25.09.2019

Sieben Mythen Das sollten Sie über Antibiotika wissen

Antibiotika sollten grundsätzlich nur nach Absprache mit einem Arzt eingenommen werden – und immer so, wie der Arzt es verordnet oder wie es in der Packungsbeilage steht. Wir klären über Antibiotika-Mythen auf.

Foto: iStock / Sam Edwards

Antibiotika sollten grundsätzlich nur nach Absprache mit einem Arzt eingenommen werden – und immer so, wie der Arzt es verordnet oder wie es in der Packungsbeilage steht. Wir klären über Antibiotika-Mythen auf.

Sind Antibiotika gefährlich? Machen sie mich resistent? Und helfen sie bei Erkältungen? Stiftung Warentest klärt über 7 Antibiotika-Mythen auf.

Entzündete Blase, vereiterte Mandeln oder eine gefährliche Lungenentzündung – Antibiotika werden in der Medizin häufig als Allzweckwaffe angesehen. Die Arzneien töten Krankheitserreger ab oder verhindern zumindest, dass sich Keime vermehren. Aber sind Antibiotika wirklich so vielseitig einsetzbar? Und welche Gefahren bestehen bei der Einnahme? Stiftung Warentest hat sieben Mythen über Antibiotika unter die Lupe genommen.

1. Mythos: Antibiotika helfen gegen Erkältungen

Nein. Atmenwegs-Infekte werden meist durch Viren verursacht. Antibiotika helfen nur gegen Bakterien. Sogar eine richtige Grippe ist fast immer eine Virenerkrankung. Ein Arzt kann feststellen, ob eine Viren- oder eine Bakterien-Erkrankung vorliegt und anschließend die passende Therapie verordnen.

2. Mythos: Antibiotika machen mich resistent

Das kann man so nicht sagen. Der Körper gewöhnt sich nicht an Antibiotika – aber die Bakterien gewöhnen sich dran. Sie werden widerstandsfähiger, so dass das Arzneimittel nicht mehr richtig wirken kann. Deshalb sollten Antibiotika auch nicht zu unnötig und nur so, wie der Arzt verschrieben hat, eingenommen werden

3. Mythos: Antibiotika gehören in jede Hausapotheke

Falsch! Antibiotika sind rezeptpflichtig. Sie sollten auch wirklich nur eingenommen werden, wenn sie von einem Arzt verordnet wurden – und auch nur die Sorte, die verordnet wurde. Es gibt verschiedene Antibiotika-Arten, die gegen verschiedene Bakterien helfen, gegen andere wiederum nicht. Übrig gebliebene Antibiotika oder alte Arzneimittel sollten entweder im Hausmüll entsorgt werden oder bei einer Apotheke oder einer Schadstoffsammelstelle abgegeben werden.

4. Mythos: Antibiotika sind gefährliche Arzneimittel

Antibiotika sind nicht riskanter als andere Medikamente, sie können aber durchaus Nebenwirkungen hervorrufen. Hierzu zählen beispielsweise Allergien, Hautausschläge, Durchfall oder Magen-Darm-Beschwerden.

5. Mythos: Antibiotika sind die reinsten Chemiekeulen

Nein, die meisten Antibiotika haben sogar einen natürlichen Ursprung und sind aus Pilzen oder anderen Mikroorganismen gewonnen. So stammt beispielsweise das breit genutzte Antibiotika Penicillin aus Schimmelpilzen.

6. Mythos: Wer sich besser fühlt, kann sein Antibiotikum absetzen

Falsch. Auch wenn die Beschwerden nach einigen Tagen zurückgehen, ist das Bakterium häufig noch nicht ganz beseitigt. Deshalb sollte das Antibiotikum immer komplett verbraucht oder wie vom Arzt verschrieben eingenommen werden. Sonst können sich Reste des Bakteriums doch weiter ausbreiten und die Gefahr, Resistenzen zu entwickeln, steigt.

7. Mythos: Antibiotika vertragen sich nicht mit Milch

Das gilt nicht für alle Antibiotika, aber für einige. Nicht mit Milch sollten beispielsweise die Wirkstoffe Tetrazyklin, Doxyzykin, Minozyklin oder Ciprofloxazin und Norfloxazin eingenommen werden. Denn durch die Milch kann der Wirkstoff schwerer ins Blut gelangen und wirkt somit schwächer. Immer wichtig: Lesen Sie vor der Einnahme den Beipackzettel genau und halten Sie sich strikt an die vorgegebenen Einnahme-Empfehlungen.

Auch koffeinhaltige Getränke können bei bestimmten Antibiotika ungünstig sein, etwa bei Gyrasehemmern. Sie hemmen den Koffeinabbau im Körper, was zu Herzrasen und Schlafstörungen führen kann.

Ähnliches gilt für Grapefruitsaft: Dieser kann die Wirkung und Aufnahme von bestimmten Antibiotika (etwa Makrolidantibiotika wie Clarithromycin und Gyrasehemmer wie Ciprofloxacin) beeinflussen.

Übrigens ist es auch besser, auf den Konsum von Alkohol zu verzichten, während die Antibiotika-Therapie läuft. Alkohol kann die Wirkung ungünstig beeinflussen – zudem sollte man den Körper nicht noch zusätzlich schwächen, indem man ihm den Abbau von Alkohol aufbürdet.

Frauen sollten außerdem beachten, dass die Einnahme von Antibiotika die verhütende Wirkung der Pille mindern kann, weil das Arzneimittel die Darmflora und damit die Aufnahme der Hormone beeinträchtigt. Während der Therapie ist daher ein zusätzlicher Schutz mit Kondomen ratsam.

Nicht immer sind aber gleich Antibiotika nötig, etwa bei einer leichten Blasenentzündung. Wenn die Beschwerden jedoch lange anhalten, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Es gibt eine Reihe Natur-"Antibiotika", die bei leichten Beschwerden helfen können. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie:

Aber: Bei all der wirkungsvollen Naturheilkunde ist ärztlicher Rat vor allem bei Beschwerden wichtig, die länger als eine Woche anhalten oder schlimmer werden!

Mehr zum Thema Erkältung lesen Sie auf unserer Themenseite.

Nicht alle Antibiotika werden gut vertragen, und manche Arten haben tatsächlich mehr Nebenwirkungen im Gepäck als andere. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im April 2019 eine Warnung vor bestimmten Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone ausgesprochen. Ärzte können aber wirkungsvolle, risikoärmere Alternativen verschreiben.

Bei einem kürzlich erfolgten Experten-Treffen wurde Antibiotikaresistenzen der Kampf angesagt.