08.06.2017

Britische Studie Schaden schon kleine Mengen Alkohol dem Gehirn?

Für viele gehört das Glas Rotwein zum Feierabend dazu. Doch wie gesund ist moderater Alkoholkonsum wirklich?

Foto: iStock/kupicoo

Für viele gehört das Glas Rotwein zum Feierabend dazu. Doch wie gesund ist moderater Alkoholkonsum wirklich?

Ab und zu ein Gläschen Wein hat noch niemandem geschadet, oder? Eine neue Studie stellt die Harmlosigkeit gemäßigten Alkoholkonsums in Frage.

Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren. Dieses Sprichwort scheint für viele Programm zu sein. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) liegt der Pro-Kopf-Alkoholverbrauch in Deutschland bei mehr als 9 Litern – reinen Alkohols (2015). Am allerliebsten greifen die Deutschen zum altbewährten Glas Bier, gefolgt von Wein, Schaumwein und Spirituosen. Alkohol schmeckt, macht munter und gesellig und gehört für viele dazu wie das Amen in der Kirche.

Ist der Konsum von Alkohol in maßvollen Mengen in Ordnung?

Die Ergebnisse einer neuen Studie verneinen das. So wollen britische Forscherinnen und Forscher der University of Oxford herausgefunden haben, dass schon geringe Mengen Alkohol dem Gehirn schaden.

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Die Forscher werteten die Daten von mehr als 500 gesunden Männern und Frauen aus mehreren Jahren aus und kamen zu dem Schluss: bei einem Alkoholkonsum von mehr als 240 Gramm Alkohol pro Woche war das Risiko für einen Abbau der grauen Substanz und einen Gewebeschwund im Hippocampus am höchsten. Dieser Bereich im menschlichen Gehirn ist vor allem fürs Lernen zuständig, hier sitzt unser Gedächtnis. Außerdem ist er zuständig für Emotionen und Orientierung.

Aber auch bei denjenigen Studienteilnehmern, die Alkohol nur "moderat" genossen, die also etwa zwischen 56 und 112 g Gramm Alkohol pro Woche tranken, konnten die Forscher signifikante Schäden im Hippocampus messen. Zum Vergleich: das sind etwa drei bis sechs Flaschen Bier pro Woche.

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Gibt es kognitive Unterschiede bei Menschen, die Alkohol konsumieren?

Und noch ein weiteres Ergebnis der Studie dürfte Freunde des Alkoholgenusses wenig begeistern: Der Gesundheitszustand derer, die gar keinen Alkohol konsumierten, war auch insgesamt besser als der der Teilnehmer, die nicht mehr als 56 Gramm Alkohol pro Woche tranken. So wiesen die Abstinenzler auch nach 30 Jahren fast unveränderte kognitiv-sprachliche Fähigkeiten auf. Bei den Teilnehmern, die Alkohol konsumierten, stellten die Forscher hingegen Defizite in diesem Bereich fest. Einen gesundheitsfördernden Effekt von Alkohol konnten die Forscher ebenfalls nicht feststellen.

Wie gefährlich ist übermäßiger Alkoholkonsum für den Körper?

Alkoholkonsum kann zu erheblichen Folgeschäden führen. Jeder einzelne Schluck des berauschenden Nervengifts beeinflusst die Kommunikation in unserem Gehirn. Alkohol greift die Organe an, kann den Blutdruck erhöhen und das Krebsrisiko steigern. Bei erhöhtem Konsum kann es zu Aggressivität, Wahrnehmungsstörungen und damit einer erhöhten Unfallgefahr kommen. Das weiß jeder, der schon einmal zu tief ins Glas geguckt hat.

Und auch psychische Erkrankungen, wie Depressionen und Angstzustände und natürlich Alkoholismus können die Folge sein. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland gelten als alkoholabhängig. Pro Jahr sterben in Deutschland schätzungsweise 74.000 Menschen an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen.

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All das ist hinlänglich bekannt – und trotzdem gibt es immer wieder Meldungen, wonach moderater Alkoholkonsum, etwa das berühmte Glas Rotwein am Tag gesundheitsfördernd, ja sogar lebensverlängernd wirke.

Doch was ist moderater Alkoholgenuss eigentlich?

Darauf geben Forscher unterschiedliche Antworten, die sich sogar von Land zu Land unterscheiden. Prof. Andreas Pfeiffer, Leiter der Medizinischen Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Charité Berlin empfiehlt Frauen, nicht mehr als zehn bis 20 Gramm Alkohol zu trinken, das entspricht etwa 0,2 Litern Wein. Bei Männern dürfen es bis zu 30 Gramm sein. Und auch die DHS gibt als „risikoarmen Wert“ eine Menge von 12 g (Frauen) bis 24 g (Männer) heraus. Täglicher Alkoholkonsum solle jedoch vermieden werden.

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Ist jetzt also totale Abstinenz angesagt?

Es ist sicherlich schwierig, von allgemeinen statistischen Ergebnissen auf die individuellen Auswirkungen auf den Einzelnen zu schließen. Trotzdem zeigen die Ergebnisse, dass entgegen der allgemeinen Vorstellung schon geringer Alkoholkonsum der Gesundheit schaden könnte und sie nicht verbessert.

Ob nun moderater Alkoholgenuss oder vollständige Abstinenz – fest steht: wer auf seine Ernährung achtet, nicht raucht und sich ausreichend bewegt, ist auf jeden Fall auf der sicheren Seite! Und das ganz ohne schlechtes Gewissen.

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