11.10.2016

ALTERSFORSCHUNG Wie alt kann ein Mensch maximal werden?

Wie alt kann der Mensch maximal werden? Eine neue Untersuchung sorgt für Diskussionen

Foto: iStock/uuurska

Wie alt kann der Mensch maximal werden? Eine neue Untersuchung sorgt für Diskussionen

Wie alt können Menschen werden? Eine neue Studie sagt, dass die Grenze bei 125 Jahren liegen soll. Die Forscher sind sich aber nicht ganz einig.

Können Menschen theoretisch unbegrenzt leben oder gibt es eine Altersgrenze? Über diese Frage diskutieren Forscher bereits seit langem. Eine neue Studie besagt, dass die Obergrenze bei 125 Jahren liegen soll. Andere Altersforscher widersprechen dem.

Die Forscher um Jan Vijg vom Albert Einstein College of Medicine in New York untersuchten die Geburts- und Sterbedaten aus der Human Mortality Database. Anschließend analysierten sie Daten aus Frankreich, Japan, Großbritannien und den USA zum maximalen Lebensalter. Das Ergebnis: Seit den 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts hat sich das maximale Lebensalter nicht weiter nach hinten verschoben.

Studienleiter Vijg erklärt: "Demografen und Biologen haben argumentiert, es gebe keinen Grund anzunehmen, dass der derzeitige Anstieg der maximalen Lebensspanne demnächst endet". Vijg: "Aber unsere Daten sprechen dafür, dass das bereits geschehen ist, und zwar in den 90er-Jahren“.

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125 Jahre ist die Obergrenze

Die Forscher, deren Studie im Fachblatt "Nature" veröffentlicht wurde, schließen aus ihren Berechnungen, dass ein Alter von 125 Jahren mit großer Sicherheit die absolute Obergrenze sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person auf der Welt so ein Alter überschreite, liege bei weniger als eins zu 10.000.

Vijg kommt zu dem Ergebnis, dass weitere Fortschritte bei der Bekämpfung von Infektions- und chronischen Krankheiten die durchschnittliche Lebenserwartung zwar weiter anheben können, aber nicht die maximale Lebenserwartung verändern.

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Fehler in der Wissenschaft?

James Vaupel, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock widerspricht der Studie. “Es ist entmutigend, wie oft der gleiche Fehler in der Wissenschaft gemacht und in angesehenen Fachjournalen publiziert werden kann“, so Vaupel. Seiner Ansicht nach basiere die Publikation auf der selektiven Nutzung von Daten und ziehe einseitige Schlüsse, die durch die Daten nicht gedeckt werden.

Seiner Ansicht nach gibt es keine Hinweise auf eine natürliche Obergrenze der Lebenszeit. Vaupel: “Vor 100 Jahren nahm man an, dass die Lebenserwartung niemals 65 Jahre überschreiten werde. Als dann der Gegenbeweis sichtbar wurde, wurde die Grenze wieder und wieder nach oben verschoben.“

Auch Jay Olshansky aus Chicago hat sich zu dem Thema im Magazin “Nature“ geäußert. Er vergleicht die Lebensbeschränkung mit der begrenzten Laufgeschwindigkeit des Menschen. Es gebe keine genetische festgelegte Maximalgeschwindigkeit, aber unser Körperbau hat seine biomechanischen Grenzen.

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Lebenserwartung steigt immer weiter an

Der Hintergrund der Studie ist die steigende Lebenserwartung. Menschen, die im Jahr 1900 in Frankreich auf die Welt kamen, hatten eine Lebenserwartung von weniger als 45 Jahren. Im Jahr 2000 geborene Kinder haben dagegen eine Lebenserwartung von mehr als 75 Jahren. Experten erklären den Anstieg der Lebenserwartung um 30 Jahre innerhalb eines Jahrhunderts mit medizinischen und technologischen Fortschritten.

Und auch die aktuellen Zahlen in Deutschland belegen, dass wir immer älter werden. 2015 wurden Frauen durchschnittlich 83,4 Jahre und Männer 78,4 Jahre alt. Laut Statista soll der Wert bis zum Jahr 2060 um weitere vier Jahre klettern.

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Können wir immer älter werden oder gibt es eine Obergrenze?

Das maximale Alter zum Zeitpunkt des Todes ist in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls erheblich gestiegen. Das bedeutet, dass immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen. Ob es wirklich eine Alters-Obergrenze gibt oder nicht, diese Frage können die Forscher noch immer nicht endgültig beantworten – und das wird in den kommenden Jahrzehnten sehr wahrscheinlich auch so bleiben.

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