23.07.2019

Schnell kühlen? Nach dem ersten Schreck: Was hilft gegen Verbrennungen?

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Verbrennungen bis zweiten Grades, die kleiner als die Handfläche sind, können Sie erst einmal selbst behandeln. Brandsalbe hilft gegen die ersten Schmerzen. Bei Komplikationen heißt es aber: ab zum Arzt!

Foto: Shutterstock/Africa Studio

Verbrennungen bis zweiten Grades, die kleiner als die Handfläche sind, können Sie erst einmal selbst behandeln. Brandsalbe hilft gegen die ersten Schmerzen. Bei Komplikationen heißt es aber: ab zum Arzt!

Verbrennungen – und genauso Erfrierungen – entstehen häufiger als oft angenommen wird. Wie schnell es gehen kann und was dann vor allem zu tun ist, damit keine Spätfolgen bleiben und der Schmerz schnell verschwindet, lesen Sie hier.

Kurz mal nicht aufgepasst und den Finger auf die heiße Herdplatte gelegt, zu lange in der prallen Sonne gesessen – und schon ist die Haut verbrannt und verletzt. Wie Sie Verbrennungen behandeln können – und wo der Unterschied zu Erfrierungen liegt.

Verbrennungen behandeln: Was sind überhaupt Verbrennungen?

Von Verbrennungen spricht man, wenn Temperaturen von mehr als 45 Grad auf die Haut einwirken. Ursachen können heiße Flüssigkeiten, Dämpfe oder Gase, Flammeneinwirkung, Sonneneinstrahlung, elektrischer Strom oder Reibung sein. Zu unterscheiden sind vier Verbrennungsgrade:

  • Grad 1: Rötung der Haut, leichte Schwellung, die Oberhaut (Epidermis) ist betroffen. Heilt vollständig aus, keine Narbenbildung. Zu dieser Kategorie gehören die meisten Sonnenbrände.
  • Grad 2: Bildung von Brandblasen, rot-weißer Untergrund, Oberhaut und Lederhaut (Dermis) sind betroffen, Differenzierung in 2a: vollständige Heilung, die schmerzhaften Läuferblasen sind hier einzuordnen, und 2b: Narbenbildung bei tieferer Verletzung der Lederhaut.
  • Grad 3: schwarz-weiße Blasen, Zellen sterben ab, geringe bis keine Schmerzen durch die Zerstörung der Nervenenden, reicht bis in die Unterhaut (Subkutis).
  • Grad 4: wird auch unschön als "Verkohlung" bezeichnet, schädigt Muskeln, Sehnen oder auch Knochen irreversibel.

Warum schmerzen Verbrennungen so sehr?

Schmerzen werden individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen. Es scheint jedoch, dass Schnittwunden, wie sie etwa beim Zwiebelschneiden entstehen, von vielen oft erst bemerkt werden, wenn die Zwiebeln schon in der Pfanne sind – und der Schnitt entdeckt wird.

Bei (schnell entstehenden) Verbrennungen dagegen springt man vor Schmerzen augenblicklich im Dreieck. Der Hautarzt Dr. Andreas Degenhardt aus Bremen bestätigt diese Beobachtung, denn: "Bei Verbrennungen ersten oder zweiten Grades bleiben die Nerven und Rezeptoren meist weitestgehend erhalten, und davon gibt es in der Lederhaut besonders viele.

Es gilt allerdings: Je tiefer die Verbrennung, desto geringer der Schmerz. Bei Schnittwunden wird dagegen verhältnismäßig wenig Gewebe auf kleinerer Oberfläche zerstört, daher der Unterschied im Schmerzempfinden."

Was sollte man bei Verbrennungen zuerst tun?

Der Volksmund sagt: "Wasser drauf!" Das macht jedoch nur bei schnellem Handeln Sinn und sollte sich auf die verbrannte Körperstelle begrenzen. Am besten benutzen Sie Wasser, das ungefähr Raumtemperatur hat, auf keinen Fall Eiswasser.

Zudem gilt laut dem Deutschen Roten Kreuz die Faustregel: Sind die verbrannten Stellen großflächiger als die Handfläche des Betroffenen, sollten sie nicht gekühlt werden, da die Gefahr einer Unterkühlung des gesamten Körpers besteht.

In diesem Fall ist nichts weiter zu unternehmen, als den Betroffenen zu wärmen, die verbrannten Stellen keimfrei und locker zu bedecken und den Arzt oder Notruf zu wählen.

Wie lassen sich Verbrennungen am besten behandeln?

Vorweg: Es geht an dieser Stelle um Verbrennungen maximal zweiten Grades. Alles andere sollten Sie immer dem Arzt überlassen! Neben Brandsalben aus der Apotheke sind kühlende Gele, Lotionen oder Umschläge hilfreich, gute Erfahrungen wurden zudem mit reinem Aloe Vera Gel gemacht. Es hilft gegen den Schmerz und versorgt die Haut mit Flüssigkeit. Brandblasen (wie auch Läuferblasen) sollten Sie übrigens nicht öffnen, da die Haut der Blase wie ein steriles Pflaster wirkt. Größere Blasen müssen in einzelnen Fällen allerdings behandelt werden, aber bitte nur vom Arzt!

Laufblasen gehören übrigens tatsächlich zu den Verbrennungen. Blasen im Allgemeinen sind nämlich Hautveränderungen, bei denen sich aufgrund einer Hautreizung Flüssigkeit ansammelt und den Hautbereich nach außen wölbt. Hervorgerufen werden sie durch hitzeerzeugende Reibung, die zu Verbrennungen zweiten Grades führt. Ursache für eine Blase am Fuß können neue Schuhe oder das Laufen mit nassen Schuhen oder Socken sein.

Wie gefährlich ist die Sonne wirklich für den Körper?

Für viele Menschen ist das Sonnenbad im Sommer unverzichtbar, jedoch sollten Sie sich über die Gefahren im Klaren sein. In überhöhtem Maß kann die UV-Strahlung Sonnenbrand – bis zur Verbrennung zweiten Grades – verursachen, im schlimmsten Fall Hautkrebs. Grob gesagt gilt: 10 bis 20 Minuten ungeschützt in praller Mittagssonne kann, abhängig vom Hauttyp, bereits ausreichend für einen Sonnenbrand sein.

Natürlich braucht der Körper Sonnenlicht. Neben den stimmungsaufhellenden Effekten durch die Freisetzung verschiedener Hormone ist sie für die Produktion des wichtigen Vitamin D im Körper unerlässlich. Schon ein kurzer Spaziergang (10 bis 20 Minuten) reicht aus, um für ausreichend Vitamin D im Körper zu sorgen und sich so vor einem Vitamin-D-Mangel zu schützen.

Welche Sonnen-Hauttypen gibt es?

Ob und wie schnell man einen Sonnenbrand bekommt, hängt vom Hauttyp ab. Insgesamt werden sechs Hauttypen unterschieden, wovon die folgenden vier in unseren Breitengraden am häufigsten vorkommen:

  • Typ 1: sehr helle, nicht bräunende Haut, helle Augen, rotblondes Haar, Sommersprossen, Sonnenbrandgefahr bei ungeschützter Haut bereits nach 10 Minuten.
  • Typ 2: helle, empfindliche Haut, helle Augen, helles Haar, langsame Bräunung, Sonnenbrandgefahr bei ungeschützter Haut nach circa 20 Minuten.
  • Typ 3: (dazu gehören rund drei Viertel der Menschen in Deutschland) mittelhelle Haut, helle oder dunkle Augen, braunes Haar, einfache und langsame Bräunung, Sonnenbrandgefahr bei ungeschützter Haut nach ungefähr 30 Minuten.
  • Typ 4: bräunliche, kaum empfindliche Haut, dunkle Augen, dunkelbraunes bis schwarzes Haar, schnelle, tiefe Bräunung, Sonnenbrandgefahr bei ungeschützter Haut nach ungefähr 45 Minuten.

Was hilft bei Sonnenbrand?

Zuallererst raus aus der Sonne! Dann zeitnah, kurz und nicht zu stark kühlen und unbedingt den Verlauf beachten – ein Sonnenstich ist immer möglich und nicht ungefährlich. Er kündigt sich durch Kopfschmerz, Schwindel und Übelkeit an.

Bei der anschließenden Behandlung des Sonnenbrands haben sich verschiedene Hausmittel bewährt. Dr. Degenhardt empfiehlt hierfür kühlende Umschläge mit Quark – zur Not auch Joghurt oder Kefir – oder schwarzem, abgekühlten Tee, ebenso Gurkenauflagen und Aloe-Vera-Gel.

Wichtig ist, sämtliche Rückstände nach der Eigenbehandlung komplett und sanft wieder zu entfernen.

Ansonsten sollten Sie aber immer versuchen, einen Sonnenbrand zu vermeiden – oder ihn zumindest mit Hausmitteln zu lindern.

Exkurs – Ähnliche Symptome: Erfrierungen

Die Symptome von Erfrierungen ähneln denen von Verbrennungen, werden wie diese in vier unterschiedlichen Schweregraden beschrieben und treten meist an den äußeren Gliedmaßen auf.

Bei der Erfrierung ersten Grades verfärbt sich die Haut gelb-gräulich und wird hart. Rötung und Schmerzen beim Wiedererwärmen. Im zweiten Grad ist auch die zweite Hautschicht betroffen, es kommt zur Blasenbildung innerhalb von 24 Stunden, Folgeschäden sind nicht zu erwarten.

Bei den Erfrierungsgraden drei und vier sieht es anders aus. Sie verfärben die Haut blau bis schwarz, reichen bis in tiefere Hautschichten hinein und zerstören das Gewebe nachhaltig. In diesen Fällen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Wie entstehen Erfrierungen?

"Für Laien sind Erfrierungen oft schwer erkennbar, da die Sensibilität in den betroffenen Regionen durch die Kälte eingeschränkt ist", so Dr. Degenhardt. "Bei Erfrierungen schützt der Körper seinen inneren Kern, indem er Blut aus den Gliedmaßen abzieht. Ab einer Temperatur von etwa zehn Grad unter Null sind Erfrierungen möglich. Da das Auskühlen des Körpers jedoch von unterschiedlichen Faktoren abhängt, kann es bei Wind, nasser Kleidung und schweißtreibender Bewegung auch früher losgehen."

Übrigens: Es fühlt sich vielleicht so an, als würde einem warm vom Schnaps, tatsächlich entzieht Alkohol aber dem Körper Wärme, da er die Gefäße erweitert.

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Zur Person: Dr. med. Andreas Degenhardt ist Facharzt für Hautkrankheiten und Spezialist für Allergologie und Phlebologie in Bremen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind Medizinisch-Dermatologische Kosmetologie und Berufsdermatologie (DDA). Er ist Mitglied zahlreicher medizinischer Verbände, unter anderem dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen und der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Dermatologie.

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Beim Verheilen einer Brandwunde ist die passende Hautpflege äußerst wichtig. Lassen Sie sich am besten vom Arzt oder in der Apotheke beraten.

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