26.05.2017

Wenn der Rücken weh tut Von Orthopäde bis Osteopath: Welcher Experte für was gut ist

Von

In welcher Arztpraxis wird Patienten mit Rückenschmerzen und anderen Beschwerden geholfen? Hier gibt's einen Überblick.

Foto: iStock/HASLOO

In welcher Arztpraxis wird Patienten mit Rückenschmerzen und anderen Beschwerden geholfen? Hier gibt's einen Überblick.

Bei Rückenschmerzen bieten sich oft mehrere Fach-Disziplinen an. Wir nehmen die wichtigsten mit Prof. Dr. Dietmar Daichendt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirotherapie und Osteopathie, unter die Lupe.

1. Orthopäde

Hier lohnt sich der Termin: Der Orthopäde ist auf alle Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparatsspezialisiert: Bandscheibenvorfälle, Entzündungen der Wirbelgelenke usw. Er behandelt Patienten direkt oder veranlasst zunächst ein Röntgenbild oder MRT - um dann je nach Ergebnis z. B. Schmerzmittel zu verschreiben oder ein Rezept für Physiotherapie oder Krankengymnastik auszustellen.

Diese Ausbildung hat er: Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Das kostet eine Sitzung: Die Behandlung bezahlt die Krankenkasse.

>> Ischias: Wenn Rückenschmerzen bis in den Fuß schießen

2. Chirotherapeut

Hier lohnt sich der Termin: Er ist der Spezialist für Wirbelsäule und Gelenke und gefragt, wenn die Schmerzen unspezifisch sind, also kein Bandscheibenvorfall o. ä. Ursache ist. Wenn die Schmerzen eher an einer Stelle zu spüren sind und es sich anfühlt, als wäre etwas „eingeklemmt“, ist der Chirotherapeut der richtige Ansprechpartner.

Mit speziellen Handgriffen sorgt der Chirotherapeut für kleinste Bewegungen der Gelenke. Er verschiebt Wirbel sanft, um den natürlichen Bewegungsablauf wieder herzustellen.

Diese Ausbildung hat er: „Chirotherapeuten“ sind weitergebildete Fachärzte, „Chiropraktiker“ sind in der Regel Heilpraktiker mit Zusatzausbildung. Manchmal aber auch ohne - der Begriff ist in Deutschland nicht geschützt.

Das kostet eine Sitzung: Beim ärztlichen Chirotherapeuten 60 bis 80 Euro. Die Kosten übernimmt die Kasse. Beim Chiropraktiker sind es ca. 80 bis 120 Euro. Gesetzliche Krankenkassen zahlen in der Regel nicht, nur in Ausnahmefällen.

>> Bei diesen Krankheiten ist Sport gut

3. Osteopath

Hier lohnt sich ein Termin: Etwa wenn die Behandlung durch den Chirotherapeuten oder -praktiker bzw. beim Orthopäden nur kurzzeitig geholfen hat. Die Schmerzen kehren zurück, strahlen aus. Im Vergleich zum Chirotherapeuten behandelt der Osteopath nicht nur die Schmerzstelle, sondern hat das Zusammenspiel von Gelenken, Organen, Muskeln und Geweben im Blick.

Er sucht mit den Händen nach der Schmerzursache. Entlang des Fasziengewebes ertastet er Blockaden und löst sie. Vielleicht liegen auch Organstörungen den immer wiederkehrenden Rückenschmerzen zugrunde? Osteopathie hilft also bei chronischen Beschwerden, auch bei Migräne, Durchblutungsstörungen oder z. B. bei Magenschmerzen.

Diese Ausbildung hat er: „Osteopath“ ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Eigentlich müsste man von osteopathischen Therapeuten sprechen oder von Therapeuten, die Osteopathie betreiben. Im Idealfall sind das Ärzte, die eine vierjährige Zusatzausbildung absolviert haben.

Nichtärztliche „Osteopathen“ sind meist Heilpraktiker oder Physiotherapeuten. Letztere dürfen nur auf ärztliche Anordnung tätig werden.

Das kostet eine Sitzung: Beim ärztlichen Osteopathen 200 bis 250 Euro. Heilpraktiker nehmen ca. 120 Euro. Manche Krankenkassen (nachfragen) geben um die 70 Euro Zuschuss pro Sitzung, für bis zu sechs Behandlungen pro Jahr.

>> Alles für einen starken Rücken

4. Craniosacral-Therapeut

Hier lohnt sich der Termin: Er ist der Auffassung, dass die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeiten einen eigenen Puls haben. Diesen ertastet er, zieht daraus Rückschlüsse auf Störungen im Gewebe und beeinflusst ihn durch Grifftechniken, etwa an den Schädelknochen.

So möchte der Craniosacral-Therapeut Beschwerden wie Rückenschmerzen und Schulterverspannungen, aber auch Migräne, Tinnitus und Rheuma behandeln.

Diese Ausbildung hat er: Die Craniosacral-Therapie hat ihren Ursprung in der Osteopathie. Physiotherapeuten, Heilpraktiker oder auch Ärzte können sie erlernt haben. Die Methode ist von allen am wenigsten wissenschaftlich belegt und sollte nur ergänzend zu ärztlichen Maßnahmen in Anspruch genommen werden.

Das kostet eine Sitzung: Etwa 80 bis 120 Euro, die der Patient selbst bezahlen muss.

>> Rückenschmerzen: die wichtigsten Fakten zu Ursachen und Behandlung

Gut zu wissen

Rückenschmerzen gehören zuerst in ärztliche Hände, etwa die eines Orthopäden oder natürlich des Hausarztes. Der Arzt kann dann empfehlen, die Beschwerden z. B. von einem Osteopathen oder vom Physiotherapeuten (für ihn ist immer ein Rezept nötig) behandeln zu lassen.

>> Ärzte behandeln Rückenschmerzen oft falsch

Ärztliche Chirotherapeuten und Ostheopaten finden Sie über die Suchfunktion auf www.dgco.de, Osteopathen auch über www.dgom.info. Craniosacral-Spezialisten gibt es auf www.cranioverband.org. Auf www.dgou.de können Sie Orthopäden suchen.

Mehr zum Thema Rückenschmerzenund Rheuma

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 20.

Seite