25.09.2017

Dampf statt Rauch E-Zigaretten: Wie ungesund sind die Verdampfer wirklich?

Die E-Zigarette erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Wie schädlich sie dauerhaft ist, muss in weiteren Studien erforscht werden.

Foto: iStock/prostooleh

Die E-Zigarette erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Wie schädlich sie dauerhaft ist, muss in weiteren Studien erforscht werden.

E-Zigaretten machen mittlerweile über 400 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Ein Trend, der nicht zu unterschätzen ist. Aber wie funktioniert das Dampfen eigentlich – und ist es wirklich so harmlos?

Rauchen galt lange als cool und urban, es ist aber auch bekanntermaßen schädlich und an zahllosen Todesfällen schuld. Da kommt die E-Zigarette genau richtig, denken viele: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat in ihrem Jahrbuch Sucht 2017 den Anteil der E-Raucher an der Gesamtbevölkerung auf 1,4 Prozent beziffert. Gut 1,1 Millionen Menschen in Deutschland dampfen also regelmäßig. Andere Statistiken gehen sogar von rund 3,5 Millionen E-Zigaretten-Konsumenten aus.

Der grundlegende Unterschied zwischen der E-Zigarette und herkömmlichen Kippen liegt darin, dass keine schwelende oder glimmende Verbrennung von Tabak stattfindet. Da neben den fehlenden Verbrennungsgasen auch der krebserregende Stoff Formaldehyd fehlt, gelten E-Zigaretten als gesünder im Vergleich zu normalen Zigaretten. Denn normaler Tabakrauch besteht aus einem Cocktail aus etwa 4.800 Chemikalien. Davon gelten 90 als krebserregend und mindestens 250 als giftig!

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Wie bewerten Experten die Risiken der E-Zigarette?

Vom Bundesinstitut für Risikobewertung werden sowohl nikotinhaltige als auch nikotinfreie elektronische Zigaretten als "nicht unschädlich" eingestuft. Der Grund: Durch den Dampf der E-Zigarette (egal ob mit oder ohne Nikotin) werden trotzdem gesundheitsschädliche Substanzen eingeatmet. Die Stiftung Warentest stellte 2015 nach der Auswertung diverser Studien aber fest, dass nach damaligem Forschungsstand elektronische Zigaretten weniger schädlich seien als herkömmliche.

Eine Bewertung, die durch das Fehlen von Langzeitstudien jedoch entkräftet wird: Beispielsweise ist noch immer unklar, wie sich das Verdampfen von Propylenglykol auf den Körper auswirkt. Diese Flüssigkeit macht neben Glyzerin, Nikotin und Aromen den Löwenanteil der E-Zigaretten-Liquids aus.

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Nikotinhaltige Liquids fördern Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Derweil fördern immer neue Untersuchungen negative Effekte des Dampfens zutage: So kamen schwedische Forscher nach einer kleinen Studie zu dem Schluss, dass nikotinhaltige Liquids den Blutdruck und den Puls erhöhen, die Arterien versteifen. Eine frühere Untersuchung von Wissenschaftlern aus Los Angeles hatte zudem ergeben, dass männliche Dampfer häufiger mit Erektionsstörungen zu kämpfen haben.

Wer als Raucher sichergehen möchte, der Gesundheit mit dem Dampfen einen Gefallen zu tun, sollte deshalb auf nikotinfreie Flüssigkeit umsteigen. Sie hatte der schwedischen Studie zufolge keine unmittelbaren Auswirkungen auf Blutdruck, Herzschlag und Elastizität der Arterien.

Wer hat’s erfunden?

Auch wenn die E-Zigarette erst seit wenigen Jahren in aller Munde ist: Erfunden wurde sie deutlich früher. Bereits 1963 wurde sie von Herbert A. Gilbert patentiert. Seine Idee einer rauch- und tabakfreien Zigarette mit erhitzter, befeuchteter und aromatisierter Luft als Ersatz für die konventionelle Zigarette ging allerdings niemals in Produktion. Darum kümmerte sich später der Chinese Hon Lik. 2003 erfand er die heutige Version der E-Zigarette, die nach dem Prinzip von künstlich erzeugtem Nebel wie beispielsweise in Diskotheken funktioniert.

So funktioniert’s

In jedem Verdampfer befindet sich ein Verdampferkopf mit einer oder mehreren Heizspiralen, die von einem Akku mit Energie versorgt werden. Die zu verdampfende Flüssigkeit (Liquid) gelangt durch Kapillarwirkung des Trägermaterials in den Verdampferkopf, wird erhitzt und vernebelt. Im Verdampfer befindet sich ein Luftströmungskanal. Sobald der Raucher am Mundstück zieht und den Knopf zum Beheizen der Heizspule drückt, wird mit dem Luftstrom der produzierte Dampf transportiert und kann so inhaliert werden.

Kosten

Die E-Zigarette besteht aus mehreren Verschleißteilen: Verdampferkopf, Verdampfer und Akku. Der Verschleiß dieser Teile hängt wesentlich davon ab, wie und vor allem wie oft die E-Zigarette genutzt wird. Hinzu kommt, dass alle Verschleißteile eine unterschiedliche Lebensdauer haben. Verdampferköpfe (13 Euro für ein Fünferpack) müssen gegebenenfalls wöchentlich gewechselt werden, während der Akku ein Jahr halten kann und ca. 35 Euro kostet. Vernünftige E-Zigaretten gibt es ab 25 Euro. Wer mehr Wert auf Qualität legt, sollte sich ein Modell ab 60 Euro aussuchen.

Liquids in Fläschchen à 10ml gibt es zu einem Preis ab fünf Euro, diese Menge kann mit 60 Zigaretten (drei Schachteln) gleichgesetzt werden.

Gesünder als normale Zigaretten?

Nach jetzigem Forschungs­stand schadet Dampfen weniger als Rauchen. Zu diesem Fazit kommt zumindest die Stiftung Warentest nach Auswertung der Studien. Das heißt aber nicht, dass die E-Zigarette harmlos ist. Um die tatsächliche Wirkung zu kennen, müssen allerdings noch Langzeitstudien mit Rauchern, Dampfern und nicht Rauchern durchgeführt werden. Die Zeit wird es also zeigen. Angenehmer riechen tun E-Zigaretten gegenüber normalen Zigaretten aber in jedem Fall...

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