07.10.2016 - 14:57

NACHHALTIG EINKAUFEN Bio in Folie: Wie die Bio-Gurke zur Plastikverpackung kommt

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Frisch, knackig und unverpackt - so stellt man sich als Kunde eine Bio-Gurke vor.

Foto: iStock/warrengoldswain

Frisch, knackig und unverpackt - so stellt man sich als Kunde eine Bio-Gurke vor.

Wer zu Bioprodukten greift, möchte gesund leben und die Umwelt nachhaltig schonen, kauft aber am Ende einen großen Berg Plastik mit. Warum ist das so?

Die Produktion von Plastik liegt weltweit bei ca. 240 Millionen Tonnen jährlich. Ein Drittel davon macht die Herstellung von Verpackungen aller Art aus. Im Gegensatz zur Haltbarkeit von Plastik fällt die Nutzung der aus ihm produzierten Gegenstände häufig kurz aus, bevor sie in den Müll wandern. Die weltweite Verteilung von Plastikmüll stellt bereits heute ein gravierendes Problem für die Umwelt dar. Seien es die großen Plastikstrudel, die sich auf den Ozeanen bilden oder die riesigen, teils giftigen Müllhalden in Afrika auf denen sich europäischer Abfall türmt.

Bio-Gurken in Plastik verschweißt

Es wirkt absurd wenn man in die Bio-Abteilungen der Supermärkte und Discounter schaut. Obst und Gemüse sind beinahe ausnahmslos in Plastik verpackt oder sogar komplett verschweißt. Greift man zur Bio-Gurke, so greift man zu einer einzelnen, komplett verschweißten Frucht. Auch Auberginen, Tomaten, Äpfel und Co., die allesamt das Bio-Sigel tragen, werden in Papp- oder Plastikschalen noch einmal komplett in Kunststoff verpackt. Konventionelles Gemüse und Obst hingegen wird nur dann verpackt, wenn es sich um ein Angebot einer bestimmten Menge handelt. Doch warum ist das so? Und warum wird der Versuch der Konsumenten sich beim Einkauf bewusst für Nachhaltigkeit, für eine gesunde Ernährung und die Schonung der Umwelt stark zu machen, auf diese Weise torpediert?

Transportschutz, EU-Verordnung und Verbraucherschutz

Sucht man einen eindeutigen Grund, so wird man nicht fündig. Die Begründungen für die Plastikhüllen um Bio-Obst und -Gemüse sind zahlreich und nicht immer schlüssig. Da ist zum einen der weite Transportweg, den mittlerweile auch Bio-Produkte zurücklegen, um das ganze Jahr in den Läden verfügbar zu sein. Um Obst und Gemüse, deren Qualität auf der langen Reise leiden könnte, zu schützen muss eine Verpackung her. Alternativen zu Plastik haben sich hier laut dem Einzelhandel nicht bewährt. Doch muss gefragt werden: Warum betrifft dies nicht auch konventionelle Produkte?

Ein weiterer Grund sind die EU-Verordnungen und der Verbraucherschutz. So besteht eine Kennzeichnungspflicht aller Bio-Produkte innerhalb der Europäischen Union, die Auskunft über die Öko-Kontrollstelle gibt, in der das Produkt geprüft wurde. Diese Kennzeichnung ist notwendig um eine eindeutige Unterscheidung zwischen konventionellen Lebensmitteln und solchen aus biologischer Erzeugung herzustellen. Bei losen Lebensmitteln finden sich diese Angaben in den Warenbegleitpapieren, bei verpackten auf dem Etikett.

Der Gurke im Supermarkt sieht man nicht an ob sie aus biologischer oder konventioneller Erzeugung stammt, weshalb sich der Einzelhandel für eine separate Verpackung der Produkte entschieden hat. So ist nicht nur für den Kunden klar ersichtlich was er kauft, auch Verwechslungen in den Regalen oder an der Kasse werden ausgeschlossen.

Persönliche Befindlichkeiten des Kunden

Wer die Wahl hat hat die Qual - oder auch nicht, denn die meisten Menschen greifen im Supermarkt zu den makellosesten und schönsten Produkten. Der Apfel mit der braunen Stelle bleibt liegen, bis er nicht mehr verkäuflich ist. Da ist es unschwer zu erahnen, dass der Einzelhandel möglichst frisches und ansprechendes Obst und Gemüse anbieten will, um am Ende nicht auf der Ware sitzen zu bleiben. Und genau hier kommt die Plastikverpackung ins Spiel. Sie schützt die Produkte und hält sie länger frisch, was auch für konventionell erzeugtes Obst und Gemüse gilt.

Ein anderes, ungleich größeres Problem stellen die persönlichen Befindlichkeiten vieler Verbraucher dar, die inzwischen sogar reine Biomärkte beeinflussen, deren Sortiment eine Verwechslung eigentlich ausschließt. So nahm die Sprecherin der Marke Alnatura, Stefanie Neumann in der Berliner Zeitung Stellung zur Plastikverpackung von Bio-Champignons: "Einige Kunden mögen es nicht, wenn andere mit den Fingern an die Ware fassen, deshalb ziehen sie abgepackte Champignons vor." Auch Ketten wie Bio Company sehen sich immer wieder mit dem Unverständnis von Kunden konfrontiert, die eine Verpackung für hygienischer und angemessen halten.

Der Verbraucher ist also zu einem großen Teil selbst in der Verantwortung und muss Prioritäten setzen. Die häufig geäußerte Beschwerde über die Klebstoffe kleiner Bio-Aufkleber auf Obst und Gemüse führt dann zwangsläufig zu einer Komplettverpackung in Plastik.

Fazit

Der Einzelhandel reagiert mit dem Verpacken von Bio-Obst und -Gemüse auf die Vorgaben seitens der EU aber auch auf die Ansprüche der Konsumenten. Das dabei ausgerechnet die Bio-Produkte in Plastik verpackt werden hat den einfachen Grund, dass die Bio-Sortimente in den meisten Supermärkten kleiner sind als das konventionelle Angebot. Indirekt wird also an Plastik gespart, wenn wird. Für Bio-Kunden völlig paradox.

Wer sich bewusst für unverpackte Bio-Produkte entscheidet, der kann seine Einkäufe in Bio-Supermärkten, auf Wochenmärkten oder in Hofläden erledigen. Wer diese Angebote nicht nutzen kann, der sollte bei unverpackten Produkten auf die zusätzliche Nutzung von Plastiktüten verzichten. In der Regel werden Obst und Gemüse von Natur aus durch eine mehr oder weniger feste Schale geschützt, die sie frisch hält. Im Supermarkt ist es mittlerweile nichts außergewöhnliches mehr, seine Äpfel, Tomaten oder Paprika einzeln aufs Band zu legen und von der Kassiererin wiegen zu lassen. Und generell heißt es immer wachsam sein, ob es das verpackte Produkt nicht auch noch einzeln zu kaufen gibt, denn wir als Käufer entscheiden täglich mit unserer Wahl, was ein Supermarkt anbietet und was nicht.