleichgewicht und die Herausforderungen nehmen Überhand. Das empfinden wir dann als Stress im negativen Sinn.

>> Ausdauertraining wirkt antidepressiv

Wie können wir unseren Alltag entschleunigen?

Im Beruf führt die Arbeitsbelastung manchmal dazu, dass wir zu viel auf einmal machen wollen. Meist ist man so nicht schneller. Eine gute Organisation, z. B. mit Hilfe von festen Terminen, Checklisten, Projektorganisation und der Festlegung von Prioritäten unterstützten ein strukturierteres Arbeiten. Sich realistische Ziele und Meilensteine zu setzen und sich über das Erreichte zu freuen motiviert, unterbricht den Strom der Anforderungen und kann beruflichen Stress reduzieren.

Auch privat muss nicht immer jede Minute hochaktiv verbracht werden. Menschen, die Mühe haben sich zu entspannen, kann es helfen, sich mit jemandem für eine ruhige Beschäftigung zu verabreden. Das kann ein Spaziergang sein oder man kann zusammen etwas kochen oder sich einen Film anschauen. Wichtig ist, während dieser Zeit anderes beiseite zu schieben, sozusagen einen klaren Geist zu bekommen und in Ruhe den Moment zu genießen.

>> Machen Sie Ihren Alltag ganz einfach stressfreier

Hilfe bei Stress

Was kann ich tun, wenn ich mich total gestresst und ausgelaugt fühlt?

Besteht eine Dysbalance zwischen Anforderungen und Bewältigungsfähigkeiten über längere Zeit, kann diese Überforderung an unseren Reserven zehren. Wir fühlen uns ausgelaugt und leer. In diesem Fall reicht es nicht, den Stress bzw. die Anforderungen und Belastungen zu reduzieren. Gleichzeitig müssen wir auch die Bewältigungsfähigkeiten erhöhen und uns regenerieren, sozusagen "die Batterien wieder aufladen". Für die Tibeter geht es darum, semde – die mentale Gelassenheit – wiederzufinden.

Hierzu gibt es viele einfache Möglichkeiten und Methoden. Den einen gibt Sport die Möglichkeit, den Kopf freizukriegen und sich mental zu erholen, andere finden Entspannung im Zusammensein mit Freunden oder Familie. Natürlich sind auch genügend Schlaf und regelmäßige, gesunde Mahlzeiten wichtig.

>> 8 Schmerzen, die durch Gefühle verursacht werden

Burnout

Was sind die ersten Anzeichen für Burnout?

Stehen wir über längere Zeit unter erhöhtem Stress und fahren wir ständig an der Leistungsgrenze, kann das zu Müdigkeit und Erschöpfung führen. Das ist grundsätzlich normal. Kritisch wird es, wenn uns auch genügend Schlaf und die Freizeit – wie Wochenende oder Ferien – nicht mehr die Energie zurückgeben. Erste Anzeichen für ein Burnout können z. B. anhaltende Gereiztheit, unruhiger Schlaf, Appetitlosigkeit und fehlende Konzentration sein. Weitere Warnzeichen sind ein Gefühl der inneren Leere und der Sinnlosigkeit, Lustlosigkeit und Resignation bis hin zu Angstzuständen und Depression.

>> Daran erkennen Sie eine versteckte Depression

Gibt es eine natürliche Lösung bei Burnout?

In erster Linie muss die Dysbalance, die zum Gefühl von Stress und zur Überforderung führt, korrigiert werden. Einerseits durch Verminderung der Stressfaktoren, wobei Maßnahmen zur Entschleunigung helfen. Andererseits müssen die eigenen Ressourcen und die Bewältigungsmöglichkeiten gestärkt werden. Dazu sind Entspannungsphasen wichtig, um einen klaren Geist zu fördern, aber auch spezielle Entspannungstechniken wie z. B. Meditation oder Atemübungen oder die Hilfe eines Therapeuten können dazu beitragen.

>> Darum leiden wir immer häufiger unter Stress und Burnout

Was genau das Lung ist, wie Dysbalancen im Körper behoben werden können und was uns die Tibetische Konstitutionslehre lehren kann, das lesen Sie auf der nächsten Seite.

 

Die Tibetische Konstitutionslehre

Was versteht die Tibetische Konstitutionslehre unter Dysbalancen?

Die Tibetische Konstitutionslehre vereint jahrhundertealtes Wissen aus verschiedenen asiatischen Kulturen, insbesondere aus der Himalaya Region. Sie kennt drei grundlegende Prinzipien, die in jedem Menschen vorkommen und je nach Konstitution in unterschiedlichem Maß vorhanden sind. Diese Prinzipien sind Lung, Tripa und Beken.

  • Lung ist das bewegende Prinzip und beinhaltet das Element Luft. Es ist von kühler und trockener Natur und verantwortlich für die körperliche und geistige Beweglichkeit. Eine Lung-Dysbalance, d.h. ein Überschuss an Lung kann sich in Übersensibilität und geistiger und psychischer Instabilität äußern.
  • Tripa ist das abbauende Prinzip und beinhaltet das Element Feuer. Es ist verantwortlich für Tatkraft, Mut und für die Kraft des medrod (tibetisch für Verdauungsfeuer). Ein Tripa-Überschuss führt zu einer Erhöhung des Elements Wärme und kann sich in Gefühlen von Ärger, Frustration und Zorn äußern.
  • Beken ist das aufbauende Prinzip und beinhaltet die Elemente Erde und Wasser. Es ist von kalter Natur und verantwortlich für Gemütsruhe, Ausdauer und Stabilität. Ein Beken-Überschuss kühlt den Organismus und den Stoffwechsel herunter und kann sich in Zunahme von geistiger und körperlicher Trägheit und Schwere äußern.

Am wohlsten fühlt sich ein Mensch, wenn diese drei Prinzipien in Balance sind.

>> Bei diesen Krankheiten ist Sport gut

Was können wir noch von der Tibetischen Konstitutionslehre lernen?

Ungünstige Ernährung und Verhaltensweisen sind die Hauptursachen von Dysbalancen der drei Prinzipien Lung, Tripa und Beken. Verhaltenstipps und eine typengerechte Ernährung sind daher das wichtigste Mittel, Balance und Wohlbefinden zu erhalten. Beispielsweise sollten kalte Getränke und zu viel Rohkost vermieden werden. Beides wirkt kühlend und kann besonders beim Lung- und Beken-Typ zu Dysbalancen und zu einer Verminderung des Verdauungsfeuers (medrod) führen.

Hier können z. B. wärmende Lebensmittel und ergänzend Gewürzkräuter wie Galgant, Kardamom oder langer Pfeffer einen positiven Beitrag leisten. Das Lung-Prinzip dagegen wird durch unseren westlichen Lebensstil, der oft gehetzt und von Zeitdruck, hohen Anforderungen in Beruf und Familie sowie einem Übermaß an Reizen aus elektronischen Medien geprägt ist, gefördert. Bei einem Überschuss können Meditation, Achtsamkeit sowie ergänzend Gewürzkräuter wie Kümmel, Muskatnuss und Myrobalanenfrüchte die Lung-Balance wiederherstellen.

Seite