16.12.2016

Interview Vielfältige Ernährung ist wichtig in der Winterzeit

Aronia zählt aufgrund seiner hohen Nährstoffdichte zu den sogenannten Superfoods. Aber wie gut sind sie wirklich?

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Aronia zählt aufgrund seiner hohen Nährstoffdichte zu den sogenannten Superfoods. Aber wie gut sind sie wirklich?

Obwohl Aronia-Beeren vorrangig aus Osteuropa kommt, gibt es auch in Deutschland Anbaugebiete. Was die blaue Beere für uns tun kann, verriet uns Dr. Meiser im Interview.

Superfoods sind derzeit in aller Munde, allen voran die Aroniabeere. Wir wollte mehr über die Beere erfahren und sprachen mit dem Pharmazeuten Dr. Meiser nicht nur über Aronia-Beeren, sondern bekamen auch hilfreiche Tipps, wie wir gesund durch den Winter kommen.

bildderfrau.de: Erzählen Sie unseren Lesern doch mal ein wenig von sich.

Dr. Meiser: Ich habe Pharmazie studiert und wurde anschließend im Bereich Naturstoffforschung promoviert. Mit Sekundärmetaboliten aus Pflanzen oder auch Mikroorganismen beschäftige ich mich bis heute. Neben klassischen arzneilichen Wirkstoffen aus diesen Quellen tritt, so denke ich, wieder vermehrt ins Bewusstsein, dass wir auch über eine ausgewogene Zufuhr von Nahrungsmitteln gesundheitszuträgliche Effekte erzielen können.

Superfoods beherrschen nicht erst seit diesem Jahr die Foodie-Welt. Woher, glauben Sie, kommt dieses große Interesse an den sogenannten Superfoods?

Wahrscheinlich daher, dass man in einer schnelllebigen Welt den Anspruch hat, auf möglichst einfache Weise seinen Bedarf an Vitaminen, Spurenelementen und weiteren essentiellen Stoffen zu decken. Man sucht also nach Lebensmitteln mit hoher Nährstoffdichte.

Welches Superfood finden Sie aus Ihrer professionellen Perspektive wirklich sinnvoll?

Mit dem Begriff Superfood tue ich mich, ehrlich gesagt, ein wenig schwer. Es könnte dazu verleiten, nur noch bestimmte Lebensmittel zu sich zu nehmen. Vielfalt ist in der Ernährung aber wichtig. Sie sehen, hier möchte ich mich nicht festlegen. Orientieren kann man sich grundsätzlich am Gehalt wichtiger Nährstoffe oder auch sekundärer Pflanzenstoffe, wie den Polyphenolen.

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Deckt eine ausgewogene Ernährung nicht unseren Bedarf an Vitaminen und Mineralien ab bzw. kommen wir ohne Nahrungsmittelergänzungen aus?

Bei ausgewogener Ernährung ist nicht mit Mangelerscheinungen zu rechnen. Eine Sonderstellung nimmt das Vitamin D ein, bei welchem wir vor allem auf eine ausreichende Sonnenlichtexposition zur körpereigenen Synthese dieses Vitamins angewiesen sind. Die alleinige Zufuhr von Vitamin D über die Ernährung reicht in der Regel nicht aus. Bei weiteren Mikronährstoffen hat die Nationale Verzehrsstudie Mangelversorgungen in bestimmten Bevölkerungsgruppen festgestellt. Mit Nahrungsergänzungen kann man dem gezielt entgegenwirken. Wichtig ist hierbei jedoch, moderate Dosierungen zu wählen.

Neuerdings ist Aronia in aller Munde. Woher kommt plötzlich das große Interesse?

Die Aroniabeere weist einen außerordentlich hohen Anteil an den bereits erwähnten Polyphenolen auf. Diese Stoffe schützen Pflanzen vor Schädlingsbefall und UV-Strahlung, farbige Verbindungen locken Insekten zur Bestäubung ihrer Blüten an. Beim Menschen gibt es zahlreiche Hinweise auf Schutzwirkungen von Polyphenolen auf die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsformen.

>> Saftige Aronia-Muffins

Gibt es ein Rezept, mit dem man die Nährstoffe der Aronia-Beere besonders gut aufnehmen kann?

Polyphenole umfassen zahlreiche, unterschiedliche chemische Strukturen. Von einigen weiß man, dass sie sich durch Hitze abbauen bzw. verändern. Wichtig ist natürlich der Aufschluss der Bestandteile aus der Beere, sei es durch ordentliches Kauen oder eine schonende Aufarbeitung. Interessant ist, dass ein hoher Anteil der zugeführten Polyphenole nicht direkt aufgenommen, sondern im Dickdarm durch die Darmflora zu kleineren Verbindungen verstoffwechselt wird. Diese Verbindungen wiederum können antioxidative Wirkungen entfalten, entweder noch im Darmlumen, oder auch nach Aufnahme in den Körper.

>> Fruchtig-frischer Aronia-Smoothie

Sind wir mittlerweile zu Gesundheitsfanatikern und ständigen Selbstoptimierern geworden?

Es gibt zumindest viele Trends. Gut ist vielleicht, dass man bestimmte Verhaltensmuster hinterfragt – verzehre ich zu oft und zu viel Fleisch, sollte ich mehr Obst und Gemüse zu mir nehmen, woher stammen meine Lebensmittel? - und sich so bewusst die eine oder andere Verbesserung in der täglichen Ernährung vornimmt. Wichtig ist dann, positive Umstellungen beizubehalten. Das wird in aller Regel nur funktionieren, wenn die Veränderung nicht zu drastisch ist. Fanatismus ist nie gut, und aus meiner Sicht sollte die Freude am Essen nach wie vor im Vordergrund stehen.

Gerade jetzt, wo die Tage kürzer werden, wie können wir unser Immunsystem besonders gut schützen?

Ausreichend trinken, die Atemwege feucht halten, besagte ausgewogene Ernährung, regelmäßiges Händewaschen und trotz der kalten Tage Bewegung an der frischen Luft. Auch Ausschlafen hält uns gesund und fit, nicht nur im Winter.

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