06.10.2016

GESUND MIT ACHILLES Ironman Brendan Brazier sagt: Es gibt gute Gründe für vegane Ernährung

Von

Fitter durch rein pflanzlich Ernährung – geht das wirklich? Ironman Breandan Brazier schwört darauf.

Foto: iStock/mustipan

Fitter durch rein pflanzlich Ernährung – geht das wirklich? Ironman Breandan Brazier schwört darauf.

Vegan ist Trend, aber viele denken, man bekommt dadurch nicht genug Energie. Ironman Brendan Brazier beweist das Gegenteil.

Herr Brazier, auch dank Ihnen sieht Wolverine im Film so fit aus, oder?

Brendan Brazier: Naja, ich habe vielleicht etwas Anteil, ja (lacht).

Hollywoodstar Hugh Jackman, der die Action-Figur spielt, war so begeistert von Ihrer veganen Thrive-Diät, dass er sogar das Vorwort zu Ihrem Buch schrieb.

Ja, er ist zwar kein Veganer geworden, aber er versucht, mehr basische Lebensmittel zu sich zu nehmen und Dinge zu essen, die ihm guttun. Vorher hat er Masse zugelegt, ohne sich wohlzufühlen. Er war schwerfällig, hatte keine Energie und Probleme mit Entzündungen. Das wollte er ändern und hat deswegen einige Grundprinzipien meiner Thrive-Diät übernommen. Er wollte athletisch sein, muskulös – und trotzdem beweglich bleiben.

Sie waren professioneller Ironman-Triathlet und ernähren sich seit über 20 Jahren vegan. Warum sollte pflanzenbasierte Ernährung der sportlichen Leistung dienen?

Es gibt viele gute Gründe für eine vegane Ernährung, auch und besonders für Sportler. Entscheidend ist: Um pflanzliche Nahrung zu verdauen, muss der Körper nicht so viel Energie aufwenden. Dadurch steht ihm mehr Energie für andere Aktivitäten zur Verfügung.

Viele erleben genau das Gegenteil: Sie fühlen sich matt und schlapp.

Das war bei mir anfangs auch so. Da habe ich viel stärke- und kalorienhaltige Lebensmittel wie Pasta oder weißen Reis gegessen. Ich hatte ständig Hunger und war immer müde. Nach einiger Zeit habe ich diese Dinge durch Lebensmittel ersetzt, die leichter zu verdauen sind und mehr Energie liefern: Amaranth, Quinoa, Buchweizen oder Wildreis.

Klingt eigentlich logisch: Leicht Verdauliches sorgt für mehr Energie fürs Training. Ist es wirklich so einfach?

Im Grunde schon. Wenn du mehr Energie verbrauchst, hast du weniger Kraft für andere Dinge übrig. Fleisch, Fisch, Milchprodukte fördern Entzündungen. Und die kann kein Sportler gebrauchen. Je weniger der Körper mit Entzündungen zu kämpfen hat, desto leichter ist es für ihn, die Muskeln zu kontrahieren. Folge: Man ist in der Lage, härter zu trainieren.

Warum hatten Sie überhaupt das Gefühl, Ihre Ernährung ändern zu müssen?

Ich wollte das Beste aus mir herausholen und Profisportler werden. Ich war 15 Jahre alt und wusste, dass es hart sein würde, meinen Traum zu verwirklichen. Also suchte ich nach einem Vorteil, der es wahrscheinlicher machen würde. Ich schaute mir die Trainingsprogramme der Spitzensportler an und merkte schnell, dass die Art zu trainieren sich nicht groß vom Training der Durchschnittsportler unterscheidet. Ich fragte mich, was den Leistungsunterschied ausmachen würde.

Brendan Brazier erklärt die Thrive-Diät

Was ergaben Ihre Recherchen?

Es ist die Erholung. Die Regeneration der Muskeln macht den Unterschied. Und die hängt stark von der Ernährung ab. Also habe ich mich mehr mit Ernährung beschäftigt. Ich wusste, wenn ich mich damit auskenne, habe ich eine Chance, Profi zu werden.

Sie haben es tatsächlich geschafft, waren einer der wenigen veganen Ironman-Finisher. Als Sie anfingen, sich für vegane Ernährung zu interessieren, waren Sie ein Teenager. Das war Anfang der 1990er-Jahre. Die Leute müssen Sie für verrückt erklärt haben.

Klar. Auch mein Trainer damals war sehr skeptisch und überhaupt nicht unterstützend. Kein Wunder, er hatte sein System, das funktionierte.

Wie konnten Sie sicher sein, dass eine vegane Ernährung Ihnen als Extremsportler guttut?

War ich nicht. Ich hatte vorher schon alle möglichen Diäten probiert: mit viel Kohlenhydraten, mit wenig , mit viel Eiweiß, mit wenig. Ich war überzeugt davon, dass mich die richtige Ernährung weiterbringen würde, deswegen experimentierte ich weiter. Es war ein langer Prozess, der Jahre gedauert hat.

Sie blieben beim Veganismus. Was hat er Ihnen gebracht?

Als ich beschloss, mich vegan zu ernähren, habe ich schnell Veränderungen bemerkt. Ich habe in einer Gruppe trainiert, wo wir alle dasselbe Trainingsprogramm absolvierten. Nach der Umstellung bin ich nach einer harten Einheit am nächsten Morgen aufgewacht und habe mich frisch gefühlt. Meine sportliche Leistung hat sich schnell verbessert, weil ich mehr trainieren konnte als alle anderen. Nach einer Weile bemerkte ich auch, dass sich die Qualität meines Schlafes verbesserte.

Wie würden Sie gute Ernährung definieren?

Lebensmittel, die möglichst unverarbeitet und leicht zu verdauen sind, die viel Energie liefern und viele Nährstoffe enthalten. Vollwertkost, ballaststoffreiches Gemüse, möglichst roh oder schonend gegart: Hülsenfrüchte, Obst …

Aber unterschätzen Sie nicht den Faktor, dass jeder Mensch individuell ist? Jeder von uns verträgt andere Dinge, verdaut anders.

Sicher. Bei einer Ernährungsumstellung ist es immer wichtig, dass man sich und dem Körper Zeit gibt und langsam beginnt. Vielleicht beginnt man einfach mit einem grünen Smoothie. Die Thrive-Diät ist keine schnelle Abnehm-Diät, sondern eher eine langfristige Ernährungsumstellung. Also denk an all die leckeren, gesunden Dinge, die du entdecken kannst, anstatt daran zu denken, auf was du verzichten musst.

Brendan Brazier, Jahrgang 1975, ist einer der wenigen veganen Berufssportler weltweit. Der Kanadier war professioneller Ironman-Triathlet und beschäftigt sich seit seinem 15. Lebensjahr mit pflanzenbasierter Ernährung. Seine Buch „The Thrive Diet“ (2007) gilt in der veganen Szene als Kultbuch. Vor kurzem ist es auch auf Deutsch erschienen "Vegan in Topform – der vegane Ernährungsratgeber für Höchstleistungen in Sport und Alltag", Unimedica.

Seite