23.05.2017

Nicht ausreichend geimpft 37-Jährige ist der erste Masern-Todesfall in diesem Jahr

Foto: iStock/czarny_bez

Masern sind weder harmlos noch eine reine Kinderkrankheit – jetzt ist eine 37-Jährige an der Viruserkrankung gestorben. Ihr Impfschutz war offenbar nicht ausreichend.

Die letzte große Masernwelle hatte 2015 in Deutschland für Aufsehen und größere Impfbereitschaft gegen die gefährliche Krankheit gesorgt. Doch schnell ist die Zahl wieder zurückgegangen.

Jetzt ist eine 37 Jahre alte Frau an Masern gestorben – sie ist das erste Todesopfer in diesem Jahr. Trotz einer intensivmedizinischen Behandlung in der Uniklinik sei ihr Tod ziemlich schnell eingetreten, heißt es aus dem dortigen Gesundheitsamt. Eine vorhandene Impfung sei offenbar nicht ausreichend gewesen.

Schon im Februar vermeldete das Robert Koch-Institut, 2017 könnte ein Jahr mit relativ vielen Masernfällen werden. Seit Jahresbeginn seien schon mehrere Masernherde bundesweit aufgetreten. Besonders in Ballungsräumen hätten es die Viren immer noch recht leicht, weil auf eine hohe Bevölkerungsdichte eine potenziell höhere Zahl an Menschen komme, die keinen Schutz gegen Masern haben.

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Ein unzureichender Impfschutz entsteht unter anderem, wenn Kinder oder Erwachsene die zweite Masern-Impfung verpassen. Eine erste Impfung gegen Masern empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) bei Kindern ab dem 11. Monat. Zur Absicherung rät sie zu einer zweiten Impfung, weil das Immunsystem nicht immer ausreichend auf die erste Impfung reagiert.

Viele Gründe für mangelnden Impfschutz

"Die Gründe für eine fehlende Masernimpfung sind vielfältig", sagt Barbara Mühlfeld, Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Hessen. Impfkritiker hielten Masern für eine harmlose Kinderkrankheit und bezweifelten die Wirksamkeit einer Impfung. Die Kinderärztin beobachtet, dass viele Eltern unsicher sind: Sie informierten sich im Internet und ließen sich von Argumenten der Impfgegner irritieren. "Sie wollen nur das Beste für ihre Kinder", sagt Mühlfeld. "Sie wissen oft nicht, wem sie glauben sollen."

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Die Ärztin hält es deshalb für notwendig, beispielsweise auch an Schulen stärker über Impfungen aufzuklären. "Die Entscheidung zum Impfen bleibt ja eine individuelle." Der Berufsverband spricht sich für eine Masern-Impfpflicht vor dem Eintritt in öffentliche Einrichtungen aus. Besonders an Schulen und Kitas sei eine Impfpflicht zum Schutze aller sinnvoll, sagt Mühlfeld.

Nach Berichten über Maserntote gehen Impfzahlen immer hoch

2015 war während einer Masern-Epidemie in Berlin über eine Impfpflicht diskutiert worden. Daraufhin wurde eine verpflichtende Impfberatung vor dem Eintritt in Kitas eingeführt, die Impfdosen waren auf 2,3 Millionen angestiegen – damals ein Zuwachs um 46 Prozent im Vergleich zu 2014. Doch Masern gelten immer noch als Kinderkrankheit und werden gerade von jungen Erwachsenen oft unterschätzt.

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So haben sich 2016 in Deutschland wieder weniger Menschen impfen lassen. Es seien 1,9 Millionen Impfdosen von Apotheken an Ärzte abgegeben worden, teilte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) mit.

Verhängnisvolle Impflücken

Zahlreiche Menschen sind bereits vor Jahrzehnten durchs Raster gefallen, weil damals vielerorts nur unzureichend oder gar nicht geimpft wurde. Bei vielen entstanden so Impflücken, die auch Kindern zum Verhängnis werden können: In den ersten Lebensmonaten können Mütter ihre Babys zwar über den sogenannten Nestschutz vor Masern und anderen ansteckenden Krankheiten bewahren – das gilt aber nur, wenn sie selbst Antikörper haben, weil sie geimpft wurden oder eine Masernerkrankung hatten.

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Bei Babys ist die Erkrankung besonders gefürchtet, weil es als seltene Spätfolge zu einer chronischen, tödlichen Maserngehirnentzündung kommen kann. Insbesondere beklagen die Fachleute, dass Impfgegner etwa im Internet versuchten, die Impfung mit falschen Angaben in Misskredit zu bringen.

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