07.08.2018

Rezeptfrei erhältlich Schmerzmittel-Vergleich: Was wirkt wie, wann und warum?

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Viele Arzneimittel sollen Schmerzen bekämpfen, aber nicht alle sind empfehlenswert. Ein Schmerzmittel-Vergleich kann helfen.

Foto: iStock/Alliance

Viele Arzneimittel sollen Schmerzen bekämpfen, aber nicht alle sind empfehlenswert. Ein Schmerzmittel-Vergleich kann helfen.

Gegen Schmerzen ist zum Glück nicht nur ein Kraut gewachsen: Auf dem freien Arzneimittelmarkt gibt es so allerhand Mittel gegen körperliches Leid. Aber was hilft wann am besten?

Hier plagen die Kopfschmerzen, da macht der Rücken zu schaffen und ein paar Wochen später sind es die Zähne, die weh tun. Schnell ist da der Griff zur rettenden Schmerztablette getan. Dass das gar nicht so gut ist, wissen die meisten. Aber es ist eben schön praktisch. Und der Markt ist riesig. Wichtig ist daher zu wissen, wie ASS, Paracetamol & Co. überhaupt wirken, und wann welches Medikament die beste Wahl ist. Hier gibt's einen Schmerzmittel-Vergleich.

Schmerzmittel: Vergleich zeigt Unterschiede

Bei Kopfschmerztabletten denken wohl die meisten von uns erst einmal an das klassische "Aspirin" – die Acetylsalicylsäure, kurz ASS. Aber auch Paracetamol – schön günstig frei verkäuflich zu erwerben – oder auch das zumindest in niedrigen Dosen rezeptfrei erhältliche Ibuprofen sind bekannt. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Wirkstoffe wie Diclofenac oder Naproxen, deren Ziel vor allem eines ist: Uns von Schmerzen zu befreien – und im besten Fall gleichzeitig andere Beschwerden wie Fieber oder Entzündungen zu bekämpfen.

Starke Medikamente sind allerdings nur auf Rezept erhältlich – aus gutem Grund, denn die Liste der Nebenwirkungen ist lang und die Suchtgefahr hoch.

Zwar ebenso vorhanden, aber nicht ganz so hoch ist sie bei frei verkäuflichen Schmerzmitteln. Diese können Sie auch ohne Rezept in der Apotheke erstehen. Die Klassiker darunter: Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin), Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac. Aber auch wenn alle in den frei verkäuflichen Dosen gegen leichte bis mäßige Schmerzen wirken, so wirken sie doch alle auf eine andere Art. Und das ist der Knackpunkt, den viele von uns gar nicht kennen, den ein Schmerzmittel-Vergleich aber zeigt.

Fünf Mittel – fünf Wirkstoffe

Jeder der fünf Wirkstoffe ist eine chemische Verbindung – und alle sind chemisch ganz anders aufgebaut, wirken daher auch anders. Das heißt aber auch, die Nebenwirkungen sind unterschiedlich – und eben auch die Anwendungsgebiete. Denn jedes Medikament hat in anderen Bereichen Stärken – und eben auch Schwächen.

Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen wirken ähnlich: Sie hemmen die Reizempfindlichkeit der Schmerzrezeptoren. Sie gehören zu den nicht-steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR, und wirken dort, wo der Schmerz entsteht, nämlich an den Nervenenden. Dadurch können sie auch Entzündungen lindern.

Paracetamol fällt da ein bisschen aus der Reihe. Das Medikament entfaltet seine Wirkung im Rückenmark und im Gehirn. Deshalb kann es Entzündungen nicht so gut bekämpfen. Dafür lindert Paracetamol nachweislich Schmerzen und senkt Fieber.

Wir stellen Ihnen die Wirkungsweisen und Anwendungsbereiche der einzelnen Medikamente im folgenden Schmerzmittel-Vergleich vor:

Acetylsalicylsäure: Der Klassiker zum Auflösen

Acetylsalicylsäure hat wohl jeder in Form von ASS oder Aspirin im Schrank, meist in Form von Brausetabletten, die sich, in Wasser aufgelöst, leicht konsumieren lassen. Aber auch in normaler Tablettenform gibt es den Wirkstoff, sowie als Brausepulver, das ohne Wasser eingenommen werden kann.

  • Geeignet bei: leichten bis mäßigen Schmerzen, wirkt zudem fieber- und entzündungshemmend, in niedriger Dosis (100 ml/pro Tag) auch als Blutverdünner einsetzbar. Aspirin hat viele verschiedene Wirkungen und hilft nicht nur bei Schmerzen!
  • Mit Einschränkungen geeignet bei: Zahnschmerzen, an Tagen vor geplanten Operationen, da nach der Einnahme ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht.
  • Nicht geeignet: Für Kinder unter 12 Jahren, Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel.
  • Nebenwirkungen: Die Einnahme von ASS kann besonders auf den Magen schlagen. Außerdem besteht bei Verletzungen ein verstärktes Blutungsrisiko.

Wussten Sie eigentlich, dass Kopfschmerzen als eine der Nebenwirkungen von Acetylsalicylsäure aufgeführt sind?

Paracetamol: Günstiges Mittel aus der Apotheke

Das nächste Schmerzmittel im Vergleich: Paracetamol wird häufig bei Kopf-, Glieder oder Zahnschmerzen eingenommen. Es ist in der Apotheke vergleichsweise günstig erhältlich – bringt aber auch Nebenwirkungen mit.

  • Geeignet bei: leichten bis mäßigen Schmerzen, wirkt fiebersenkend, kann während der gesamten Schwangerschaft eingenommen werden.
  • Nicht geeignet: Für Menschen mit einem Leberleiden oder Menschen die viel Alkohol trinken, da der Wirkstoff zusätzlich die Leber schädigen kann. Wirkt kaum bei entzündlichen Schmerzen, etwa in Gelenken.
  • Nebenwirkungen: Im Übermaß kann Paracetamol ernste Leberschäden bis hin zu Leberversagen verursachen.

Gefährlich ist Paracetamol also vor allem im Zusammenhang mit Alkohol: Der Stoff wird in der Leber abgebaut und belastet das Entgiftungsorgan stark. Muss sich die Leber dann noch mit Alkohol herumschlagen, hat sie "alle Hände voll zu tun" und leidet. Bei Kater-Kopfschmerz also lieber nicht zu Paracetamol greifen.

Extratipp: Gegen Katerkopfschmerzen helfen ganz andere Sachen auf viel gesündere Art: zum Beispiel unsere Anti-Kater-Tipps. Dem Körper fehlt es nämlich vor allem an Elektrolyten und Wasser. Viel trinken und dem Körper ebenjene Elektrolyte wieder zuführen. Oder Sie vermeiden den Kater von vornherein – das ist definitiv die gesündeste Wahl.

Ibuprofen: In niedrigen Dosen frei verkäuflich

Das in leichten Dosen frei erhältliche Ibuprofen ist ein gängiges Mittel, z. B. bei Kopf-, Glieder-, Gelenk-, Regel-, Wund- und Zahnschmerzen.

  • Geeignet bei: leichten bis mäßig starken Schmerzen, wirkt fieber- und entzündungshemmend.
  • Nicht geeignet: Im letzten Drittel der Schwangerschaft, denn es kann dafür sorgen, dass sich ein für das Ungeborene lebenswichtiges Blutgefäß vorzeitig schließt.
  • Wichtig: Sollte ohne ärztlichen Rat nur kurzzeitig in der geringstmöglichen Dosierung eingenommen werden.

Ibuprofen ist mittlerweile das meistverkaufte Schmerzmittel, denn es wirkt nicht so blutverdünnend wie ASS, hilft dagegen aber besser gegen Entzündungen.

Diclofenac: Das Mittel für Sportler

Noch ein Vertreter in unserem Schmerzmittel-Vergleich: Vor allem Sportler sowie Menschen mit Gelenkbeschwerden werden Diclofenac kennen. Es wird auch in Salben- oder Gelform angeboten und kann so direkt auf die schmerzende Stelle aufgetragen werden. Es hilft auch bei Rheuma.

  • Geeignet bei: leichten Schmerzen, wirkt fiebersenkend und entzündungshemmend.
  • Nicht geeignet: Für Kinder unter 14 Jahren, im letzten Drittel der Schwangerschaft.
  • Wichtig: Sollte ohne ärztlichen Rat nur kurzzeitig und in der geringstmöglichen Dosierung eingenommen werden.

Das Mittel ist eigentlich sehr ähnlich dem Ibuprofen, wirkt aber manchmal doch da, wo Zweiteres den Dienst versagt. In Salbenform kann es aber durchaus zu Hautausschlägen führen.

Naproxen: Bei Regelschmerzen das Mittel der Wahl

Das unter anderem bei Regelschmerzen beliebte und dafür in Form einiger Präparate speziell dafür zugelassene Naproxen ist chemisch mit Ibuprofen und Diclofenac verwandt und in ähnlichen Bereichen einsetzbar.

  • Geeignet bei: leichten bis mäßigen Schmerzen, wirkt fiebersenkend und entzündungshemmend.
  • Nicht geeignet: Für Kinder unter 12 Jahren, im letzten Drittel der Schwangerschaft.
  • Wichtig: Eine langfristige Einnahme sollte nur nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.

Finger weg von Kombipräparaten…

Kombipräparate enthalten mehrere schmerzstillende Substanzen. Das verbessert die Wirkung nicht zuverlässig, erhöht aber die Gefahr von Nebenwirkungen. Die Stiftung Warentest bewertet diese Mittel als weniger geeignet.

Hierzu zählen beispielsweise Neuralgin, Spalt, Thomapyrin und Titralgan. Auch Präparaten, denen Koffein beigemischt ist, stehen die Tester skeptisch gegenüber. Die belebende Wirkung kann dafür sorgen, dass das Mittel zu oft und zu lange genommen wird.

Kopfschmerzen lassen sich aber auch natürlich behandeln – also ohne Schmerzmittel.

…und Vorsicht vor Überdosierung

Was für alle Schmerzmittel in diesem Vergleich gilt: Werden die Arzneimittel nur für eine kurze Zeit und in der laut Beipackzettel richtigen Dosierung eingenommen, dann sind sie laut Stiftung Warentest gut verträglich. Im Übermaß können Nebenwirkungen wie Leber-, Magen- oder Nierenschäden auftreten, bei den NSAR auch Probleme mit Schleimhäuten sowie bei der Blutgerinnung.

Zudem scheinen Diclofenac und Ibuprofen das Risiko für Herzinfarkte, Herzschwäche und Schlaganfälle erhöhen, wenn sie zu lange in zu hohen Dosen eingenommen werden. Ohne ärztlichen Rat sollten sie daher maximal vier Tage am Stück oder insgesamt an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden.

Wer Schmerztabletten zu lange zu sich nimmt, läuft zudem noch Gefahr, sich an die Wirkung zu gewöhnen. Dann wirkt das Medikament irgendwann nicht mehr wie erhofft. Stattdessen belastet es unseren Körper nur noch. Bedenken Sie also: Schmerzmittel auch aufgrund der Nebenwirkungen nie unbedarft nehmen! Und ziehen Sie immer einen Arzt oder Apotheker zu Rate, wenn Sie sich bei der Wahl und der Dosierung des Schmerzmittels nicht sicher sind oder wenn Sie noch einmal eine zusätzliche professionelle Meinung zum Schmerzmittel-Vergleich haben möchten.

Sie leiden unter Fieber? Schauen Sie auf unserer Themenseite vorbei – hier gibt es weitere Tipps, wie Sie die hohe Körpertemperatur auch ohne Arzneimittel und auf natürliche Weise senken können.

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