25.02.2017

Hautkrankheiten Schuppenflechte: Es kommt auf die richtige Therapie an

Makellose Haut ist ein Zeichen von Gesundheit. Umso belastender ist es, wenn die Haut krank wird.

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Makellose Haut ist ein Zeichen von Gesundheit. Umso belastender ist es, wenn die Haut krank wird.

Wir sprachen mit Professor Dr. Kristian Reich vom Dermatologikum Hamburg, der uns die Hintergründe der unheilbaren Erkrankung erklärt und wie man sie in Griff bekommt.

Die Haut ist der Spiegel der Seele – so sagt es der Volksmund. Stress und psychische Belastung können deshalb auch der Auslöser für die Volkskrankheit Psoriasis sein. In Deutschland leiden etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung unter der chronisch entzündlichen Hauterkrankung. Bildderfrau.de sprach mit Professor Dr. Kristian Reich, Spezialist für Immunologie am Dermatologikum Hamburg, über die Ursachen der Schuppenflechte, welche Folgeerkrankungen beachtet werden müssen und welche Behandlungen Erfolge zeigen.

bildderfrau.de: Was versteht man unter Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt?

Prof. Dr. Kristian Reich: Die Psoriasis ist eine genetisch bedingte überschießende Abwehrreaktion der Haut. Das Immunsystem ist nicht geschwächt, sondern arbeitet zu viel, da es nichts zu reparieren, oder abzuwehren gibt. An dem Programm ist eine Entzündungsreaktion, die zur Rötung führt, und eine vermehrte Neubildung von Hornzellen, die zur Schuppenbildung führt, beteiligt. Die Ursache der gesteigerten Hautreaktion ist eine genetische Neigung, wobei bisher fast 40 Genorte entdeckt wurden, die eine Rolle spielen können. Bei der ersten Auslösung spielen oft Triggerfaktoren wie ein Infekt, die Einnahme eines Medikaments oder eine starke psychosoziale Anspannung eine Rolle.

Wie ist der Krankheitsverlauf?

Wenn die Schuppenflechte sich einmal an der Haut manifestiert hat, ist der Verlauf oft chronisch, das heißt, die Erkrankung bleibt das ganze Leben bestehen, wobei manche Patienten ständig unter der Schuppenflechte leiden, andere auch ohne Therapie Phasen mit niedriger Krankheitsaktivität oder sogar Erscheinungsfreiheit haben.

Wie kann man sie behandeln?

Fast jeder Patient kann heute so therapieret werden, dass man die Erkrankung nicht sieht und ein weitgehend normales Leben möglich ist! In leichten Fällen können spezielle von außen in Form von Cremes, Salben oder Schäume angewandte Therapeutika ausreichend wirksam sein. In schwereren oder hartnäckigen Fällen kann eine Lichttherapie wirksam sein. Zur langfristigen Kontrolle kommen vor allem verschiedene Medikamente in Form von Tabletten oder Spritzen zum Einsatz.

Zu Schuppenflechte kann Rheuma hinzukommen

Spielen Faktoren wie Cremes, Schminke, Waschmittel eine Rolle?

Nur bei einigen Patienten. Grundsätzlich sollten Reizungen und Irritationen der Haut vermieden werden, da sie die Schuppenflechte begünstigen können. Aber spezielle Einschränkungen oder Empfehlungen gibt es nicht. Die Haut sollte zumindest so gepflegt sein, dass sie nicht sehr trocken ist.

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Können Stress oder falsche Ernährung die Krankheit beeinflussen?

Nur bei einigen Patienten können verstärkende oder auslösende, so genannte Triggerfaktoren identifiziert werden. Das sind in der Praxis vor allem Infekte, die das Immunsystem aktivieren und damit die Schuppenflechte verschlechtern können. Eine normale berufliche Anspannung und Ernährung spielen in der Regel keine Rolle. Bei manchen Patienten kommt es in Stresssituationen zu einem vermehrten Jucken der Haut, das Kratzen kann die Schuppenflechte lokal dann zusätzlich verstärken.

"Die Schuppenflechte gilt als eine der chronischen Erkrankungen, die die Menschen am meisten beeinträchtigen."

Ist eine Schuppenflechte erblich?

Ja, aber nicht so, dass ein Gen eine dominante Rolle spielt, sondern dass verschiedene genetische Variationen die Bereitschaft der Haut verstärken, eine überschießende Abwehr- und Reparaturreaktion zu entwickeln. Das bedeutet auch, dass die Wahrscheinlichkeit eines Kindes von einer Patientin oder einem Patienten mit Schuppenflechte selbst Schuppenflechte zu entwickeln, allenfalls leicht erhöht ist. Gentests machen hier gar keinen Sinn.

Ab welchem Alter tritt die Schuppenflechte auf?

Die Schuppenflechte kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten, meisten beginnt sie zwischen dem 20sten und 40sten Lebensjahr. Aber auch fast ein Prozent der unter 18-Jährigen leiden unter der Hauterkrankung.

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Auch die Psyche leidet

Im Extrem-Fall - wie kann sich eine Schuppenflechte auswirken?

Die Schuppenflechte zeigt sich mit entzündeten schuppenden Herden an der Haut. Kopfhaut, Nägel und Genitalbereich können betroffen sein. Bei etwa jedem fünften Patienten gibt es einen Befall von Fußsohlen und Handinnenflächen. Bei leichter Ausprägung an Stellen die sich verbergen lassen ist das vielleicht kein großes Problem, bei stärkerem Befall mit Beteiligung sichtbarer Areale ist der Leidensdruck der betroffenen Patienten oft sehr hoch.

Das heißt, auch die Psyche kann in Mitleidenschaft gezogen werden?

Selbstverständlich. Die Schuppenflechte gilt als eine der chronischen Erkrankungen, die die Menschen am meisten beeinträchtigen. Betroffene Patienten verstecken sich vor anderen Menschen, Beziehungen und berufliche Karriere werden in beeinflusst. Ein schlechtes Selbstwertgefühl und geringes Selbstvertrauen oder sogar Depressionen können die Folge sein. Daher ist es so wichtig, die Erkrankung ernst zu nehmen und den Patienten unter Nutzung aller heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

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Gibt es aus der Schuppenflechte Folgeerkrankungen?

Ganz wichtiges Thema. Die Schuppenflechte wird nicht länger als reine Hauterkrankung angesehen, sondern als entzündliche Systemerkrankung mit einer Reihe von typischen Begleiterkrankungen. Dazu gehört dass Patienten mit Schuppenflechte auch an anderen Organen häufiger an entzündlichen Veränderungen leiden, zum Beispiel am Darm. 20% bis 30% der Patienten mit Schuppenflechte entwickeln eine entzündliche Gelenkerkrankung, die als Psoriasis-Arthritis bezeichnet wird.

Bei Auftreten von Morgensteifigkeit, geröteten oder geschwollenen Gelenken oder auch von Schmerzen an den Sehnenansätzen sollten sich Patienten mit Schuppenflechte beim Hautarzt oder beim Rheumatologen vorstellen. Patienten mit Schuppenflechte haben auch häufiger Risikofaktoren für Herz- Kreislauferkrankungen wie Übergewicht oder Bluthochdruck und haben ein erhöhtes Risiko für Herz- Kreislaufereignisse bis hin zu Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das gilt besonders für schwerer betroffene Patienten. Deswegen sollte nicht nur die Hautentzündung gut kontrolliert werden, sondern der Patient möglichst auf eine gesunde und ausgewogen Ernährung achten, körperlich aktiv sein, ein Normalgewicht einhalten und nicht rauchen.

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