07.10.2016

RHEUMA, DIABETES UND CO. Diese Krankheiten kann schlechte Zahnhygiene auslösen

Regelmäßige Kontrolle ist wichtig: Erwachsene sollten mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt gehen. Kinder mindestens zweimal pro Jahr.

Foto: iStock/Wavebreakmedia

Regelmäßige Kontrolle ist wichtig: Erwachsene sollten mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt gehen. Kinder mindestens zweimal pro Jahr.

Unsere Zähne haben einen großen Einfluss auf die Gesundheit. Rheuma, Herzprobleme oder Diabetes – so gefährlich kann schlechte Zahnhygiene sein.

Eine Studie der Barmer GEK hat ergeben, dass die Deutschen Zahnarztmuffel sind. Rund 30 Prozent der Erwachsenen Mitglieder der Barmer GEK waren 2014 nicht beim Zahnarzt. Bei Kindern zwischen zwei und sechs Jahren besuchten sogar rund 60 Prozent im Jahr 2014 keinen Dentisten. Dabei sind eine gute Zahnhygiene und eine regelmäßige Vorsorge sehr wichtig für die gesamtgesundheitliche Situation.

Kranke Zähne oder entzündetes Zahnfleisch haben weit mehr Einfluss auf die Gesundheit, als die meisten denken. Die häufigsten Zahnerkrankungen sind Karies und Parodontitis (Zahnfleischerkrankung) ­– beides klingt nicht dramatisch ­– aber beide Krankheiten können sich unbehandelt im ganzen Körper ausbreiten und schlimme Erkrankungen verursachen.

Karies und Parodontitis sind die häufigsten Zahnerkrankungen

Im Mund tummeln sich unzählige Bakterien. Durch gute Mundhygiene können diese im Gleichgewicht gehalten werden und richten keinen Schaden an. Werden die Zähne allerdings nicht regelmäßig und ordentlich geputzt, dann kann ein Ungleichgewicht entstehen. Schädliche Kariesbakterien können sich vermehren und die Zahnsubstanz angreifen. Wird die erkrankte Stelle nicht von einem Zahnarzt behandelt, können sich die Bakterien durch den Zahn, bis zum Zahnmark und zu den Nervenbahnen verbreiten. So können die Kariesbakterien bis in die Blutgefäße und damit in den gesamten Körper gelangen. Unbehandelt können die Kariesbakterien im schlimmsten Fall Abszesse in Hals, Lunge, Leber oder sogar eine lebensbedrohliche Herzklappenentzündung auslösen.

Auch Erkrankungen am Zahnfleisch können gefährlich sein. Schätzungen zufolge leiden mehr als 60 Prozent der Erwachsenen an Parodontitis und damit an einer Erkrankung des Zahnhalteapparates. Bei der Parodontitis können Bakterien in die Nervenbahnen und den Blutkreislauf gelangen. Der Körper reagiert mit der Ausschüttung von Entzündungsstoffen. Unbehandelt kann dies zu gefährlichen Gefäß-Veränderungen im gesamten Körper führen, die den Organismus dauerhaft schädigen können.

Herzinfarkte, Potenzprobleme, Fehlgeburten

Vor allem Parodontitis hat schädliche Einflüsse: Entzündetes Zahnfleisch schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko für Rheuma, Lungenkrankheiten, Herzinfarkte, Potenzprobleme, Gelenkentzündungen, Diabetes und Fehlgeburten.

Eine Parodontitis sollte daher auf keinen Fall unterschätzt werden. Das belegen auch die Ergebnisse verschiedener Studien. Demnach steigt das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden bei einem Menschen mit Parodontitis um das Doppelte an. Und bei Schwangeren erhöht sich die Gefahr, eine Frühgeburt zu erleiden um das 7,5-fache.

Auch Wechselwirkungen zwischen schlechten Zähnen und Diabetes sind bekannt. Dabei bringen parodontitisbedingte Entzündungsherde den Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht. In der Folge steigen die Blutzuckerwerte an, das Risiko für Diabetes steigt. Da Diabetiker wiederum zu Entzündungen neigen, haben sie ein höheres Risiko für Zahnfleischentzündungen.

Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers

Nicht nur akute Erkrankungen können Probleme machen, auch langfristige Veränderungen im Mundraum oder an den Zähnen können Schmerzen und Krankheiten hervorrufen.

Fehlstellungen an den Zähnen können beispielsweise zu Verspannungen, Fehlhaltungen im Becken oder in den Beinen führen und sogar der Auslöser für Migräne oder chronische Nacken-, Rücken- und Knieschmerzen sein. Treten solche Beschwerden auf, ohne dass ein Orthopäde weiterhelfen kann, sollte ein Kiefer-Spezialist aufgesucht werden. Denn bereits kleinste Fehlstellungen oder Veränderungen im Biss können die Ursache für die Beschwerden sein.

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Auch eine Kieferfehlstellung kann gesundheitliche Folgen haben. In so einem Fall arbeiten der obere und der untere Kiefer nicht mehr im richtigen Verhältnis zusammen. Es kann zu Sprachproblemen und Schwierigkeiten beim Kauen kommen. Außerdem kann eine Kieferfehlstellung Tinnitus, eine Hörminderung, Kopfschmerzen, Schwindel oder Schmerzen im Bereich der Ohren oder des Gesichts hervorrufen.

Richtige Zahnhygiene für eine gute Gesundheit

Eine gute und regelmäßige Zahn- und Mundhygiene ist wichtig für den gesamten Organismus. Sie sollten daher mindestens zweimal täglich Zähneputzen. Zudem empfehlen Zahnärzte den täglichen Einsatz von Zahnseide, um die Zahnzwischenräume von Essenresten und Belägen zu befreien. Ein Zungenreiniger kann die schädlichen Bakterien im Mund zudem minimieren.

Erwachsene sollten mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt gehen. Bei der regelmäßigen Kontrolluntersuchung können viele Erkrankungen bereits im Frühstadium erkannt und rechtzeitig behandelt werden.

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