25.08.2016

GESUND MIT ACHILLES Komm mit! - Zehn Gründe, warum Radfahren das Leben verbessert

Ein guter Fahrradhelm ist Pflicht, wenn man sicher auf der Straße unterwegs sein will.

Foto: Frank Joung

Ein guter Fahrradhelm ist Pflicht, wenn man sicher auf der Straße unterwegs sein will.

Radfahren hält Körper und Geist in Schwung. Warum man sich nicht nur aus gesundheitlichen Gründen auf den Drahtesel schwingen sollte, weiß Ellen-Jane Austin.

1. Berufsverkehr

Dicht an dicht, wie Wiener Würstchen im Glas, stehen die Pendler in der Bahn – selbst die Luft erinnert aromatisch an Wurstwasser. Auf den Straßen rollt Opel hinter Audi hinter Ford. In den Autos sitzen stumpf drein blickende Menschen, die sich wünschen überall zu sein, nur nicht im Feierabendstau.

Ich flitze auf meinem geliebten Drahtesel an der Blechkolonne vorbei. Ob ich wirklich schneller zu Hause bin? Ich weiß es nicht. Aber ich bin immer in Bewegung – keine Stillstandsfrustration.

2. Unabhängigkeit

Es ist fast Mitternacht und noch über 20 Grad. Ich sitze mit Freunden unter Kastanien im Biergarten. Unser Gespräch über Sinn- und Unsinn von Telefonzellen wird unterbrochen, weil eine Freundin schauen muss, wann die letzte Bahn fährt. Ein anderer verkündet, dass er nichts mehr trinkt – er muss noch fahren. Ich lehne mich zurück und bestelle in Gedanken das nächste Radler – denn ich bin Radler. Fahrpläne gibt es für mich nicht und etwas mehr Trinken als bei Autofahrern ist auch drin.

Diese Unabhängigkeit gilt nicht nur abends und beim Trinken. Ich muss keine Parkplätze suchen, mir Mitfahrgelegenheit sichern und schon gar nicht warten, wenn ich die Bahn verpasse. Egal wann ich los will – ich muss mich nach nichts und niemandem richten. Außer vielleicht nach dem Wetter.

3. Fitness

Im Berufsalltag ist es nicht immer leicht regelmäßig Zeit für Sport zu finden. Anders beim Radfahren – es ersetzt sicher keinen einstündigen Lauf oder den Kurs in der Muckibude, aber mein Alltag ist voller Bewegung.

4. Pizza

„Die härtesten Zeiten sind die Stunden zwischen den Mahlzeiten“ hat mein Vater einmal gesagt. Kluger Mann. Wer so gerne isst, wie sämtliche Mitglieder meiner Familie, tut gut daran, seinen täglichen Kalorienverbrauch zu steigern. Vor allem, wenn er wie ich nicht auf Blattsalat, sondern auf italienische Teigwaren steht.

Der Kalorienumsatz meines Arbeitswegs (50 Minuten) entspricht ungefähr einer halben Pizza.

5. Kopffreiheit

Ich schaue ständig auf mein Handy. Selbst wenn ich am Computer arbeite starre ich immer wieder auf das Teil. Ich muss immer wissen, was passiert. Und nicht nur das Handy hält mich auf Trab. Eine Beschäftigung ist selten ausreichend. Beim Backen telefoniere ich und ordne die Gewürze neu. Beim Serien-Schauen bearbeite ich Bilder und beim Putzen mache ich Mini-Workouts. Ich bin ein Multitasker der schlimmsten Sorte.

Was dabei verloren geht: Gedanken einfach treiben lassen. Oder sich mental ganz auf ein Thema zu konzentrieren.

Anders beim Radfahren. Meine Beine und Arme sind beschäftigt, meine Augen und Ohren müssen mich durch den Straßenverkehr lotsen – und meine Gedanken sind frei. Frei um den vergangenen Tag zu verarbeiten, um ein anstehendes Meeting vorzubereiten oder einfach nichts zu tun, außer zu sein.

6. Urlaubsgeld

Ich zahle regelmäßig weder Fahrkarten noch Spritgeld und Automobilsteuer und schon gar keine Parktickets. Fahrradfahren kostet nichts, außer die Luft in meinen Lungen und die Kraft meiner Muskeln.

Stattdessen kommt jeden Monat, in dem ich keine Umweltkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufe, 81 Euro in eine alte Kaffeedose. 567 Euro – bisher. Davon kann ich mir dann doch eine Fahrkarte kaufen – zum Beispiel ans Meer oder in die Berge.

7. Ausrollen

Die Sonne knallt auf die roten Hügel Sardiniens. Ich ächze und fluche, während ich, mit Rucksack beladen, die kurvigen Straßen hochkraxle – natürlich auf dem Rad. Jede Kurve sieht aus, als könnte sie die letzte vor dem Gipfel sein. Aber Mal um Mal geht es höher und höher. Ich will absteigen. Ich will den bescheuerten Drahtesel über die Klippen werfen. Aber ich kämpfe weiter.

Und dann: Ich rolle. Vor mir breitet sich das glitzernde, blaue Mittelmeer aus und ich lache auf vor Glück. Der Schmerz rinnt von mir ab wie der Schweiß im Fahrtwind. Ich bin frei. Alle Anstrengung ist nach kaum 100 Metern vergessen. Dieses Gefühl, zu wissen, dass du ab jetzt 20 Kilometer nur bergabrollen wirst: Unbezahlbar.

8. Umweltfreundlichkeit

Muss ich nichts zu sagen, oder?

9. Lebensretterhelm

Bis vor kurzem habe ich mich geweigert Helm zu tragen – weil: unbequem, hässlich und macht die Frisur kaputt. Dann hatte ein mir sehr naherstehender Mensch einen Unfall. Der Helm hat vermutlich sein Leben gerettet.

Inzwischen gibt es auch wirklich hübsche Helme – eine Freundin hat einen, der aussieht wie eine Melone. Ich habe mir meinen Helm mit wasserfesten Stiften einfach selbst verziert.

10. Alltagswunder

Ich liebe die Faszination der kleinen Dinge. Dass dicke Hummeln mit ihren fragilen Flügelchen fliegen können, dass die beste Freundin immer dann anruft, wenn man grade an sie denkt und, dass man durch kleine Tritte auf die Pedale, Räder antreibt und über die Wege saust.

Anderen mag es banal vorkommen, aber jedes Mal, wenn es mir wieder bewusst wird, muss ich lächeln und freue mich, dass es mich schon wieder begeistert.

Je länger ich darüber nachdenke, was an Fahrradfahren toll ist, desto mehr fällt mir ein. Umgekehrt sieht es da anders aus. Ganz ehrlich: Mir fällt nicht ein valider Grund ein, warum Fahrradfahren nicht toll sein sollte.

Mein Song der Woche: Die Prinzen - Mein Fahrrad

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