30.08.2016

GESUND MIT ACHILLES Wie kann ich meine Haut am besten schützen?

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Reine und ebenmäßige Haut sind ein Schönheitsideal, das nicht immer leicht zu erreichen ist.

Foto: iStock/RomarioIen

Reine und ebenmäßige Haut sind ein Schönheitsideal, das nicht immer leicht zu erreichen ist.

Haut-Experte Roland Jentschura klärt auf – Was sind die Aufgaben der Haut? Wie schützt sie mich? Warum sind Säuren gefährlich für die Haut?

1. Wofür brauchen wir unsere Haut?

Die Haut ist das größte Organ des Organismus und bietet die größte Kontaktfläche zur Außenwelt. Sie ist Schutzhülle und Sinnesorgan zugleich und spielt zudem eine große Rolle bei der Immunfunktion sowie bei der Atmung. Eine ihrer wichtigsten Funktionen ist darüber hinaus, dass sie als Ausscheidungsorgan „einspringt“.

2. Die Haut ist ein Ausscheidungsorgan – was bedeutet das?

Durch ihre zahlreichen Schweiß- und Talgdrüsen sowie durch Schuppenbildung kann über die Haut allerhand ausgeschieden werden. Im Schweiß findet man neben Wasser und Mineralien auch Säuren wie Harnsäure oder Milchsäure.

Gerade wenn die Kapazitäten zur Ausscheidung von Säuren und Schadstoffen über Nieren, Darm und Lunge erschöpft sind, nutzt der Körper zunehmend die Haut zur Entsäuerung und Entgiftung. Das kann in Form von übermäßigem Schwitzen, Pickelbildung, Akne, Ekzemen und Neurodermitis auftreten oder auch als Schuppen bis hin zu Schuppenflechte sichtbar werden.

Für den Betroffenen ist das meist unangenehm, aber diese Maßnahmen sind sehr intelligent: Denn so kommen die belastenden Stoffwechselendprodukte wenigstens raus! Wenn Säuren und Schadstoffe im Körper bleiben, bekommt man Probleme im Säure-Basen-Haushalt.

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3. Warum sind zu viele Säuren gefährlich für unsere Haut und den Körper?

Ein nicht ausgeschiedenes Übermaß an Säuren überlastet die Pufferkapazitäten des Blutes, welches unter allen Umständen immer basisch bleiben muss (pH 7,35 – 7,45). Nur so kann es optimal zirkulieren und seine wichtigen Funktionen wie den Nähr- und Sauerstofftransport erfüllen.

Des Weiteren werden zur Säureneutralisation Mineralstoffe aus körpereigenen Depots verbraucht, zum Beispiel aus Haut, Bindegewebe, Fingernägeln und Haaren, später auch aus Sehnen und Gelenken, Zähnen und Knochen.

Wenn die entstehenden Neutralsalze nicht ausgeschieden werden können, lagert der Körper sie im Fettgewebe, im Bindegewebe, in Gelenken oder Organen ab – etwa als Gicht und Rheuma oder als Nieren- oder Blasensteine.

Im besten Fall versucht der Organismus deshalb bei einer Säureüberlastung, auf die Haut als zusätzliches Ausscheidungsorgan zurückzugreifen.

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4. Sollte ich Deo und Duschgel benutzen?

Saure Körperpflegeprodukte wie Schaumbäder, Duschgele und Körperlotionen oder Medizinprodukte wie Kortison unterdrücken die natürliche Ausscheidungsfunktion der Haut. Viele Deos vermindern die Schweiß- und Geruchsbildung durch ein Verschließen der Poren.

Säuren sind wie „Sand im Getriebe“ und erhöhen den Verschleiß und damit die Alterungsprozesse. Die Regenerationsfähigkeit des Körpers wird enorm verschlechtert. So können die im Schweiß enthaltenen Säuren und Schadstoffe nicht aus dem Körper ausgeleitet werden, sondern werden wieder „hineingedrückt“.

Alternativen zu aluminiumhaltigen Deos, wie basische Waschungen der Achselhöhlen, vermeiden die Geruchsbildung auf natürlichem Wege und halten trotzdem die so wichtigen Ausscheidungswege frei - ganz ohne schädliche Substanzen. Basische Duschgele tragen zusätzlich dazu bei, den Säurefilm der Haut auf sanfte Art und Weise abzutragen.

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5. Was wird über die Schweiß- und Talgdrüsen ausgeschieden?

Die Haut verfügt über die gleichen Entgiftungsenzyme wie die Leber, d.h. sie kann die Leber in ihrer wichtigsten Funktion der Entgiftung unterstützen. Die Talgdrüsen der Haut können fettlösliche Schadstoffe ausscheiden und die Schweißdrüsen die wasserlöslichen.

6. Wo im Körper sind die meisten Schweißdrüsen?

Schweißdrüsen befinden sich überall in der Haut. Besonders an den Füßen und Händen, in den Armbeugen und Kniekehlen, in den Achselhöhlen und im Kopfbereich sind bis zu 600 Schweißdrüsen auf einem Quadratzentimeter lokalisiert. Diese Regionen bilden somit die wichtigsten Ausscheidungswege für Säuren und Schadstoffe.

7. Warum werden die Füße manchmal als „Hilfsnieren“ bezeichnet?

An den Füßen sind die meisten und effektivsten Schweißdrüsen lokalisiert. Hier werden gerade bei einer Säureüberlastung und bei Nierenproblemen besonders viele Säuren und andere Stoffwechselendprodukte ausgeschieden. Dadurch werden die Nieren und auch die Lymphe effektiv entlastet.

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8. Warum riecht Schweiß manchmal unangenehm und manchmal nicht?

Der strenge Geruch entsteht erst, wenn die Bakterien auf der Haut den Schweiß in seine Einzelbausteine zersetzen. Zusätzliche Faktoren wie ein saurer pH-Wert der Haut unterstützt zudem das Bakterienwachstum und somit die Geruchbildung.

Zu fettige und süße Nahrung bestimmen die Schweißzusammensetzung maßgeblich, denn was dem Körper im Übermaß zugeführt wird, muss er auf anderem Wege wieder loswerden.

9. Säureschutzmantel der Haut – Wahrheit oder Dichtung?

Es gibt eine natürliche Schutzfunktion der Haut. Dass diese Barriere von Natur aus sauer ist, ist allerdings ein folgenschwerer Irrtum. Die falsche Theorie vom gesunden „Säureschutzmantel“ kam nur auf, weil bei Erwachsenen in einigen Studien ein saurer pH-Wert auf der Hautoberfläche gemessen wurde.

Dabei handelt es sich um eine natürliche Folge von zu vielen Säuren im Organismus, die über die Haut ausgeschieden werden. In namhaften Laboren wird der Fußpilz genau bei pH 5,5 gezüchtet!

10. Wie kann ich meine Haut am besten schützen?

Eine reine, strahlende und gesunde Haut ist nicht nur ein Schönheitsideal. Sie zeigt auch innere Gesundheit an. Daher ist es wichtig, sich von innen und außen zu pflegen: mit guter Ernährung und basischer Körperpflege.

Die Ernährung sollte überwiegend pflanzlicher Basis und damit reich an wertvollen Nährstoffen wie Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen sein. Diese sind wichtig für eine straffe Haut, ein kräftiges Bindegewebe und werden für Regenerationsprozesse benötigt.

Die äußere Pflege sollte basisch sein, denn sie unterstützt die Haut in ihrer Funktion als Ausscheidungsorgan und regt ihre natürliche Selbsfettung an.

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